11.11.2012
Zeitzeichen

Buß und Bettag und Weiltingen

Es steht an: Der Buß- und Bettag und mit ihm in den Redaktionen von Zeitungen, Funk und Fernsehen der alljährliche Griff zur großformatigen Bayern-Karte: Wo, bitteschön, ist eigentlich Weiltingen?

Wir verraten es nicht, denn die Weiltinger haben den Medienrummel langsam satt. Denn der stellt sich so sicher ein wie die Aufforderung zur Buße an besagtem Tag, der einmal ein »echter« Feiertag war, aber bei Einführung der Pflegeversicherung abgeschafft wurde. In ganz Deutschland?

Nein, eben nicht, denn in Weiltingen bleiben seit 1996 am Buß- und Bettag die Geschäfte zu, das Rathaus, der Bauhof, die Apotheke, die Arztpraxen, die Bank, alles eben, bis auf die Kirche, und die ist voll von Besuchern. All dieses, das Asterix'sche im Handeln der Weiltinger (Ein unbeugsames Dorf hört nicht auf, Widerstand zu leisten...) und deren Erfolg damit (Heuer bleibt sogar die neu eröffnete Filiale des Drogerie-Riesen Schlecker zu!) lockt Medienleute aus der ganzen Republik in die 1400-Seelen-Marktgemeinde.

Es gibt allerdings einen gravierenden Unterschied zu anderen Medienauftrieben, etwa rund um Bohlen und Konsorten. Hier geht's um die Sache, nicht um den Rummel. Deshalb verlassen die Weiltinger die Kirche nach dem Gottesdienst durch den Hinterausgang, weshalb sich die Kameraleute am Hauptportal regelmäßig über den geringen Besuch wundern.

Und deshalb haben sie sogar ihrem Bürgermeister, einem Landwirt aus dem Nachbardorf, verboten, heuer, wie 2002, am Buß- und Bettag Raps durch ihren Ort zu fahren. Der dachte erst, das wäre ein Witz. War es aber nicht. Wenn er heuer fährt, nimmt er den Umweg über Ruffenhofen. Denn in Weiltingen ist Feiertag.

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