4.11.2019
Brauchtum

Solidaritätswelle für das Nürnberger Christkind Benigna Munsi im Netz

Turbulente Wochenenden hat ein Nürnberger Christkind normalerweise in der Weihnachtszeit. Um das neue Christkind Benigna Munsi war der Wirbel gleich nach der Wahl groß. Ausgelöst hatten ihn rechtsextreme Posts im Netz, denen ein "Love-Storm" folgte.
Eröffnung Christkindlmarkt Nürnberg
Eröffnung des Christkindlmarktes in Nürnberg 2018 - mit dem Christkindl Rebecca Ammon, der Vorgängerin von Benigna Munsi.

Das neue Nürnberger Christkind Benigna Munsi hat am Wochenende die Worte "Love-Storm", "Candy-Storm" und Honey-Storm" gelernt, wie sie bei einer Pressekonferenz im Nürnberger Rathaus bekannte. Sie habe unheimlich viele positive Reaktionen auf ihre Wahl zum Christkind erhalten und gehe nun "noch motivierter und mit viel Freude" in ihr Amt. Ihr täten die Menschen leid, die mit der gezeigten ablehnenden Haltung durch die Welt gingen, "und sich nicht auf das konzentrieren, was wirklich wichtig ist".

Dem vorausgegangen waren ein paar rassistische Posts im Internet, unter anderem vom AfD-Kreisverband München-Land, der die Wahl der Tochter einer Deutschen und eines Indischstämmigen auf Facebook mit den Worten kommentierte: "Nürnberg hat ein neues Christkind. Eines Tages wird es uns wie den Indianern gehen." Der Beitrag wurde inzwischen gelöscht, der Kreisverband entschuldigte sich dafür.

Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) zeigte sich von überwältigend positiven Reaktionen im Internet auf das neue Nürnberger Christkind sehr erfreut. Er sei überrascht gewesen, "dass das Netz Haltung und Menschenwürde gezeigt hat", nachdem dort "bescheuerte Kommentare" nach der Wahl Benignas aufgetaucht waren.

Maly wünsche sich für das Christkind, dass es jetzt wieder "zu seinem Kerngeschäft kommen kann, und das Kerngeschäft ist Weihnachten", sagte Maly.

Der Oberbürgermeister räumte ein, dass er sich in einem inneren Widerspruch befinde, weil die Kommentare aus der rechten Ecke mit einer Pressekonferenz am Sonntagnachmittag aufgewertet werden könnten. Anderseits sei aber das Medieninteresse an dem Christkind sehr groß, und man wolle verhindern, dass Journalisten unangemeldet bei den Munsis an der Tür klingelten. Sie seien keine Medienprofis. Er selbst habe nur einmal mehr Medien in Nürnberg jenseits des Interesses am jeweiligen Christkind erlebt, sagte der Oberbürgermeister. Damals sei im Tiergarten ein Eisbärenbaby geboren worden.

Er sei immer mit offenen Armen in Deutschland aufgenommen worden, sagte Benignas Vater, Kausik Munsi, der als 19-jähriger Student der Elektrotechnik und Informatik in die neue Heimat gekommen war und dort seine Familie gründete.

"Menschen auf der ganzen Welt wandern", sagte Munsi, der im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) beschäftigt ist.

Eine Gänsehaut habe er bekommen, als ihm der Präsident des BAMF per E-Mail zur Wahl seiner Tochter zum Christkind gratuliert habe.

Seine Frau, Teresia-Benedicta Kleiner-Munsi, schränkte aber ein. Es freue sie, dass ihr Mann immer positiv aufgenommen worden sei. Sie selbst habe sich mit ihren Kindern auf der Straße aber schon immer mal wieder dumme Sprüche anhören müssen. "Das darf man aber nicht ernst nehmen, da steht man drüber", habe sie den Kindern gesagt.

Markus Söder Twitter Benigna

Unterstützung hat Benigna Munsi auch vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) erfahren. Den Post der AfD München-Land bezeichnete er als "schäbiges Verhalten". "Diese Hetze dürfen wir nicht zulassen", schrieb Söder am Freitag auf Twitter. Und auch der Fankenblog reagierte positiv und zitiert #BenignaMunsi: "Es gibt eben dumme Leute. Aber nicht die Hautfarbe, sondern das, was ein Mensch sagt und tut, zählt."

Die 17-jährige Gymnasiastin Benigna wird am 29. November als neues Christkind von der Empore der Nürnberger Frauenkirche den Prolog zur Eröffnung des Christkindlesmarkt sprechen. Außerdem wird sie etwa 150 Termine in Altenheimen, Krankenhäusern und Kindereinrichtungen absolvieren.

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