13.10.2018
Engagiert in Würzburg

Ehrenamtlich in Leitungsposition: Erfahrungen einer Kirchenvorsteherin

Die Kunsthistorikerin Christiane Kummer war seit 2000 ehrenamtlich für die evangelische Kirche im Einsatz, seit 2006 als Vertrauensfrau der Würzburger Deutschhausgemeinde, Mitglied des Dekanatsausschusses und der Dekanatssynode. Bald wurde sie Präsidiumsmitglied dieser Gremien. Zu den bevorstehenden Kirchenvorstandswahlen lässt sie sich nicht mehr aufstellen. Ein Bilanz-Interview.
 Kunsthistorikerin Christiane Kummer
Eine promovierte Kirchenvorsteherin: Kunsthistorikerin Christiane Kummer.

Warum haben Sie sich so vielfältig engagiert?

Christiane Kummer: Für den Kirchenvorstand habe ich kandidiert, weil ich das Gemeindeleben mitgestalten, mich für meine Gemeinde einsetzen wollte. Ich übernahm dann die Vertretung der Deutschhausgemeinde in der Dekanatssynode und fand schnell Interesse auch am kirchlichen Leben außerhalb der Gemeinde. Ich sah darin so etwas wie eine Berufung.

Wo liegen Ihrer Meinung nach die Grenzen der Demokratie in der Kirche?

Kummer: Die Wahl von Kirchenvorstehern, Synodalen und Dekanatsausschussmitgliedern ist ein demokratischer Prozess und ermöglicht auch nicht ordinierten evangelischen Christen die Mitsprache in der Leitung von Kirchengemeinden, Dekanaten und der Landeskirche. Schwierig wird es, wenn Entscheidungen von übergeordneter Stelle getroffen werden, die nicht mit dem konform gehen, was sich Kirchenvorstände für ihre Gemeinden wünschen.

Was hat die Entwicklung Ihrer Gemeinde besonders bestimmt?

Kummer: Vor allem die Wiedereingliederung des stadtauswärtigen Bereichs unseres Stadtteils Zellerau mit der erheblich sanierungsbedürftigen Erlöserkirche. Es galt, die beiden Teile wieder zu einer Gemeinde mit einem Kirchenvorstand zusammenzuführen und das Gemeindeleben neu zu organisieren. Um von der Landeskirche finanzielle Unterstützung für die Sanierung zu bekommen, haben wir mit der Fachstelle Interkulturell Evangelisch in Bayern ein Nutzungskonzept entwickelt, das die Zusammenarbeit mit evangelischen Christen anderer Sprache und Herkunft zur Grundlage hat.

Was konnten Sie als Entscheiderin mitgestalten?

Kummer: Als ich noch kein Mitglied des Präsidiums war: die letzte Landesstellenplanung, dann als Präsidiumsmitglied die Etablierung und Stabilisierung des Dag-Hammarskjöld-Gymnasiums, das mir besonders am Herzen lag. Schließlich die Umsetzung des landeskirchlichen Immobilienkonzepts. Hier ließe sich noch manches aufzählen, besonders die Planung des Reformationsjubiläums.

An welchen Prinzipien haben Sie sich orientiert, wenn es darum ging, Probleme zu lösen?

Kummer: Bei Konflikten mache ich mir zunächst ein Bild von der Situation, führe Gespräche und versuche, mich in die Lage der Beteiligten hineinzuversetzen. Um Probleme zu lösen, halte ich mich grundsätzlich an meine persönlichen Prinzipien und suche mit Herz und Verstand – oder in umgekehrter Reihenfolge – einen guten, ausgleichenden Weg.

Über welche Erfolge haben Sie sich in all den Jahren besonders gefreut?

Kummer: Wenn sich Entscheidungen der Gremien, in denen ich mitgearbeitet habe, im Lauf der Zeit als gut erwiesen haben.

Warum machen Sie nicht weiter?

Kummer: Alles hat seine Zeit, auch das Ehrenamt. Ich habe mich entschlossen, aus persönlichen Gründen nicht wieder für den Kirchenvorstand der Deutschhausgemeinde zu kandidieren. Folglich scheide ich auch aus den ehrenamtlichen Tätigkeiten auf Dekanatsebene aus.

Vor welchen Herausforderungen stehen Ihre Nachfolger?

Kummer: Auf lange Sicht wird es eine große Herausforderung sein, zwei unter Denkmalschutz stehende Kirchen zu erhalten. Auf Dekanatsebene wird man sich weiterhin intensiv mit dem Reformprozess PuK auseinandersetzen müssen, um zu prüfen, was es zu vertiefen gilt und wo für das Dekanat neue Denk­anstöße möglich sind, wo die Chance auf gute, zukunftsträchtige Veränderungen besteht. Darüber hinaus wird die neue Landesstellenplanung sicherlich eine der größten Herausforderungen der nächsten Zeit sein.

Welche Eigenschaft wünschen Sie Ihren Nachfolgern?

Kummer: Kompromissbereitschaft und eine sachliche Herangehensweise an alle Themen und Aufgaben sowie die Fähigkeit, sich selbst und persönliche Befindlichkeiten in den Hintergrund zu stellen. Ferner ein Gespür für die Atmosphäre und die Stimmung im Gremium, damit sich jeder wahrgenommen fühlt und eine gute Sitzungskultur ermöglicht wird. Schließlich wünsche ich jedem Geduld, eine gewisse Gelassenheit und die nötige Portion an Humor.      Interview: Stefan W. Römmelt

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