4.06.2020
Kultur in der Corona-Krise

Papiersterne & Postkarten statt Theater & Show - Kulturtafeln sind auch während des Shutdown aktiv

Plötzlich stand alles still. Als ab Mitte März Corona die Menschen zu Hause festhielt, war die Ticketvermittlung der Kulturtafel nicht mehr möglich. Die Teams kümmern sich aber weiter um ihre Gäste und manche auch um die Kulturschaffenden.
König Ludwig Regensburg Theater
Auf der Bühne bei einem Theaterstück in Regensburg: Johannes Mooser und Sara Maria Saalmann.

So viele Programme und Flyer waren gedruckt für die ungezählten abgesagten Kulturveranstaltungen während der Corona-Krise. Da haben sie in Regensburg dieses Papier genommen und Sterne daraus gefaltet.

Die Aktion von "Kultür", einem Verein für kulturelle Teilhabe, soll Solidarität mit den Kulturbetrieben zeigen, die zu normalen Zeiten einkommensschwachen Menschen Tickets abgeben. "Die haben sich so gefreut", erzählt Kultür-Geschäftsführerin Britta Kutzner. Und die Gäste seien froh gewesen, auch mal etwas für die Theater oder Konzertveranstalter zu tun.

Kulturtafeln in der Corona-Krise

Kulturtafeln wollen den Menschen Zugang zu kulturellen Veranstaltungen ermöglichen, die sie sich selbst nicht leisten können. Sie vermitteln meist gespendete Tickets. Das Corona-Virus hat dieses Weitergabegeschäft natürlich zum Erliegen gebracht. Alle Bürger hätten in der Corona-Krise erlebt, wie es sei, ohne kulturelle Veranstaltungen zu leben. "Das ist für den Personenkreis, den wir als Kulturtafel vertreten, auch ohne Corona Realität", stellt Susanne Kleist von der Kulturtafel Bamberg fest.

"Von heute auf morgen stand die Vermittlung still", blickt Sabine Voll von der Kulturtafel Würzburg zurück. Aber in der unterfränkischen Großstadt und anderswo haben die Vereine seit dem Lockdown die Hände nicht in den Schoß gelegt.

Kontakte aufrechterhalten

Denn das wichtigste sei, den Kontakt zu Kulturveranstaltern und den Gästen aufrecht zu halten, sagt die Bambergerin Kleist. Auch die Mitarbeitenden beim Kulturraum München haben sich ohne Freikartenvermittlung weiter um die Menschen in ihren Teilnehmer-Listen gekümmert, berichtet Sabine Ruchlinski vom Kulturraum.

700 Gäste, die keine E-Mail-Adresse haben, seien angerufen worden, so Ruchlinski. "Es stellte sich heraus, dass diese Gespräche den Angerufenen sehr gut taten". Daher werde man sie weiterhin regelmäßig kontaktieren.

Postkartenaktion in Würzburg

Auch die Würzburger Tafel hat viele Gäste, die nicht digital vernetzt sind, erklärt Öffentlichkeitsreferentin Voll. Das Team arbeitet deshalb mit Studierenden der Fachhochschule derzeit an einer Postkartenaktion, um mit den Teilnehmern analog in Kontakt zu bleiben und ihnen zu zeigen, dass sie nicht allein sind. "Ohne gemeinsame Besuche von Veranstaltungen nehmen Vereinsamung und Isolation zu", befürchtet Voll. Dies betreffe besonders die Älteren und die Alleinerziehenden.

Auch die Ehrenamtlichen bei Kultür in Regensburg haben mit den Gästen telefoniert. Denn auch sie haben festgestellt, dass beinahe die Hälfte ihrer Kundschaft keine E-Mail-Adresse besitzt. Mancher Senior hat zwar ein Tablet zur Verfügung, weiß es aber nicht zu bedienen, stellte die Bundesvereinigung "Kulturelle Teilhabe" in einer Mitteilung Anfang Mai fest.

Idee: Eintritt-Frei-Kalender online

Die Kulturtafeln in mehreren Städten haben die vergangenen Wochen genutzt, einen Eintritt-Frei-Kalender im Internet umzusetzen. Den können nicht nur Menschen mit geringem Einkommen nutzen. "Das Feedback ist sehr groß", berichtet Kutzner in Regensburg. Von vielen Seiten erhalte sie Tipps für diese Agenda.

Den Eintritt-Frei-Kalender hat auch das Team von Kulturraum in München reich bestückt. In der Landeshauptstadt hängen die Mitarbeiter zudem kostenlose Kulturtipps an die Tafel-Ausgabestellen.

Aber auch wenn der Kulturbetrieb jetzt wieder anlaufen sollte, Britta Kutzner erlebt bei den Gästen noch eine sehr große Vorsicht. Aus Angst vor dem Virus, würden sich viele noch nicht aus dem Haus trauen, hat sie in Gesprächen erfahren.

Was die Ticketvermittlung angeht, fokussiere man sich deshalb auf den September. Und Sabine Voll in Würzburg sagt: "Wir sind zum Abwarten verdammt". 

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