20.03.2019
Osterparadoxie

Findet Ostern 2019 zum falschen Termin statt?

Ostern ist immer am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond? Von wegen! Wer in einen Kalender des Jahres 2019 schaut, sieht: Zwischen dem Frühlingsanfang am 20. März und dem Ostersonntag am 21. April liegen zwei Vollmonde. Wie kann das sein? Hätte Ostern nicht schon am 24. März gefeiert werden müssen? Warum im Jahr 2019 die bewährte Faustregel zur Bestimmung des Osterdatums nicht gilt – und warum das so selten vorkommt wie eine totale Sonnenfinsternis.
Erinnerung an Pessach und den "gebundenen Mondkalender" der Juden: Der Vollmond bestimmt den Ostertermin.
Erinnerung an Pessach und den "gebundenen Mondkalender" der Juden: Der Vollmond bestimmt den Ostertermin.

Für viele Menschen ist die Berechnung des Ostertermins eigentlich kein Buch mit sieben Siegeln. Die einschlägige Faustregel ist leicht zu merken:

"Ostern ist am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond (am Tag oder) nach der Frühjahrstagundnachtgleiche."

Nur: Wer in einen Kalender des Jahres 2019 schaut, in dem die Mondphasen verzeichnet sind, wird stutzig. Ostern findet heuer am 21. April statt. Also nach dem Vollmond am Karfreitag (19. April) – aber auch nach einem weiteren Vollmond zuvor am 21. März! Auch der liegt eindeutig nach der Frühjahrstagundnachtgleiche (20. März). Haben sich die christlichen Festkalendermacher fürs Jahr des Herrn 2019 bei der Terminfindung geirrt? Das wäre peinlich. Die Sache erscheint jedenfalls paradox: Nach der Faustregel hätte Ostern 2019 ganz klar schon am 24. März stattfinden müssen!

Die kurze Antwort lautet: Stimmt. Die Sache ist genau das – paradox. 2019 ist ein Jahr mit "Osterparadoxon". So nennt man ein Kalender-Phänomen, das vielleicht nicht so spektakulär, aber ebenso selten ist wie eine Sonnenfinsternis. Dass die Frühlingsvollmond-Faustregel nicht gilt, war zuletzt 1962 der Fall. Die nächste Osterparadoxie gibt es erst wieder im Jahr 2038.

Was steckt hinter der Osterparadoxie?

Bei der Bestimmung des Ostertermins geht es trotz der einfachen Faustregel komplex zu. Will man das Osterdatum im Voraus berechnen, tun sich – jedenfalls ohne Computer – größere Schwierigkeiten auf. Bevor die Mathematik zu einer freien Wissenschaft wurde, arbeitete sie sich im Mittelalter im Dienst der Kirche fast ausschließlich am "Computus paschalis" ab, der Berechnung des Osterdatums also. Erst dem mathematischen Genius Carl Friedrich Gauß (1777-1855) gelang es im Jahr 1800, das Problem in einen komplexen, aber übersichtlichen Satz algebraischer Formeln zu verpacken.

Schematische Darstellung der Tagundnachtgleichen und Sonnwenden im Jahreskreis.
Schematische Darstellung der Tagundnachtgleichen und Sonnwenden im Jahreskreis. Ein Äquinoktium (Tagundnachtgleiche) ist der Moment, in dem die Sonne bei ihrer scheinbaren Jahresbewegung auf der Ekliptik den Himmelsäquator überschreitet. Die Schnittpunkte von Ekliptik und Äquator werden als Frühlings- und Herbst- bzw. Widder- und Waagepunkt bezeichnet. Rechts die Ekliptik im geozentrischen äquatorialen Koordinatensystem.

Es ist auch wirklich einiges unter einen Hut zu bringen: Ausgangspunkt der Osterberechnung ist der Frühlingsbeginn, der von der Sonne bestimmt wird. Daran schließt sich die Vollmondfrage an. Die kalendarische Verknüpfung von Sonne und Mond erinnert daran, dass Ostern seine Wurzeln im jüdischen Pessachfest hat: Das Judentum folgt einem sogenannten Lunisolarkalender, einem an die Jahreszeiten des Sonnenjahrs "gebundenen Mondkalender".

