7.12.2015
Künstlerporträt

Nele Ströbel: "Räume sind Speicher der Erinnerungen"

Räumliche Situationen in Bewegung sind die Grundlinie ihrer Kunst, erklärt die Künstlerin Nele Ströbel. Bei unserem Besuch in dem Atelier sprechen wir mit der Künstlerin darüber, wie sie ihre künstlerischen Interventionen in architektonischen Räumen entwickelt und welchen Stellenwert Kirche, Glauben und Religion in ihrem Werk haben.
Kunstwerk Nele Ströbel

Der erste Stock in der Hoffmannstrasse 5 in München strahlt moderne Kreativität aus. Ein Kicker-Tisch, eine Tischtennisplatte mit Ball und Schlägern und interessante Fotos an den grauen Wänden vermitteln eine lässige Atmosphäre.

Am Ende des Ganges hat Nele Ströbel ihr Atelier. Bereits vor der Stahltür können wir anhand eines roten Schriftzuges mit Stroebel und anhand von

dreidimensionalen Terracotta Formen an den Wänden erkennen, dass wir uns ihrem Reich genähert haben. Räume und ihre Wirkungen ziehen sich durch das gesamte künstlerische Wirken von Nele Ströbel. Auch sie selbst nimmt den Raum ihres Ateliers ein, mit ihrer neugierigen, freundlichen und klaren Art.

Kunst versus Kirchenregeln

"Die Grundlinie in meiner Kunst ist der Versuch, räumliche Situationen in Bewegung zu versetzen", erklärt sie uns. So hat sie einen dreiteiligen Altar aus Holz entworfen, dessen kleines Modell wir im Atelier betrachten können. Die Holzelemente lassen sich ineinander schieben und sollen die Vielschichtigkeit der Liturgie widerspiegeln.

Das Projekt konnte leider nicht realisiert werden, wie uns Nele Ströbel erzählt, weil es innerhalb der Kirche Regeln gibt, die besagen, dass ein Altar nur aus einem Stück bestehen darf.

Auf unsere Frage, wie sie an Aufträge kommt, berichtet sie, dass es am besten über Wettbewerbe funktioniere. Vor allem, wenn sie anonym sind. Dann hätten auch Frauen mehr Chancen.

Überhaupt gibt es ihrer Ansicht nach viel mehr gute Künstlerinnen als Künstler. "Die Künstlerinnen sind auch viel innovativer", ist sie überzeugt.

Künstlerin Nele Ströbel

Leben zwischen München und Berlin

Nele Ströbel pendelt zwischen Berlin und München hin und her. Sie ist in beiden Städten gerne. In Berlin bekomme sie wahnsinnig viel Input, so beschreibt sie es uns.

"Ich sitze in der U-Bahn und ich staune nur. Wenn man in Berlin U-Bahn fährt, dann braucht man sich gar nicht zu beschäftigen. Man ist richtig im Leben, gerade hier in dieser Stunde".

Das man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt, ist auch das, was sie am Künstler sein so großartig findet.

Man kann übrigens alles überleben, findet sie, auch die Kunst. Selbst wenn der Alltag durch mangelnde "Kohle" manchmal etwas beschwerlich ist.

Über Nele Ströbel

Geboren in Stuttgart

Ausbildung/Stipendien

1979-84: Studium der Bildhauerei an der Hochschule für Angewandte Kunst Wien, Diplom, Magister Artium

1984/85: Meisterjahr in Fotografie und Morphologie der Bildenden Kunst Wien

1985-1987: Grundlagenentwicklung für Siemens Design Studio Munich: Transfer neuer Technologien in Form.

Aktuelle Werke und Ausstellungen

URBAN GARDENING, 2014, der Hortus Conclusus in Neukölln, ein begehbares Tagebuch

„CHITTAGONG BLUES“, 2012, Rauminstallation aus Terrakotta, Zeichnung und Filmen, KV Würzburg, ARTE NOAH, Europäisches Parlament Brüssel

HORTUS CONCLUSUS, 2010, ein geistiger Raum wird zum Bild, Orangerie, Kloster St. Marienstern

www.nele-stroebel.de

ShareFacebookTwitterShare

Weitere Artikel zum Thema: