3.12.2019
Kunst in Kirchen

"Kunststationen": Landeskirche will mehr Kunst in die Gemeinden bringen

"Die Wirklichkeit stellt kein geschlossenes System dar": Daran müssen laut Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler die Kunst wie auch die Kirche erinnern. Beide gehören eng zusammen - weswegen die Kirche nun eine "Kunstkonzeption" formuliert hat.
Frau malt Bild

Die Kunstarbeit in den Gemeinden will die bayerische evangelische Landeskirche stärken. Als "Kunststationen" sollen sich künftig besonders kunstsinnige Orte, Kirchen, kirchliche Einrichtungen oder Kunstprojekte bezeichnen dürfen. Das sieht die neue "Kunstkonzeption" vor, die am Mittwochabend bei der Tagung der Landessynode in Bamberg vorgestellt wurde.

"Es verbindet Kunst und Kirche, dass sie es mit dem Unaussprechlichen, dem ganz Anderen zu tun haben", sagte die scheidende Regionalbischöfin für München und Oberbayern, Susanne Breit-Keßler, bei der Vorstellung. Bei den Synodalen traf die Konzeption auf breite Zustimmung.

"Kunst schafft Freiräume", "Kunst lotet Fragen aus über das Leben", "Kunst in der Kirche zieht Menschen an": Mit mehreren Statements formuliert die Konzeption die starke Position von Kunst in der Kirche. Was in den bayerischen Gemeinden an Kunstarbeit geleistet werde, "ist enorm", sagte der Kunstreferent der Landeskirche, Helmut Braun. Bei Kunst gehe es nicht nur um Altar und Taufbecken, sondern etwa auch um Symbole wie das christliche Kreuz, um Gefäße, Farben, Rauminstallationen oder Bilder.

"Kunststationen" können Orte sein, die seit mehreren Jahren oder besonders intensiv nachhaltige Kunst- und Kulturarbeit betreiben, oder Kirchen, die sich auf besondere Weise im Kunstbereich profilieren. Landeskirchliche Einrichtungen können etwa durch regelmäßige Ausstellungen oder Kunstvermittlung den Titel erhalten, ebenso wie temporäre Kunstprojekte. An Kunststationen sollen "die Welt der Kunst und die Welt religiöser Gefühle" aufeinandertreffen können. Mit dem Status, der wie bei einem Gütesiegel in einem festgelegten Verfahren verliehen wird, kann eine besondere finanzielle Förderung verbunden sein. Die regionalen Kunstbeauftragten unterstützen die Stationen.

"Der Kunst ist es möglich, religiöse Empfindungen und Erfahrungen hervorzurufen", sagte Breit-Keßler.

Mit ihren Deutungen sei Kunst "wertvolle Dialogpartnerin" für die Kirche. Beide müssten daran erinnern, "dass die vorfindliche Wirklichkeit kein unüberwindliches geschlossenes System darstellt", und seien aufgerufen, zur Vorstellung des Gegenteils zu ermuntern. Kunst demonstriere Freiheit in einer Welt der Funktionen. Wie auch der Glaube habe sie einen Wahrheitsanspruch und sei zugleich kritisch-reflektierend, nehme den Alltag wahr und transzendiere ihn.

Pfarrer Richard Graupner, Kunstbeauftragter für den Kirchenkreis München-Oberbayern, berichtete vom Kunstprojekt seiner Gemeinde in Großkarolinenfeld im Kreis Rosenheim: Statt neue Abendmahlsgeräte zu kaufen, sammelten die Gemeindemitglieder gespendetes Altsilber und ließen eine Künstlerin daraus neue Kelche und Schalen gießen. Im Laufe des Prozesses hätten sie sich intensiv mit dem Thema Abendmahl befasst und etwa mit der Frage, wie die Gegenstände den Geist der Gemeinschaft ausdrücken können, sagte Graupner.

Laut Kunstreferent Braun erstellt die Kirche zurzeit eine Datenbank mit den Kunstwerken, die sie selbst im Lauf der Zeit gesammelt hat.

Sie stammten von Künstlern, die für Kirchengemeinden gearbeitet haben. Sobald die Datenbank fertig ist, sollen sich bayerische Gemeinden die Kunstwerke über einen einfachen Mechanismus ausleihen können - "und sie dann möglichst nicht nur wie Sahnehäubchen an die leere Wand hängen, sondern damit arbeiten", sagte Braun.

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