Wenn Tag und Nacht erstmals im Jahr genau gleich lang sind – beim ersten sogenannten Äquinoktium – beginnt der Frühling. Für die Astronomen ist dieser Moment ein sekundengenauer Zeitpunkt. Dieser "Frühlingspunkt" (der nach dem damit einsetzenden Sternzeichen auch Widderpunkt heißt) ereignet sich, je nachdem, wo auf der Welt man sich befindet, am 20. oder 21. März, nahe der Datumsgrenze auch am 19. März.

Nur folgt leider das christliche Osterdatumswesen zur Bestimmung von Frühlingsbeginn und Vollmondterminen nicht astronomischen Berechnungen.

Weichenstellung auf dem Konzil von Nicäa 325

Die heutige Oster-Faustregel geht auf das Konzil von Nicäa im Jahr 325 zurück, als die Christenheit festlegte, ihr höchstes Fest vom jüdischen Pessachfest abzukoppeln und Ostern künftig immer an einem Sonntag zu feiern.

Aber: Wie findet man wirklich zuverlässig den ersten Sonntag nach dem ersten Frühlings-Vollmond? Soll man den Frühlingsanfang an ein fixes Kalenderdatum knüpfen und wenn ja: an welches? Oder doch lieber an astronomische Beobachtungen? Darüber wurde weiterhin kräftig gestritten – vor allem zwischen Rom und Alexandria, den Zentren früher christlicher Gelehrsamkeit.

Am Ende setzte sich der "Computus der Alexandriner und Äthiopier" durch. Eine bedeutende Rolle spielte dabei der römische Abt Dionysius Exiguus (um 470-um 540), ein gebürtiger Skythe aus den Steppen Südrusslands. 525 hatte er vom damaligen Papst Johannes I. den Auftrag erhalten, neue "Ostertafeln" mit langfristigen Berechnungen des Ostertermins für die Zeit ab 532 zu erstellen. Die alten Tafeln reichten nämlich nur bis zum Jahr 531.

Für seinen Blick in die Osterzukunft griff Dionysius auf den in Alexandria verwendeten "Meton-Zyklus" zurück, benannt nach einem griechischen Astronomen aus dem 5. Jahrhundert, von dem man ansonsten eher wenig weiß. Was Meton und vor ihm schon die Babylonier jedoch wussten: Alle 19 Sonnenjahre wiederholt sich das Datum der Mondphasen im Kalender. Das liegt daran, dass 235 Mondmonate fast ganz genau 6940 Tage oder 19 Jahre dauern. Fast ganz genau – aber dazu später.

Metonzyklus und Sonntagsbuchstaben

Gegen diesen 19-Jahreszyklus verschiebt sich noch die Abfolge der Wochentage. Das ist wichtig, denn gesucht wird fürs Osterfest ja ein Sonntag. Die christlichen Ostermathematiker vergaben deshalb "Sonntagsbuchstaben". Sie ordneten den Tagen des Jahres der Reihe nach die ersten sieben Buchstaben A bis G zu, also dem 1. Januar das A, dem 2. Januar das B und so fort. Mit dem 7. Januar beim G angekommen, folgte am 8. Januar wieder das A. Sonntagsbuchstabe war dann der Buchstabe, der für den jeweiligen Sonntag galt.

Der Zimmerturm in der belgischen Stadt Lier mit seiner astronomischen Uhr.
Der Zimmerturm in der belgischen Stadt Lier mit seiner astronomischen Uhr: Das kleine Zifferblatt auf der Vier-Uhr-Position zeigt den Sonntagsbuchstaben an. Die einzelnen Anzeigen im Uhrzeigersinn von oben: Mondphase, Metonzyklus und Epakten, Zeitgleichung (Unterschied zwischen der wahren Sonnenortszeit und der mittleren Sonnenzeit), Tierkreiszeichen, Sonnenzyklus und Sonntagsbuchstabe, Woche, Erdstellung zur Sonne, Monat, Kalenderdatum, Jahreszeit, Gezeiten, Mondalter. Das Meisterwerk mechanischer Uhrwerkskunst, das schon Albert Einstein bewunderte, schuf 1930 der Astronom und Uhrmacher Louis Zimmer (1888–1970).

