3.03.2020
Kirche & Diakonie

Ausstellung über Sterben und Tod: Was wirklich zählt und bleibt

Eine Wanderausstellung in seinen Kirchenräumen zu präsentieren ist nichts Außergewöhnliches. Aber die Themen "Weitergeben – Schenken – Stiften – Vererben" und das Motto "Was bleibt" der Schau der evangelischen Landeskirche und der bayerischen Diakonie sind zeitlos.
Ausstellung Herzogenaurach
Pfarrerin Karola Schürrle und eine Reihe Ehrenamtlicher

Was die Ausstellung, die bis 14. April in und um die evangelische Kirche in Herzogenaurach gezeigt wird, so besonders macht, ist das Rahmenprogramm. Und die vielen Freiwilligen, die mit anpacken.

Viele Menschen denken mit Sorge an die Zukunft: Was wird morgen sein? Was ist, wenn mir etwas passiert oder wenn es mir gesundheitlich schlechter geht? Was bleibt, wenn ich tot bin? "Wir wollen uns diesen und ähnlichen Fragen stellen und vor allem ermutigen, zu handeln und auch über die vorletzten und letzten Dinge zu reden", erklärt Pfarrerin Karola Schürrle, die zusammen mit Kollegin Andrea Schäfer und einem Team Ehrenamtlicher für das Programm verantwortlich zeichnet.

Fast 20 Frauen und Männer aus Herzogenaurach nehmen sich zu den Öffnungszeiten der Kirche in den kommenden Wochen Zeit, um Besucher zu empfangen und über die Ausstellung mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

"Genau darum nehme ich mir die Zeit. Viele Menschen sind verunsichert und möchten sich offen mit anderen austauschen", meint Kerstin Engel. Die Helferin hat selbst schon einiges für ihren Nachlass geregelt, zum Beispiel die Lieder für ihre Beerdigung ausgesucht.

Für Gerda Doekbryder-Ramm, die regelmäßig in ihrer Gemeinde mit anpackt, ist es selbstverständlich, dabei zu sein. Für Menschen im vorgerückten Alter sei es einfacher, über "letzte Dinge" wie das Testament oder den Grabschmuck zu sprechen, als für die jungen Angehörigen. Da müssten noch einige Hürden genommen werden. Waltraud Heinzel ergänzt: "Früher wurde über so etwas überhaupt nicht gesprochen, und wenn der Tod plötzlich kam, standen die Hinterbliebenen recht hilflos vor vielen Fragezeichen."

Das begleitende Programmheft liefert ein Rundumpaket mit Gottesdiensten, Informationsveranstaltungen, Konzerten, Führungen und Vorträgen.

Nur ein paar Beispiele von rund 20 Veranstaltungen: Der evangelische Nürnberger Regionalbischof Stefan Ark Nitsche nimmt am 21. März den ersten runden Geburtstag der Kirche, die vor zehn Jahren geweiht wurde, zum Anlass, ein Referat zum Thema "Kirche: Raum für die Zukunft" zu halten und drei Workshops zu leiten.

"Was bleibt", das Motto kann man ebenso auf ein Instrument wie die Orgel münzen, die seit 2019 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört und mit der sich Kantor Gerald Fink am 4. März im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Orgelbauvereins Herzogenaurach, Klaus Rosenfeld, befasst und dabei natürlich auch musiziert. In Erinnerung an die biblische Erzählung, in der Jakob seinen Bruder mit einem Linsengericht um sein Erbe bringt, besteht die Möglichkeit, sich am 2. April über leidvolle oder auch gelungene Erbauseinandersetzungen in der Familie auszutauschen und dabei Linsen zu verspeisen. Über die eigene Beerdigung kann man sich am 10. April beim Gang über den Neuen Friedhof Herzogenaurach Gedanken machen und dabei unterschiedliche Begräbnisformen kennenlernen.

Die Ausstellung selbst porträtiert auf Schautafeln verschiedene (fiktive) Menschentypen mit einem Satz als Denkanstoß sowie Gegenstände oder Erinnerungen, die sie in ihrer persönlichen "Schatzkiste" gesammelt haben. Da findet man die heiß geliebte Rolling-Stones-Single neben der alten Brille und dem Fotoapparat, Bilder auf dem ersten Fahrrad oder mit viel zu langen Haaren, daneben ein Stück Apfelkuchen, gebacken nach Omas Lieblingsrezept, und dazu ihr Nudelholz.

"Die Besucher sollen überlegen, was in ihrem Leben wichtig war und was sie weitergeben und vererben möchten", meint Kurator Günter Gastner vom Kompetenzzentrum Fundraising bei der Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenstelle in Ansbach. Herzogenaurach sei bereits die 16. Station der Wanderausstellung, die vor vier Jahren in Weißenburg startete. Ein ähnlich reichhaltiges Begleitprogramm wie hier hat der für den Kirchenkreis Nürnberg zuständige Pfarrer noch nicht gesehen: "Da wäre manches Bildungswerk neidisch", sagte Gastner beim Aufbau.

Kirchengemeinden oder diakonische Einrichtungen können die Ausstellung ausleihen und sogar erweitern: Eine eigene Tafel hat die Jugend der Kirchengemeinde gestaltet und weist auf den bleibenden Schatz der Kirchenmusik hin. 

INFO: Mehr unter www.was-bleibt.de und www.herzogenaurach-evangelisch.de. Die Ausstellung begleitet eine Buchausstellung in der Stadtbücherei.

ShareFacebookTwitterShare

Weitere Artikel zum Thema:

TV-Tipp: Lebensformen

Der frühe Tod eines Elternteils ist ein einschneidendes Erlebnis, das das weitere Leben von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen nachhaltig prägt. Nicht immer zeigt sich die Trauer in einer Weise, wie andere es vielleicht erwarten würden: Trauer ist individuell und der Umgang mit den damit verbundenen Gefühlen und Gedanken unterschiedlich. Die "Nicolaidis Young Wings Stiftung" bietet Hilfe an.
Sonntagsblatt