16.10.2018
Immaterielles Kulturerbe

Wie Bäcker und andere Handwerker ihren Beruf an die nächste Generation weitergeben

Dass der Sohn vom Vater den Bäckereibetrieb übernimmt, geschieht immer seltener. Im Vorfeld des Forums "Kirche, Wirtschaft, Arbeitswelt" des evangelischen Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt (kda) sowie der Tagungsstätte Wildbad Rothenburg am 19. und 20. Oktober haben wir mit einem Handwerks-Experten über Herausforderungen zwischen Tradition und Transfer im Handwerksberuf gesprochen.
Bäckerei

Gelingende Übergaben von der einen zur nächsten Generation sind das zentrale Thema des achten Forums "Kirche, Wirtschaft, Arbeitswelt" des evangelischen Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt (kda) sowie der Tagungsstätte Wildbad Rothenburg. Am 19. und 20. Oktober suchen Kirchenvertreter sowie Experten aus Wirtschaft und Arbeitswelt in Vorträgen, Workshops und Diskussionen unter der Überschrift "Transfer und Tradition - Erfahrung und Erneuerung im Betrieb?" das Gespräch. Einer der Referenten ist Christopher Kruse, der Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes für das Bäckerhandwerk in Bayern.

 

Herr Kruse, ein gelingender Generationen-Übergang in der Bäckerei, die oft ein Familienbetrieb ist - wie kann das klappen?

Christopher Kruse: Familienbetriebe sind erfolgreich wegen der Familie und sie scheitern wegen der Familie. Die Nachfolge gelingt dann, wenn die Eltern verstehen oder zumindest akzeptieren, dass die Kinder auch neue eigene Wege gehen wollen, und die Kinder die gelegentlich geäußerte Kritik als helfende Hinweise verstehen.

Das heißt: Die "Alten" sollten die "Jungen" machen lassen, nicht reinreden, aber für Ratschläge parat stehen? Ist das nicht eher Wunschdenken?

Kruse: Die erfolgreichen Generationen-Übergänge im Bäckerhandwerk, die wir als Verband begleiten und beobachten, sind geplant und lange vorbereitet. Beide Seiten bereiten sich auf ihre Rollen in dem Prozess vor. Wenn die Tochter oder der Sohn den Meisterbrief in der Tasche hat, kann der Vater zum Beispiel die Leitung der Backstube oder eines Teilbereichs in die Verantwortung der nächsten Generation legen, ohne sofort alles abzugeben. Unsere Meisterabsolventen sind ja teilweise noch recht jung - meistens unter 30. Dann sind auch die Eltern in der Regel noch nicht im Rentenalter. Es gibt also durchaus Gelegenheit, schrittweise in die Verantwortung zu wachsen, während die Elterngeneration sich schrittweise zurückzieht.

Viele kleinere Familienbetriebe im Bäckerhandwerk geben nach und nach auf. Was ist dafür der Grund? Keine Lust auf "Familienbetrieb" oder die wirtschaftliche Lage?

Kruse: Das Bäckerhandwerk ist einem ständigen Wandel unterworfen. Die Einheiten werden im Schnitt immer größer. Wir verlieren zwar bundesweit pro Tag einen Betrieb, aber die Mitarbeiterzahl und der Umsatz nehmen stetig zu. Meister, die früher einen eigenen Betrieb gehabt hätten, leiten heute als Angestellte Abteilungen in größeren Betrieben. Was junge Menschen davon abhält, sich selbstständig zu machen, sind aber vielfach die bürokratischen Lasten. Wer erlebt hat, wie der Vater kaum noch aus dem Büro rausgekommen ist, will nach der Meisterschule lieber backen als Formulare ausfüllen.

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