Weil 52 mal 7 nur 364 ergibt, verschiebt sich der Sonntagsbuchstabe Jahr für Jahr um eins rückwärts. 2017 war ein "Gemeinjahr" (also kein Schaltjahr). Es begann mit einem Sonntag und trug deswegen den "Sonntagsjahresbuchstaben" A. Folglich war 2018 ein G-Jahr, inzwischen, im Jahr 2019, sind wir beim F angekommen. Schaltjahre werden mit einem Doppelbuchstaben gekennzeichnet, lassen die Zählung also springen. Wegen dieser alle vier Jahre auftretenden "Störung" durch den Schalttag ergibt sich ein Sonntagsbuchstaben-Zyklus von 7 mal 4, also 28 Jahren.

Der große Osterzyklus dauert 532 Jahre

Kombiniert man nun beide Zyklen, den 19-jährigen Mond-Sonnen-Zyklus mit dem 28-jährigen Sonntagsbuchstaben-Zyklus, ergibt sich der große Osterzyklus: Alle 532 Jahre wiederholt sich die Abfolge der Osterdaten. Jedenfalls im Julianischen Kalender, dem die orthodoxe Christenheit weiterhin folgt.

235 Mondmonate sind aber 0,31135 Tage länger als 19 Jahre. Der Kalender geht deshalb nach etwa 755 Mondmonaten (rund 61 Kalenderjahren) gegenüber den Mondperioden um einen Tag vor. Nach dem Vorbild des christlichen Ägyptens (das nur ein Jahrhundert später von den muslimischen Arabern unterworfen wurde) legte Dionysius Exiguus zudem fest: Frühlingsbeginn ist stets am 21. März um 0 Uhr. Wie schon gesehen, weicht diese Setzung aber ebenso von den astronomischen Gegebenheiten ab wie die Annahme einer gleichmäßig kreisförmigen Umlaufbahn des Mondes.

Der Kalender entfernte sich von der astronomischen Wirklichkeit

Weil das Sonnenjahr um knapp sechs Stunden länger ist als die dem Julianischen Kalender zugrunde gelegten 365 Tage, ergab sich ein Problem, das im 16. Jahrhundert fast schon mit bloßem Auge sichtbar war: Zur Zeit Luthers hinkte der offizielle Frühlingsbeginn 21. März dem Eintritt des astronomischen Ereignisses der Frühjahrstagundnachtgleiche satte zehn Tage hinterher. Nicht zuletzt hierin lag der Grund für die komplexe Kalenderreform, die Papst Gregor XIII. (1502-1585) durchführen ließ. Sichtbarste Auswirkung: Im Oktober 1582 wurden zehn Tage gestrichen.

Päpstliche Gedenkmedaille anlässlich der Kalenderreform 1582 (Papst Gregor XIII., Frühlingstierkreiszeichen Widder).
Ostertermin und astronomischer Frühlingsbeginn: Eine anlässlich der Kalenderreform 1582 geprägte päpstliche Gedenkmedaille zeigt auf der Rückseite das Frühjahrs-Tierkreiszeichen Widder.

Der 21. März und der astronomische Frühlingsbeginn rückten damit wieder nah zusammen. Eine anlässlich der Reform geprägte päpstliche Gedenkmedaille zeigt auf ihrer Rückseite, dass es (auch) um eine "Wiederherstellung" der Datumsrechnung wegen des aus der Bahn geratenen Ostertermins ging: Sie zeigt das Frühlings-Tierkreiszeichen Widder und die Inschrift "ANNO RESTITUTO ­MDLXXXII". (Abbildung oben)

Tanz der Rhythmen von Sonne und Mond

Einfach gesagt ist der Osterzyklus schlicht das kleinste gemeinsame Vielfache der Rhythmen von Sonne und Mond. Kommen dazu noch die Tage und Kalenderdaten, kann dieses kleinste gemeinsame Vielfache ganz schön lange dauern: Durch die in den gregorianischen Kalender eingebauten Anpassungen und Korrekturen wiederholt sich die Verteilung des Ostertermins auf die Jahresdaten nun nur noch alle 5,7 Millionen Jahre.

Seit Dionysius Exiguus hat sich das Christentum also gewissermaßen von der astronomischen Beobachtung verabschiedet und vertraut stattdessen auf Berechnungen. Das ist verständlich, schließlich ging es ja darum, das Osterdatum für die Zukunft vorauszubestimmen.

Auch wenn die Kalenderkalkulationen seit dem 16. Jahrhundert ziemlich genau sind, stimmen der "astronomische Vollmond" und der berechnete "kirchliche Vollmond" dennoch nicht hundertprozentig überein. In seltenen Fällen – wie im Jahr 2019 – kann es dazu kommen, dass sich Astronomie und christlicher Osterzyklus widersprechen. Man nennt das ein "Osterparadoxon".

