27.03.2020
Gegen Rechtsextremismus

Kirchliche Grußkarten an bedrohte muslimische Gemeinde

Mit einer Postkartenaktion zeigen Bewohner von Röthenbach an der Pegnitz Solidarität mit der Moschee-Gemeinde im Ort. Auf Initiative der evangelischen und katholischen Kirchen schreiben sie persönliche Grüße auf Karten an den Verein, der Anfang März per Post eine Morddrohung mit beigelegter Patronenkugel erhalten hatte.
Briefe schreiben - trotz Internet und Digitalisierung.

"Der Hass- und Drohbotschaft setzen wir eine positive Botschaft entgegen", so Pfarrer Mielke.

Weil eine für den 13. März angesetzte Solidaritätskundgebung in der Corona-Krise ausfallen musste, läuft seither die Postkartenaktion.

Mit seinem katholischen Kollegen habe er bereits zwei Mal ausgefüllte und unterschriebene Karten zum türkisch-islamischen Verein gebracht. Der hänge die Solidaritätsadressen in seiner großen Halle auf. "Es gibt bei uns eine gewisse Vertrautheit mit dem muslimischen Mitbürgern", berichtet der Pfarrer. Allerdings stelle er fest, dass auch in Röthenbach "das allgemeine Klima negativer geworden ist". Er bedauere, dass im neuen Stadtrat ein AfD-Vertreter sitze.

Die Postkarten seien ein Zeichen, dass wir gemeinsam für die Moscheegemeinde einstehen, erklärt Mielke, der den Gruß selbst gestaltet hat. Zum Haupttext "Wir stehen ein für den Frieden" hat er eine Sure aus dem Koran und einen Psalmvers und ein Aquarell gestellt.

Die mittelfränkische Polizei hatte Ende der vergangenen Woche erklärt, eine Sonderkommission habe die Verfasserin des Drohschreibens an die Moschee-Gemeinde gefasst.

Die 55-Jährige soll auch Kommunalpolitikern und einer Sozialeinrichtung aus rechtsextremistischen Motiven heraus Drohungen geschickt haben.

ShareFacebookTwitterShare

Weitere Artikel zum Thema:

Christlich-jüdische Aktion

Woche der Brüderlichkeit 2020
Selbstverständliche Zivilcourage und ein eindeutiges Vorgehen gegen Antisemitismus, Antiislamismus und Rassismus wurden bei der Eröffnungsveranstaltung der christlich-jüdischen "Woche der Brüderlichkeit" in Nürnberg gefordert. Das diesjährige Motto "Tu deinen Mund auf für die anderen" müsse als Grundsatz für alle gelten.