7.10.2019
Mission in Papua-Neuguinea

Johann-Flierl-Museum: Kirchengemeinde setzt Missionar ein Denkmal

Johann Flierl war der erste evangelische Missionar in Papua-Neuguinea. Der Oberpfälzer wurde in einem kleinen Weiler bei Fürnried geboren, wo er von 1864 bis 1871 die Dorfschule besuchte. Dort wird nun ein Museum eingerichtet.
Johannes Flierl-Museum in Fürnried
Das Johann-Flierl-Museum im Alten Schulhaus in Fürnried: Am 31. Oktober wird es eröffnet.

Mit einer Frage fing alles an: "Was sind die Aufgaben einer Kirchenpflegerin?", fragte sich Gerda Stollner, als sie vor einigen Jahren ihr Amt in der Gemeinde Fürnried im Kreis Amberg-Sulzbach übernahm. "Zu den Aufgaben gehört unter anderem, sich um das Vermögen und die Schätze der Kirchengemeinde zu kümmern, also auch um unseren Schatz Johann Flierl", sagt Gerda Stollner heute." Von da an sei in ihr der Gedanke gereift, ein Johann-Flierl-Museum zu eröffnen.

Johann Flierl (1858-1947) war der erste evangelische Missionar in Papua-Neuguinea, geboren wurde er am 16. April 1858 im Weiler Buchhof, südlich von Fürnried. "Von 1864 bis 1871 besuchte er in Birgland die Dorfschule. Dort, im ersten Stock, werden wir nun das Museum errichten", berichtet die Kirchenpflegerin. Im Alter von 17 Jahren trat Flierl in die Neuendettelsauer Missionsanstalt ein.

1878 reiste der Oberpfälzer als Missionar zunächst nach Südaustralien. Dort wirkte er sieben Jahre unter den Ureinwohnern der Inlandswüste.

"1886 machte sich unser Johann schließlich auf den Weg nach Neuguinea, der nordöstliche Teil der Insel war bereits deutsche Kolonie. Angekommen war Flierl am 12. Juli 1886, an diesem Datum ist mittlerweile in Papua-Neuguinea Flierl-Gedenktag", erzählt Gerda Stollner. Der Missionar wirkte zunächst in Simbang bei Finschhafen, 1892 gründete er die Missionsstation Sattelberg. "Johann Flierl blieb bis 1930 in Neuguinea. Bis zu diesem Zeitpunkt entstanden 18 Missionsstationen, und 25.000 Christen wurden getauft." Heute ist die evangelisch-lutherische Kirche von Papua-Neuguinea mit rund einer Million Mitgliedern die größte lutherische Kirche im pazifischen Raum.

Johann Flierl
Der Neuguinea-Missionar Johann Flierl (ca. 1890)
Johann Flierl in Neuguinea
Missionar Johann Flierl in Neugiunea (undatiert)
Johann Flierl mit einem Enkel und einem Eingeborenenkind
Der Neuguinea-Missionar Johann Flierl mit einem Enkel und einem Eingeborenenkind.

"Wir möchten einfach nicht, dass Johann Flierl und sein Wirken in Vergessenheit geraten. Daher möchten wir im Herbst das Museum in Birgland eröffnen", so Gerda Stollner, die zugleich Vorsitzende des Fördervereins "Leben und Wirken des Missionars Johann Flierl" ist. Insgesamt wird es zwei Ausstellungsräume im Museum geben, ein Raum widmet sich dabei Flierls Leben und seiner Arbeit. "Die Besucher erfahren alles Wichtige über seine Kindheit in Fürnried, seine Ausbildung in der Neuendettelsauer Missionsanstalt, seine Reise nach Südaustralien sowie nach Papua-Neuguinea. Dabei geht es natürlich auch um seine Arbeit als Missionar", erklärt Stollner.

Umgesetzt werde das Ganze in Form von Fotos, Filmen, Infotafeln und einzelnen Original-Handschriften Johann Flierls. "Wir erhalten Dauerleihgaben von Fierl-Nachkommen sowie aus der Bevölkerung. Außerdem bekommen wir von der Mission EineWelt einen Altar; dieser stand zuletzt am Sattelberg in Papua-Neuguinea." Im zweiten Raum im Johann-Flierl-Museum dreht sich alles um das Land Papua-Neuguinea.

"Die Besucher sollen einen Einblick bekommen, wie die Menschen im südwestlichen Pazifik leben. Dafür stellen wir zum Beispiel typische Bekleidungsstücke sowie Haushaltsgeräte aus Papua-Neuguinea aus."

Eröffnet wird das Johann-Flierl-Museum heuer am Reformationstag (31. Oktober). "Schulklassen, Konfirmandengruppen, Frauenkreise, Radfahrer, wir freuen uns über jeden Besucher, der hier dann Station machen möchte", sagt die Kirchenpflegerin. An die 180.000 Euro fließen in das neue Flierl-Museum. "Es entstehen Kosten etwa für Reproduktionen aus dem Landeskirchlichen Archiv, Vitrinen, Objektbeleuchtungen, Hörstationen, Weltkarten, Leinwände, Fernseher, Beamer, Stühle. Darüber hinaus mussten die Räume zum Teil renoviert werden, das heißt Fußböden abgeschliffen und Elektroinstallationen verlegt werden. Wir freuen uns daher sehr über jede finanzielle Unterstützung für unser Projekt", erklärt Gerda Stollner.

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