Der "Kirchenvollmond" ist für den Ostertermin maßgeblich

Und so entsteht es: Der "zyklische Kirchenvollmond" fällt heuer auf den 20. März. Er gilt damit noch als Wintervollmond, weil nach der christlichen Osterrechnung der Frühling erst am 21. März um 0 Uhr beginnt. Der astronomische Vollmond wenige Stunden später am 21. März 2019, der auch im Sonntagsblatt-Jahreskalender verzeichnet ist, spielt dagegen ebenso wenig eine Rolle für die Osterberechnung wie der Umstand, dass der astronomische Frühlingsanfang 2019 auf den 20. März um 22.58 Uhr MEZ fällt. Deshalb ist tatsächlich erst der nächste Vollmond im April für den Ostertermin maßgeblich.

Diese Art Widerspruch nennen Experten eine "positive Äquinoktial-Paradoxie", weil sie ihren Ursprung in der Festlegung des Frühlingsanfangs auf den 21. März hat. Weitere andere Paradoxien sind abhängig vom Wochentag und vom Längengrad. Ob gerade Samstag oder Sonntag ist, ist ja nicht überall auf dem Planeten gleichzeitig gleich. Katholiken machen es sich da einfacher: Sie stellen Rom ins Zentrum der Osterberechnungen, obwohl es Jerusalem war, wo Jesus starb und Christus auferstand.

Roms katholisches Stonehenge

Die moderne Glaskuppel in der Vorhalle der Basilica di Santa Maria degli Angeli e dei martiri in Rom.
Der Meridian und das Universum: Die moderne Glaskuppel in der Vorhalle der Basilica di Santa Maria degli Angeli e dei martiri in Rom nimmt Bezug auf das barocke astronomische Instrument im Inneren der Kirche.
Außenansicht der Basilica di Santa Maria degli Angeli e dei martiri in Rom.
Außenansicht der Basilica di Santa Maria degli Angeli e dei martiri in Rom. Der Kirchenbau in den Überresten der antiken Diokletiansthermen geht auf Michelangelo zurück.
»Terminus Paschae«, Ostertermin, steht auf dem Meridian in der römischen Kirche Santa Maria degli Angeli e dei Martiri – einem Hightech-Instrument des frühen 18. Jahrhunderts.
Die Sonne zeigt, wenn Ostern naht: »Terminus Paschae«, Ostertermin, steht auf dem Meridian in der römischen Kirche Santa Maria degli Angeli e dei martiri – einem Hightech-Instrument des frühen 18. Jahrhunderts.
Oculus in der Südwand der Kirche Santa Maria degli Angeli e dei martiri in Rom.
Furche in der Wandverzierung: Durch diesen "Oculus" ("Auge") in der Kirchensüdwand fällt nach dem Prinzip einer Lochkamera das Spiegelbild der Sonne auf den Meridian im Kirchenfußboden. Konstruiert hat den Meridian der aus Verona stammende Astronom, Philosoph und Archäologe Francesco Bianchini (1662-1729). Nach Bianchini sind Krater auf dem Mond und auf dem Mars benannt.

Sein neuer und genauer Kalender war für das katholische Rom zunächst aber alles andere als ein Selbstläufer. Schließlich fand die Kalenderreform in der Zeit von Reformation, Gegenreformation und Gegengegenreformation statt. Wie sollte etwas gut sein, das aus Rom kam, fragten viele protestantische Länder noch zu Beginn des 18. Jahrhunderts – und hielten hartleibig am alten Kalenderstil fest.

