25.03.2019
Frieden & Gerechtigkeit

Bischof Bedford-Strohm für Verbot von "Killerrobotern"

Die Kritik an autonomen Waffensystemen nimmt zu. Bischof Bedford-Strohm sprach sich für ein Verbot von "Killerrobotern" aus. Auch bei einer UN-Konferenz in Genf wurde über das Thema gesprochen.
Bischof Bedford-Strohm spricht vor der Landessynode in Lindau 2019
Bischof Bedford-Strohm spricht vor der Landessynode in Lindau 2019.

Die Kirchen sollen sich nach Überzeugung des bayerischen Landesbischofs Heinrich Bedford-Strohm für ein Verbot von "Killerrobotern" stark machen. Die technologischen Entwicklungen im digitalen Zeitalter machten autonome Waffensysteme und "Tötungsentscheidungen" mit Hilfe künstlicher Intelligenz möglich, sagte der Bischof in seinem Bericht vor der in Lindau tagenden evangelischen Landessynode.

Bisher sei es nicht gelungen, solche Waffensysteme durch einen Konsens der Vereinten Nationen (UN) völkerrechtlich zu verbieten. Deshalb sollten sich die Kirche einer internationalen Kampagne zur Ächtung dieser Killerroboter anschließen, sagte der Bischof, der auch Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist.

Wie das "zynische Propaganda-Kalkül" des Attentäters von Christchurch in Neuseeland zeige, brauche das Internet die besondere Aufmerksamkeit auch der Kirchen, weil es eine der "wichtigsten Quellen von Unfrieden" sei. Mit jeder Kopie oder jedem Teilen des Videos, das der Attentäter ins Netz gestellt hat, stürben die Opfer einen weiteren Tod.

Es dürfe nicht hingenommen werden, dass es im Netz eine rechtsextremistische Subkultur gebe, die offensichtlich global vernetzt sei. In einem Europa, in dem sich Spaltungstendenzen verstärken und sich Bewegungen ausbreiten, die Hassbotschaften aussenden, sollen die Kirchen für einen Weg der Versöhnung einstehen, betonte der Bischof.

UN beraten in Genf über Verbot von "Killerrobotern"

Der internationale Streit über sogenannte Killerroboter geht in die nächste Runde. Auf einer am Montag in Genf begonnenen UN-Konferenz mit Regierungsvertretern stehen sich Befürworter und Gegner eines Verbotes der autonomen Kriegsgeräte gegenüber. Auf der bis Freitag dauernden Veranstaltung wollen die Regierungsvertreter zunächst über eine politische Erklärung beraten, wie aus Diplomatenkreisen verlautete. Sie solle auf Gefahren durch Killerroboter hinweisen, könne die Maschinen aber nicht völkerrechtlich verbindlich verbieten.

Mehr als zwei Dutzend Staaten verlangen Verhandlungen zum Verbot dieser Systeme, darunter Österreich und Belgien. Auch Rüstungsgegner wie die Internationale Kampagne zum Stopp von Killerrobotern fordern die Ächtung der "tödlichen autonomen Waffensysteme". Entscheidungen über Leben und Tod von Menschen dürften nicht Maschinen überlassen werden.

Die Kampagne wirft den beiden großen Militärmächten USA und Russland vor, Verbotsverhandlungen im Rahmen der UN-Konvention über bestimmte konventionelle Waffen zu verhindern. Auch Deutschland setze sich nicht überzeugend für ein Verbot ein, heißt es. "Die Länder, die Waffen mit autonomen Fähigkeiten haben, entwickeln oder diese zukünftig beschaffen wollen, und dazu gehört Deutschland, verhindern, ein Verbot vollautonomer Waffen sicherzustellen", beklagt Thomas Küchenmeister, Sprecher der Kampagne in Deutschland.

Killerroboter und Künstliche Intelligenz

Killerroboter könnten laut den Rüstungsgegnern schon in einigen Jahren zum Alltag auf den Schlachtfeldern gehören. Künstliche Intelligenz bildet die Basis. Nach Plänen von Militärs sollen Killerroboter selbstständig Gegner töten, ohne dass Menschen eingreifen. Mobile Systeme setzen sich selbst in Marsch oder werden in Marsch gesetzt. Dieser Marschbefehl stammt im Extremfall von anderen Robotern. Stationäre Systeme werden fest verankert, zum Beispiel auf Kriegsschiffen, entlang Grenzen oder zum Schutz gefährdeter Einrichtungen wie Atomanlagen.

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