21.05.2019
Europa in der Region

EU-Förderung in Bad Endorfs evangelischer Gemeinde

Zu bürokratisch, zu träge, zu weit weg: Nicht immer stoßen EU-Entscheidungen im Alltag der Bürger auf Begeisterung. Doch wofür Brüssel vor Ort gut ist, zeigt sich an Projekten wie dem "Treffpunkt der Generationen und Kulturen" der evangelischen Gemeinde Bad Endorf.
Ohne EU-Fördermittel des Projektes Leader gäbe es den Gruppenraum in der Dreieinigkeitskirche Bad Endorf sicher nicht. Jetzt ist das Leben in die Gemeinde zurückgekehrt. Ein Audio-Beitrag von Elke Zimmermann (efa).

Ohne das regionale EU-Förderprogramm "Leader" gäbe es im 2017 sanierten und umgebauten Gemeindehaus der Dreieinigkeitskirche einen Raum weniger. Für den Anbau zum Gemeindesaal erhielten die Endorfer Protestanten rund 45.000 Euro Zuschuss für das Projekt "Treffpunkt der Generationen und Kulturen".

Das Extra-Zimmer mit Platz für 20 Personen sei ein Herzenswunsch der Gemeinde gewesen, erinnert sich Kirchenvorsteherin Elli Haus: "Wir wollten das Dorf in die Kirche zurückholen." Deshalb warb sie schon vor Baubeginn im Ort für die neuen Veranstaltungsräume – mit Erfolg. "Unser Belegungsplan ist voll", sagt Haus stolz. Krabbelgruppe, Yoga-, Tanz- und Italienischkurs, Asylsozialberatung, Geburtstagsfeiern und der Seniorenkreis: Seit der Einweihung im Februar 2017 herrscht buntes Treiben in und um die Gemeinde herum.

"Treffpunkt der Generationen" in Bad Endorf mit EU-Mitteln finanziert

Das freut auch Pfarrer Dietrich Klein. Durch die beiden Räume gebe es häufig Parallelveranstaltungen. "Dadurch entsteht im Hof viel Leben, hier treffen die Asylsuchenden auf die Leute aus dem Sprachkurs oder dem Seniorenkreis – es mischt sich!" sagt Klein.

Natürlich habe es bei der Bewerbung um EU-Mittel auch Bedenken gegeben. "Viele haben Angst vor den Förderauflagen", sagt der Pfarrer. Er selbst habe die Rahmenbedingungen eher als hilfreich empfunden. "Es tut Kirche gut, zu wissen, welche Erwartungen die Gesellschaft an sie hat: Integration, generationenübergreifendes Arbeiten – alles Dinge, die wir jetzt schon leisten."

Auch seine Frau, Pfarrerin Julia Offermann, ist froh über das "attraktive Zentrum", das die Gemeinde dank EU-Mitteln nun für die Endorfer Gesellschaft anbieten kann. Gerade das "Leader"-Programm zeige, dass die kleinen Regionen auf EU-Ebene nicht vergessen seien. "Es geht in der EU nicht nur um Internationales, sondern auch um die Menschen vor Ort", ist ihr Fazit.

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