16.08.2017
Hobbys

50 Jahre farbige Fernsehtestbilder – Uwe Alberti hat sie (fast) alle

Mit einem Knopfdruck startete der damalige Vizekanzler Willi Brandt am 25. August 1967 bei der Funkausstellung in Berlin das Farbfernsehen in der Bundesrepublik Deutschland. Das war auch die Geburtsstunde des farbigen Testbilds. Das heute längst ausgestorben ist? Von wegen! Schon gar nicht bei Uwe Alberti, dem Testbild-Sammler.
Testbildsammler Uwe Alberti mit einem Testbild »aus dem Weltraum«.
Testbildsammler Uwe Alberti mit einem Testbild »aus dem Weltraum«: Startet vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou im Norden Südamerikas eine Rakete, werden die Bilder davon via Satellit übertragen. Bei Störungen erscheint ein Testbild.

 

Schon im Treppenhaus empfängt den Besucher ein Puzzle an der Wand mit dem Vollkreis, drei Kästchen Abstand links, drei Kästchen rechts, Farb- und Grauskala, das klassische Testbild aus einer Zeit, als Fernseher noch eine Bildröhre hatten.

Uwe Alberti schmunzelt: »In Deutschland gibt es noch etwa fünf bis sieben Verrückte wie mich.« Was er damit meint, legt er auf den Küchentisch. Aufnahmen von über 4000 Fernseh-Testbildern aus aller Welt. Berufsbedingt hat den Radio- und Fernsehtechniker vor 40 Jahren die Sammelleidenschaft gepackt. Mit dem genormten Fernseh-Testbild wurden damals die Bildschirme der Fernseher eingestellt. Sie dienten in erster Linie technischen Zwecken. In der Werkstatt wurden vorzugsweise Testbilder aus dem Westen eingesetzt, der geometrische Aufbau war besser als beim DDR-Fernsehen, meint der aus dem thüringischen Apolda stammende Alberti.

Freunde schicken ihm Bilder von Testbildern aus aller Herren Länder

»Viele können mit meiner Leidenschaft nicht viel anfangen«, meint er. Was ihn daran fasziniere, seien die unterschiedliche Gestaltung und dass es nahezu überall auf der Welt Testbilder gegeben habe und bis heute noch gibt. Damals dienten die Testbilder den Fernsehanstalten dazu, das Bild vor dem eigentlichen Programmstart auszurichten. Bis in die 1980er-Jahre starteten die öffentlich-rechtlichen Programme eine halbe Stunde vor Sendebeginn den Farbbalkengenerator mit dem Testbild. »Im Osten kam das Testbild schon um 7 Uhr, wegen des Schulfernsehens. Im Westen erschien es erst um 9 Uhr. Danach kam die ›Sesamstraße‹.«

 

Lange Zeit waren Testbilder ein fester Bestandteil des Fernsehprogramms. Seit einiger Zeit sind die Testbilder zumindest aus dem regulären Fernsehprogramm weitgehend verschwunden. In der 70-minütigen Testbild-Doku von Johannes Hofmeister kommt unter anderem auch der Testbildsammler Uwe Alberti ausführlich zu Wort.

 

Nach der Wende hat Alberti im Garten mit einer drehbaren Satellitenschüssel dann plötzlich ein Testbild aus Zypern eingefangen. Mittlerweile schicken ihm Freunde Bilder von Testbildern aus aller Herren Länder.

Stolz ist der Sammler auch über seine Testbilder-Sammlung aus dem Weltall. Startet vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou im Norden Südamerikas eine Rakete, werden die Bilder davon via Satellit übertragen. Bei Störungen erscheint ein Testbild. Für Uwe Alberti der Zeitpunkt, um auf den Auslöser seiner Kamera zu drücken. Dafür steht er schon mal nachts um 3 Uhr auf.

Im digitalen Zeitalter ist das klassische Testbild nicht mehr notwendig. Und doch gibt es noch die individuellen Platzhalter auf der Mattscheibe. Wenn Fernsehsender ihre Übertragungswagen im Einsatz haben, wird vor Beginn der Übertragung ein Testbild gesendet. Manchmal lassen ihn die Fernsehleute direkt im Ü-Wagen seine Fotos vom Testbild auf den Sendemonitoren machen.

Das West-Testbild im Osten

Das 50-jährige Bestehen des Farbfernsehens oder, wie es in der DDR hieß, des »Buntfernsehens« hat Alberti auf dem Schirm. »In der DDR hat man damals für die Einführung zwei Jahre länger gebraucht, dafür war man besser vorbereitet«, sagt der Fernsehtechniker-Meister und kann sich dabei ein verschmitztes Lächeln nicht verkneifen. Erstaunt war er allerdings, dass man in Stassfurt, der Stadt der DDR-Fernsehproduktion, das West-Testbild zur Einstellung der Bildröhre empfahl. Sein Elektronik-Fachgeschäft und die dazugehörende Werkstatt hat der 56-Jährige krankheitsbedingt mittlerweile aufgeben müssen, die Leidenschaft für die Testbilder ist geblieben.

Aber nicht nur dafür. Seit ihn die Oma in die Christenlehre geschickt hat, engagiert sich der evangelische Christ in der Kirchengemeinde. Zunächst in der Jungen Gemeinde, dann in der Spielschar und später im Gemeindekirchenrat sowie im Kirchbauverein. Mit der Laienspielgruppe haben sie 15 Jahre lang den »Jedermann« aufgeführt. Alberti spielte den Tod. Als vor sechs Jahren sein Leben an einem seidenen Faden hing, wurde aus dem Spiel bitterer Ernst. Seine Frau habe ihm zwei Drittel ihrer Leber gespendet, damit er überleben kann, erzählt Alberti bewegt. Das hätte für beide tödlich enden können. Aber das sei eine andere Geschichte, meint er.

 

Internet: www.uwe-alberti.de

 

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