12.03.2019
Kultur

Wohnen im Museum: Die Kirchenburg von Mönchsondheim

Früher sollte die Mönchsondheimer Kirchenburg die Ernte der Bauern vor brandschatzenden Truppen sichern - heute ist in den Kirchgaden und umliegenden Gebäuden ein sehenswertes kleines Museum untergebracht. Die neue Saison beginnt am 16. März.
Kirchenburg Mönchsondheim
Verwinkelt und schön: Die Kirchgaden der Kirchenburg in Mönchsondheim, die auch die Ausstellungsräume des Museums beherbergen

Wenn die Mönchsondheimer morgens aus ihren Häusern treten, stehen sie mitten im Museum. Das kleine Dorf mit seinen 170 Einwohnern ist heute ein Ortsteil der Stadt Iphofen bei Kitzingen. Ein beträchtlicher Teil des historischen Ortskerns gehört zum Kirchburgmuseum: Natürlich zählt die Kirchburg mit ihren Kellern, Gaden und Kirchhäusern dazu, aber auch das einklassige Schulhaus von 1927, das Rathaus aus dem Jahr 1557 sowie das barocke Gasthaus "Zum Schwarzen Adler" von 1790, ein Krämerladen und die Milchsammelstelle. Gegründet wurde das nichtstaatliche Museum 1981 von drei Privatpersonen aus dem Dorf. Jedes Jahr kommen mehr als 15.000 Besucher dorthin, sagt Museumschef Reinhard Hüßner.

Befestigte Kirchen findet man fast überall in Europa. Entweder ist das Kirchengebäude selbst mit Türmen und Schießscharten ausgerüstet und es handelt sich um eine Wehrkirche. Oder Kirche und Friedhof bilden mit Mauern, Tor, Türmen und Kirchgaden eine Kirchenburg. Der Begriff ist eine Erfindung des späten 19. Jahrhunderts - zuvor findet man in den Quellen meist Bezeichnungen wie "befestigter Kirchhof". Gibt es in einer Region viele derartige Bauten, stießen früher vermutlich verschiedene Herrschaftsinteressen aufeinander. So wie im heutigen Raum Kitzingen, wo die evangelischen Markgrafen aus Ansbach und die Fürstbischöfe aus dem katholischen Würzburg um die Vorherrschaft rangen.

In den 1970er Jahren war in der Landwirtschaft etliches im Umbruch, vielerorts wurde rigoros technisiert. Altes musste Neuem weichen, das galt auch für Gebäude, berichtet Hüßner. Damals nahm man es mit dem Denkmalschutz oft nicht so genau. Doch die Mönchsondheimer tickten anders - und wollten ihren historischen Dorfkern erhalten. Doch das war gar nicht so einfach, erinnert sich der Museumschef: "Die Kirchenburg hatte 26 verschiedene Eigentümer - das liegt freilich in ihrer Geschichte als genossenschaftliche Schutzeinrichtung der Landwirte begründet." In den Gaden und Kellern lagerten die Bauern ihre Ernte, um sie vor den brandschatzenden Söldnern und Soldaten besser zu schützen.

Das halbe Dorf hilft mit

Inzwischen gehört das Gebäudeensemble der Stadt Iphofen, alles steht unter Denkmalschutz, vieles ist aufwendig und liebevoll instand gesetzt. Der Landkreis Kitzingen, die Stadt Iphofen und der Bezirk Unterfranken förderten und fördern das Museum bis heute - Planstellen gibt es keine, Museumschef Hüßner ist eigentlich Mitarbeiter des Landratamtes und wird ans Museum "ausgeliehen". Hinzu kommen zwei wissenschaftliche Mitarbeiterinnen sowie einige Stundenkräfte in der Verwaltung und für den Betrieb des Museums. "Ohne die Mönchsondheimer aber läuft das nicht", sagt Hüßner. Von den ungefähr 170 Einwohnern engagieren sich mehr als 100 regelmäßig bei Veranstaltungen des Museums.

Museum in der Kirchenburg Mönchsondheim
Die Dauerausstellung des Kirchenburgmuseums beschäftigt sich unter anderem auch mit traditionellen Handwerksberufen, die in der Region ausgeübt wurden.

Die Kirchenburg stand schon immer im Ortskern - das Museum ist seit seiner Gründung aber auch "nach und nach ins Dorf hineingewachsen". Natürlich habe es zu Beginn auch kritische Stimmen und Ablehnung für das Projekt gegeben - doch zügig sei ein "Wir-Gefühl" entstanden, auch weil man sich des Sonderstatus' durch das neue Museum gegenüber den Nachbardörfern bewusst wurde. In seinen Dauerausstellungen zeigt das Museum natürlich einerseits, was Kirchburgen sind und weshalb sie einst errichtet wurden - es geht aber auch um evangelische Volksfrömmigkeit, kirchliche und gesellschaftliche Hochfeste, Handwerk, um Landwirtschaft und Weinbau, zudem ist im Gasthaus Platz für Sonderschauen.

Das Spektakulärste für viele Besucher ist aber wohl die Kirchenburg an sich. Wer in die Ausstellungsräume will, muss das verwinkelte Ensemble mit seinen dicken Mauern und Fachwerk-Obergeschossen erforschen. Von Gade zu Gade führt der Weg, mal muss man sich ducken, um nicht mit dem Kopf an alten Querbalken hängenzubleiben, mal ganz vorsichtig auf dem jahrhundertealten Pflasterboden einen Schritt vor den anderen setzen, um nicht zu stolpern. Am Ende kann man sich in der Kirche St. Bonifatius niederlassen und ausruhen - sie gehört zwar offiziell trotz der Lage in der Kirchenburg nicht zum Museum, ist aber auf alle Fälle einen Besuch wert. Am 16. März startet das Museum in die neue Saison.

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