1.11.2012
Feiertag

Was bayerische Pfarrer zum Reformationstag predigten

Zum Gedenken an den Reformationstag feierten Christen zusammen Gottesdienst und hörten besondere Predigten. Worum es darin ging.

Mit Gottesdiensten und Gedenkfeiern haben die Protestanten am Reformationstag an die Ursprünge ihrer Kirche erinnert. In vielen der 1.540 bayerischen Gemeinden sangen die Gottesdienstbesucher das berühmte Luther-Lied »Ein feste Burg ist unser Gott«, die Bedeutung der christlichen Freiheit stand im Mittelpunkt der Predigten.

Bedford-Strohm predigt in Ingolstadt

Die Botschaft von der durch Christus geschenkten Freiheit lasse die Menschen im »Reinen mit Gott und der Welt« leben, sagte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in der mit 400 Gottesdienstbesuchern vollbesetzten Ingolstädter Matthäuskirche. Diese Botschaft befreie von Belastungen und Ängsten, an denen Menschen zugrunde gehen könnten. Während Martin Luther vor 500 Jahren das strenge Gericht Gottes gefürchtet habe, machten vielen Menschen heute die Leistungsansprüche der Gesellschaft zu schaffen. Sie befürchteten vor den eigenen Leistungsansprüchen oder Hochglanzprospekten zu versagen, auf denen »schlanke Frauen oder smarte Männer zu sehen sind«. Im Berufsleben könne den globalen Wettbewerb nur bestehen, wer effektiv ist.

Zur Freiheit der Menschen, wie sie Christus geschenkt habe, gehöre aber auch die Möglichkeit, überall auf der Welt ungehindert dem eigenen Glauben und Gewissen zu folgen, sagte der Landesbischof, der am Reformationstag seit genau einem Jahr im Amt ist. Deshalb müssten alle Religionen gleichberechtigt praktiziert werden können, »sofern sie die Menschenrechte achten«.

Gloser sprach in Nürnberg

Bei den zentralen Reformationsfeiern in den Nürnberger Kirchen St. Sebald und St. Lorenz rief der SPD-Bundestagsabgeordnete Günter Gloser die Protestanten dazu auf, »sich laut protestierend gegen die Verhältnisse der Welt zu stellen«. Menschenrechte und Menschenwürde könnten verwirklicht werden, wenn »die erschreckenden Gegensätze« zwischen Arm und Reich vermindert würden. Der frühere Staatsminister forderte auch dazu auf, Verantwortung für die Menschenrechte anders wahrzunehmen »als in papierenen Erklärungen«.

Die Bayreuther Regionalbischöfin Dorothea Greiner appellierte in ihrer Reformationspredigt in der Bamberger Erlöserkirche an die Christen, sich wieder stärker auf die Botschaft von Jesus Christus zu besinnen. Manche Christen seien zurückhaltend, weil das Christuswort sie von anderen Religionen unterscheide. Gegen diese Auffassung betonte Greiner, dass es gerade der Glaube an Jesus Christus sei, »der uns die Liebe zu den Religionen lehrt und den Frieden mit ihnen von Herzen suchen lässt«.

Wie der Regensburger Regionalbischof Hans-Martin Weiss in seiner Reformationspredigt sagte, gehöre es zu den großen Erfahrungen der Reformation, als Christen direkt mit Gott im Gespräch zu sein. Jeder Mensch »möchte beklemmende Gefühle ablegen, Unruhe überwinden, Gelassenheit gewinnen, Schutz finden, wo er bedroht ist«. Von dieser Freiheit habe Jesus gesprochen, Luther habe an sie erinnert.

Auf die Bedeutung der Frau für Kirche und Gesellschaft ist die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler in ihrer Reformationspredigt in der Regensburger Neupfarrkirche eingegangen. Zu dem Thema »Die Frau rede in der Gemeinde« führte die Theologin aus, dass in der Bibel häufig die Frauen in ernsten und gefährlichen Situationen zur Stelle waren: »Frauen begleiten Jesus zum Kreuz und bleiben bis zum bitteren Ende« und Frauen »harren aus, wo die Jünger sich aus Angst und Enttäuschung längst zurückgezogen haben«. In der Gesellschaft und dem öffentlichen Leben sollten sich die Frauen auf ihre Gaben und Fähigkeiten besinnen und nicht nachlassen in ihrem Bemühen um eine menschenfreundliche Gesellschaft, die allen zu Gute komme.

 

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