Um die technische Überlegenheit des römischen Kalenders und seine Genauigkeit zu demonstrieren, ließ Papst Clemens XI. (1649-1721) in die Kirche Santa Maria degli Angeli e dei Martiri deshalb eine Art katholisches Stonehenge einbauen. Quer durch das von Michel­angelo in die Ruinen der antiken Diokletians­thermen errichtete Gotteshaus legte man anlässlich des Heiligen Jahrs 1700 einen Bronzemeridian, der es anhand des Sonnenstands ermöglichte, die Frühjahrstagundnachtgleiche mit höchster Präzision abzulesen und so den Ostertermin zu bestimmen. Erdacht hat die 45 Meter lange "Linea Clementina" der Astronom und Mathematiker Francesco Bianchini (1662-1729). Die Funktionsweise seines Sonnenzeigers ist einfach: Nach dem Prinzip der Lochkamera fällt über die südliche Kirchenwand genau zur Mittagszeit das Bild der Sonne auf die Linie im Kirchenboden. Genaue Markierungen zeigen den Einfallswinkel an. Wenn die Sonne in Rom bei 41 Grad und 54 Minuten den Himmelsäquator überschreitet, ist Frühling: "TERMINUS PASCHAE" – Ostertermin – steht in großen Lettern neben der Bronzelinie. Begleitet von kunstvollen Marmor-Mosaiken mit den Tierkreiszeichen zeigen weitere Markierungen auf dem Kunstwerk die Positionen von 22 Sternen an.

300 Jahre nach Einweihung des Instruments haben italienische Astronomen den römischen Meridian zur Frühjahrstagundnachgleiche 2002 als Messinstrument "wiederbelebt". Ihr Ergebnis: Er funktioniert – mit Einschränkungen – noch immer ziemlich genau. Doch das Osterparadoxon irgendwo zwischen Osterzyklus und Astronomie kann auch die päpstliche High-Tech-Sonnenuhr weder lösen noch erklären.

»Terminus Paschae«, Ostertermin, steht auf dem Meridian in der römischen Kirche Santa Maria degli Angeli e dei Martiri – einem Hightech-Instrument des frühen 18. Jahrhunderts.
Die Sonne zeigt, wenn Ostern naht: »Terminus Paschae«, Ostertermin, steht auf dem Meridian in der römischen Kirche Santa Maria degli Angeli e dei martiri – einem Hightech-Instrument des frühen 18. Jahrhunderts.

35 OSTERTERMINE

Insgesamt gibt es 35 mögliche Ostertermine: die Daten zwischen dem 22. März und dem 25. April. Zwei Extremtermine für den Vollmond markieren die sogenannte ­Ostergrenze: Zum frühestmöglichen Ostertermin kommt es, wenn der Vollmond auf den 21. März fällt und dieser Tag ein Samstag ist. Das kommt äußerst selten vor, zuletzt 1818, das nächste Mal erst wieder im Jahr 2285. Fällt der (zyklische) Vollmond wie im Jahr 2019 auf den 20. März, dann ist am 18. April der für Ostern maßgebliche (zyklische) Vollmondtermin. Ist dieses Datum ein Sonntag, findet Ostern sieben Tage später am 25. April als allerspätestem Osterdatum statt. Dazu kam es letztmals 1943, im Jahr 2038 wird sich dieser Fall wiederholen. In diesem Jahr kommt es auch zum nächsten ­Osterparadoxon.

tl;dr

Seit dem Konzil von Nicäa im Jahr 325 wurde der Ostertermin von der Christenheit stets berechnet (»computus paschalis«, Osterzyklus), nie astronomisch bestimmt. Das höchste Fest der Christenheit hängt jedoch von astronomischen Gegebenheiten wie der Frühjahrstagundnachgleiche und den Vollmonden rund um diesen Zeitpunkt ab. Mit der gregorianischen Kalenderreform kamen der Kalender und das astronomische Geschehen wieder nahezu in Übereinstimmung - aber eben nur nahezu.

Der astronomische Frühjahrspunkt und die astronomischen Vollmondtermine decken sich nicht völlig mit den jeweiligen Terminen des kirchlichen Zyklus, auf denen die Berechnung des Ostertermins basiert: Der »zyklische Kirchenvollmond« fällt heuer auf den 20. März. Er gilt damit noch als Wintervollmond, weil nach der christlichen Osterrechnung der Frühling immer erst am 21. März um 0 Uhr beginnt. Der astronomische Vollmond wenige Stunden später am 21. März 2019, der auch in Jahreskalendern mit Mondphasen verzeichnet ist, spielt dagegen ebenso wenig eine Rolle für die Osterberechnung wie der Umstand, dass der astronomische Frühlingsanfang 2019 auf den 20. März um 22.58 Uhr MEZ fällt. Deshalb ist tatsächlich erst der nächste Vollmond im April für den Ostertermin maßgeblich. Würde man die astronomischen Gegebenheiten zur Berechnung des Ostertermins heranziehen, müssten wir Ostern am 24. März feiern.

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