8.02.2019
Aufbruchstimmung nach Anhörung

Arbeiten am Ökumene-Kompromiss in Putzbrunn

Wie geht es weiter in Putzbrunn? Wieviele ökumenische Sonntagsgottesdienste dürfen künftig möglich sein? Nach einer Anhörung zwischen Kirchenleitung und Vertretern von Pfarrgemeinderat, Kirchenverwaltung und Kirchenvorstand soll nun eine gemischt besetzte Gesprächsgruppe gemeinsam mit dem Ordinariat nach einer Lösung suchen.
Menschen bilden ein Kreuz

Aufbruchstimmung im Putzbrunner Ökumene-Fall: Bei einer nichtöffentlichen Anhörung haben sich Ende Januar Mitglieder der katholischen und der evangelischen Gemeinde mit Vertretern der Kirchenleitung getroffen, um über die Zukunft der gemeinsamen Sonntagsgottesdienste im Ökumenischen Zentrum Putzbrunn zu sprechen.

Von Seiten des Ordinariats nahmen Weihbischof Rupert zu Stolberg und Gabriele Rüttiger, Leiterin der Abteilung Strategie und Ökumene, an dem Gespräch teil. Stadtdekanin Barbara Kittelberger, Dekan Mathis Steinbauer und Heinz Dunkenberger-Kellermann vom Ökumenereferat der Landeskirche vertraten die evangelische Seite.

"Dringender Wunsch nach ökumenischer Verbundenheit"

Stadtdekanin Kittelberger sagte auf Anfrage des Sonntagsblatts, das Treffen sei "sehr hilfreich" gewesen, weil deutlich geworden sei, dass die Christen in Putzbrunn "miteinander ökumenische Verbundenheit leben wollen". Die katholischen Verantwortlichen prüften nun, wie weit dem "dringenden Wunsch" nach häufigeren ökumenischen Gottesdiensten am Sonntagvormittag entsprochen werden könne. Kittelberger warb um gegenseitiges Verständnis für kirchenpolitische Zwänge auf der einen und Ungeduld auf der anderen Seite und begrüßte den Vorschlag von Ordinariatsdirektorin Rüttiger zur Bildung einer Lösungsgruppe.

Seit acht Jahren feiern die Putzbrunner Christen an acht Sonntagvormittagen einen ökumenischen Gottesdienst mit zeitgleichem Kindergottesdienst. Diese Praxis wurde im Oktober 2018 vorerst vom katholischen Ortsgeistlichen gestoppt, weil sie im Widerspruch zum geltenden "Direktorium für ökumenischen Gottesdienste besonders am Sonntag" des Erzbistums München und Freising stehe. 

Eucharistie im Zentrum am "Tag des Herrn"

Laut diesem Regelwerk sollen ökumenische Gottesdienste am Sonntag "eine seltene Ausnahme" bleiben, weil am "Tag des Herrn" die Eucharistiefeier für Katholiken im Mittelpunkt stehe. Die Christen in Putzbrunn wollen hingegen ihre Glaubenspraxis nicht aufgeben. Das Ökumenische Zentrum Putzbrunn ist eins von vier: weitere Ökumenezentren finden sich im olympischen Dorf, in der Messestadt Riem und in Solln.

Erleichtert zeigte sich nach dem Treffen die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Ilse Liebmann. Sie sei froh, dass das Anliegen der Putzbrunner Christen nicht "unter den Tisch gekehrt", sondern gehört und "ernsthaft behandelt" werde, sagte Liebmann dem Sonntagsblatt. Nach Gesprächen mit Weihbischof Stolberg und Kardinal Marx könne sie die Zwänge der Kirchenleitung jetzt besser nachvollziehen.

"Wir sind erwachsene Katholiken"

Dennoch halte sie das gesamte Direktorium für problematisch. "Wir sind erwachsene Katholiken, wir können selbst entscheiden", meinte sie mit Blick auf die fraglichen Sonntagsgottesdienste. Nach ihrem Dafürhalten solle "jede Pfarrei selbst entscheiden dürfen, je nach ihren Gegebenheiten". In Putzbrunn gebe es manche Katholiken, die gegen ökumenische Sonntagsgottesdienste seien. Die Mehrheit stünde aber hinter dem Angebot.

Dennoch könne sie sich vorstellen, "dass wir nicht alle acht Gottesdienste behalten können", so die PGR-Vorsitzende. Deshalb müsse man jetzt prüfen, an welchen besonders viel dranhänge. So finde zum Beispiel der ökumenische Gottesdienst zum Volkstrauertag unter Beteiligung der Kommune und vieler Vereine statt. Auch der Gottesdienst zum Ökumenischen Kirchweihfest sei der Gemeinde "ein großes Anliegen". Sie sei froh über das Angebot aus dem Ordinariat, dass Gemeindevertreter an einer Lösung mitarbeiten könnten.

"Lösung finden, die in sich stimmig ist"

Auch der künftige evangelische Pfarrer von Putzbrunn äußerte sich vorsichtig optimistisch. Der Diskussionsabend habe gezeigt, "dass alle Gläubigen in Putzbrunn zusammenstehen und erhalten wollen, was in den letzten Jahren gewachsen ist", sagte Philipp Stoltz dem Sonntagsblatt. Er sei froh, dass er seine Stelle am 1. März nicht auf einem "Trümmerfeld" antreten müsse und dass die Angelegenheit keinen Keil zwischen die Putzbrunner Christen getrieben habe.

Er selbst sei bis zu seinem 10. Geburtstag katholisch gewesen, sein Cousin sei Priester an St. Ludwig: "Ich weiß um den Stellenwert der Eucharistie." Er sei aber überzeugt, dass sich Eucharistie und Ökumene nicht ausschließen müssten. Mit gutem Willen gebe es genug Lösungsmöglichkeiten für die Frage von ökumenischen Gottesdiensten am Sonntagvormittag. Die katholische Seite stehe nun vor der Herausforderung, eine Lösung zu finden, "die in sich stimmig ist", so Stoltz.  

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Hintergrund & Einordnung

Direktorium Ökumene
Ob und wann ein ökumenischer Gottesdienst am Sonntag gefeiert werden kann, regelt für die Katholiken in Deutschland eine Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz von 1994. Nur im Erzbistum München und Freising gibt es seit 2017 ein eigenes "Direktorium" zu dieser Frage. An ihm scheiden sich im Putzbrunner Ökumene-Fall die Geister. Aber worum geht es eigentlich und was steht drin?
Sonntagsblatt