16.02.2020
Nürnberg-Erlangen

Theologiestudierende üben in einem Workshop den Predigt-Slam

Poetry-Slams kennen die meisten, aber auch ein Predigt-Slam hat seinen Reiz. Vor allem können dabei angehende Pfarrerinnen und Pfarrer lernen, pfiffige Predigten zu schreiben.
Theologiestudent Adrian Spies arbeitet an seinem Predigt Slam-Text.
Theologiestudent Adrian Spies arbeitet in seinem Lieblingscafé in Erlangen an seinem Predigt Slam-Text.

"Oh Gelbwurst, dein Darm ist dünn, deine Füllung prall. So trägst du uns durch unser Leben immer und überall. Oh Gelbwurst", so tönt es aus dem Haus der Evangelischen Studierendengemeinde in Erlangen. Aber es geht hier nicht um ein gemeinsames Abendmahl mit Gelbwurst auf dem Tisch - vielmehr schreiben die Teilnehmer eines Predigt-Slam-Workshops ihre Texte. Das Prinzip ist das gleiche wie beim Poetry-Slam:

Fünf Minuten Zeit pro Text, und am Ende entscheidet das Publikum, welcher am besten war.

"Ich bin ein Fan von Poetry-Slams. Da habe ich mir gedacht, warum nicht als Theologiestudent auch den Glauben zum Thema machen", erklärt Workshop-Teilnehmer Adrian Spies. Da ein guter Slamtext nicht nur ein knackiges Thema braucht, sondern auch eine starke Performance auf der Bühne, lernen die Studierenden das bei diesem Workshop.

Die Teilnehmer beginnen mit einer simplen Schreibübung, dem Textroulette. Hier schreiben sie einen kurzen Text. Das Besondere daran: Thema, Stilmittel und Gattung sind zufällig ausgewählt, und so entstehen die kuriosesten Texte - eine festliche Hymne über Gelbwurst, ein Rezept für Strapse oder ein Gebet für Boris Johnson. Mit einem richtigen Predigt-Slam hat das zwar noch nicht viel zu tun, aber es hilft im Schreibprozess. "Das setzt viel frei in den Köpfen. Gerade wenn man denkt, das passt alles gar nicht zusammen, kommen oft richtig schöne Sachen heraus", findet Workshop-Leiterin Lara Mührenberg. Die erfahrene Slammerin hat schon viele Predigt-Slam-Workshops begleitet.

Die Theologiestudierenden dürfen jetzt in einer Schreibwerkstatt an ihren Texten arbeiten. Die Teilnehmer erhalten die Themen in einem Umschlag verpackt. Nun sollen sie an einem für sie besonderen Ort die Umschläge öffnen und mit dem Schreiben beginnen, sagt Mührenberg.

Adrian Spies geht in sein nächstes Lieblingscafé. Dort reißt er das Kuvert auf: "Seid fröhlich in Hoffnung. Römer 12,12" - eine Bibelstelle.  "Das ist so allgemein, da kann man ja viel zuviel zu schreiben", sinniert er. Aber er und die anderen Teilnehmer haben immerhin zwei Stunden Zeit, um einen spannenden Text zu Papier zu bringen.

Die Worte allein reichen aber nicht aus für einen guten Slam-Auftritt. Fast wichtiger ist eine spannende und mitreißende Performance.

"Es muss die Zuhörer irgendwie packen, irgendwas muss da funktionieren", erklärt Mührenberg. "Die Slammer müssen an das glauben, was sie sagen. Sie müssen das, worüber sie sprechen, vor Augen haben. Dann sind sie authentisch, dann reißen sie dich mit."

Die Slammer bilden eine Polonaise und marschieren los: Mit großen hohen Schritten, im Entengang, im Hopserlauf. Die Person an erster Stelle gibt vor, wie gelaufen wird. Die Körperhaltung passt also schon mal, jetzt fehlt nur noch der richtige Ausdruck in der Stimme. Da sind Emotionen ganz besonders wichtig. Sie üben einzelne Sätze in sämtlichen Gefühlslagen. Es zeigt sich: Wut, Trauer und Freude in einem Satz zu zeigen, ist schwierig.

"Das ist nicht aggressiv genug, mach es wütender", ruft Mührenberg den Slammern immer wieder zu. "Sprich langsamer", "Kürz es an dieser Stelle", "Werd hier lauter". In einem letzten Workshop-Schritt geben sich alle gegenseitig Feedback zu Text und Performance: Hier wird kein Blatt vor den Mund genommen. Auch bei einem echten Predigt-Slam bewertet das Publikum am Ende knallhart. Mührenberg findet diese Bewertungssituation gut. Denn später werde der Pfarrer bei der normalen Predigt auch bewertet, sagt sie. "Dann kommen die Gemeindemitglieder nur einfach nicht mehr wieder."

Die angehenden PfarrerInnen sind sich einig: Das offene Predigt-Format bringt sie weiter.

Bei Spies, der erst im vierten Semester studiert,  funktioniert das richtig gut. Ihn setzen das Publikum und die Workshop-Teilnehmer bei einer Abschlussperformance sogar auf Platz eins. Seine Worte bleiben den Zuschauern im Kopf: "Blabla blubber blubber fasel fasel" beginnt er seinen Vortrag. Weiter geht es mit: "Die Ohren verschlossen, nichts kann sie erreichen. Die Menschen auf den Kirchenbänken rutschen vor Peinlichkeit, aber nicht von den Worten berührt, hin und her, hin und her. Auf dem Boden lagen so viele Worte. Ungehört und unerkannt."

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