19.07.2020
Kirchensteuer

Kirchen fehlen Millionen durch Einbußen bei der Kirchensteuer

Eine Mehrheit der Landeskirchen und Bistümer in Deutschland rechnet im Zuge der Corona-Krise für das Jahr 2020 mit Einnahmeverlusten bei der Kirchensteuer von mindestens zehn Prozent.
Kirchensteuer Einnahmen

Eine Mehrheit der Landeskirchen und Bistümer in Deutschland rechnet im Zuge der Corona-Krise für das Jahr 2020 mit Einnahmeverlusten bei der Kirchensteuer von mindestens zehn Prozent. Das zeigt eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) unter den 20 evangelischen Landeskirchen und 27 katholischen Bistümern. Demnach prognostizieren alle evangelischen Landeskirchen einen Rückgang der Kirchensteuereinnahmen von mindestens zehn Prozent. Bei den katholischen Bistümern waren die Angaben oft zurückhaltender. 24 Bistümer meldeten, dass sie mit spürbaren Einschnitten rechnen.

So teilte die größte katholische Diözese, das Erzbistum Köln, mit, dass man mit einem Rückgang der Kirchensteuer für das laufende Wirtschaftsjahr von bis zu zehn Prozent rechne. Das entspreche einem Fehlbetrag von 50 Millionen Euro. Damit ergebe sich finanziell eine Situation, die nach bisherigen Prognosen erst in einigen Jahren zu erwarten gewesen wäre. Im Bistum Trier rechnet man ebenfalls mit einem Rückgang um 10 Prozent, im Bistum Mainz sogar um 20 Prozent. Dort könnten nach derzeitigen Rechnungen 45 bis 50 Millionen Euro in der Kasse fehlen, im Bistum Freiburg zwischen 23 und 63 Millionen Euro.

Kirchensteuer: Rückgang um 12 Prozent bei evangelischen Landeskirchen

Unter den größten evangelischen Landeskirchen rechnet man mit Rückgängen zwischen 12 und 16 Prozent. Die größte evangelische Landeskirche mit Sitz in Hannover erwartet, dass allein im Jahr 2020 am Ende bis zu 90 Millionen Euro in der Kasse fehlen könnten. Das entspricht rund 15 Prozent des Kirchensteueraufkommens von 2019. Die rheinische und die Nordkirche rechnen mit Einnahmerückgängen um etwa zwölf Prozent. In Württemberg geht man von einer Finanzierungslücke von etwa 16 Prozent aus, einem Wert von etwa 140 Millionen Euro.

Auch in Bayern rechnen die beiden großen Kirchen mit teils massiven Einbrüchen bei der Kirchensteuer wegen der Corona-Pandemie. Doch während etwa die bayerische Landeskirche schon recht konkret einen Rückgang des Steueraufkommens von zwölf Prozent und infolgedessen ein Minus von 95 Millionen Euro bei den Einnahmen erwartet, halten sich die meisten katholischen Bistümer und Erzbistümer in Freistaat mit Zahlen zurück. Nur aus dem Erzbistum Bamberg hieß es, man halte die Prognosen des IFO-Instituts von zehn bis 15 Prozent Rückgang bei der Kirchensteuer für "nicht abwegig". Aus dem Bistum Würzburg hieß es, man erwarte einen Kirchensteuerrückgang von elf Prozent.

Corona wirkt sich auf Kirchen aus

Anders hingegen die Aussagen etwa aus dem Bistum Augsburg. Man könne "zum jetzigen Zeitpunkt kaum seriös" abschätzen, wie genau sich die Pandemie auf die Finanzen der Diözese auswirke. Auch aus dem Erzbistum München hieß es, man habe aktuell "noch keine valide Datenbasis". Im Bistum Eichstätt rechnet man "mit einem signifikanten Rückgang" der Kirchensteuereinnahmen, aber wie hoch sie tatsächlich werden, sei "aktuell noch nicht seriös bezifferbar". Aus Passau hieß es, man rechne mit deutlichen Einbußen, die Höhe aber könne man "nicht sagen", weil die Pandemie-Dauer mit all ihren Folgen noch unklar ist. Auch aus Regensburg gab es deshalb keine konkreten Zahlen.

Einig sind sich Katholiken und Protestanten, dass man auf die stark veränderte Einnahmensituation reagieren muss. Ausgaben müssten weiter reduziert oder genau geprüft werden, heißt es aus beispielsweise aus den Bistümern in Würzburg und Passau. Landeskirchen-Sprecher Johannes Minkus sagte, mögliche Einsparungen wolle die Kirchenleitung mit den "bisherigen inhaltlich-strategischen Entscheidungen" - vor allem im Hinblick auf den Reformprozess "Profil und Konzentration" beschließen. Außerdem seien bereits ein Nachtragshaushalt sowie finanzielle Unterstützungen für die Diakonie und kirchliche Einrichtungen im Umfang von 29,5 Millionen Euro beschlossen worden.

Grund für den Rückgang der Kirchensteuer, die an die Lohn- und Einkommenssteuer gekoppelt ist, ist vor allem die Kurzarbeit im Zuge der Corona-Pandemie. Denn auf das Kurzarbeitergeld wird keine Kirchensteuer erhoben. Trotz sinkender Mitgliederzahlen waren die Kirchensteuereinnahmen in den vergangenen Jahren gestiegen. Die evangelische Kirche meldete für das Jahr 2019 Einnahmen in Höhe von 5,9 Milliarden Euro. Für die katholische Kirche liegen noch keine Zahlen für 2019 vor, 2018 nahm sie 6,7 Milliarden Euro durch Kirchensteuern ein.

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