28.05.2017
Ausstellung zur Reformation

Meister der Bildsprache: Michael Ostendorfer und die Reformation

Anlässlich des Reformations­jubiläums hat das Historische Museum Regensburg dem Maler, Zeichner und Grafiker Michael Ostendorfer (1490/96-1559) eine große Ausstellung gewidmet. Sie ist dessen erste Retrospektive.
Michael Ostendorfers Reformationsaltar, 1554/55
Ostendorfers Reformationsaltar, den er für die Neupfarrkirche in Regensburg 1554/55 geschaffen hat, gilt noch heute als Ikone der Reformationszeit.

Die Schau stellt sowohl den Künstler als auch die Reformation in Regensburg in den Mittelpunkt. Die Wechselwirkungen seien augenfällig, sagte der Museologe Wolfgang Neiser bei der Preview für die Medien. Er hat die Ausstellung konzipiert und kuratiert. Ostendorfer, der lange als der »große Unbekannte« galt, sein Leben und sein Werk seien maßgeblich von Luthers Wirken beeinflusst gewesen. »Wie überlebt jemand als Künstler, der in eine Zeit der Konfessionalisierung geworfen wird und seine Familie ernähren muss«, auch auf diese Frage gebe die Ausstellung eine Antwort.

Eines der wichtigsten Exponate in der Ausstellung ist der Reformationsaltar, den Ostendorfer 1554/55 für die Neupfarrkirche in Regensburg geschaffen hat. Der Flügelaltar mit seiner protestantischen Bildsprache gilt als einmalig und zugleich als »Ikone der Reformation« in Regensburg. Er ist gleichsam das Herzstück der Ausstellung.

Die Garde der Künstler der Donauschule

Ein kongeniales Duo hat ihn erdacht. Zum einen war dies Nikolaus Gallus, der Superstar der damaligen Theologen. Er kehrte 1553 aus Wittenberg zurück. Zum Superintendenten bestellt, gab er den Altar bei Ostendorfer in Auftrag. »Ostendorfer wiederum zählte aufgrund seiner individuellen und erzählenden Motivgestaltung und wegen seiner Bilderfindungsgabe zur ersten Garde der Künstler der Donauschule«, erklärte Kunsthistoriker Christoph Wagner.

Seine Fähigkeiten als Porträtist hätten ihn in den Rang eines Meisters gehoben. Selbstbewusst unterzeichnete Ostendorfer seine Bilder mit den Initialen »M.O.«. Seine Bildsprache und seine Bild-Ideen seien damals so außergewöhnlich gewesen, dass man sie in ihrer Wirkung mit modernen »Graphic Novels« (Bildgeschichten) vergleichen könne. Ausstellungsmacher Neiser hat dies auf die Idee gebracht, die Ausstellungstexte in Comicform zu präsentieren. Ein didaktischer Kunstgriff zur Verzahnung von Reformationszeit und Moderne.

Regionalbischof Weiss: Ausstellung ist Höhepunkt im Reformationsjahr

Der Schirmherr der Ausstellung, Regionalbischof Hans-Martin Weiss, lobte die Ausstellung: »Ohne jede Frage stellt sie in Regensburg einen besonderen kulturellen Höhepunkt im Reformationsjahr dar.«

Mit über 100 Objekten aus staatlichen und privaten Sammlungen zeichnet die Ausstellung das Leben Ostendorfers nach und zeigt, wie die Reformation in der Freien Reichsstadt Fuß fasste. 14 Ölgemälde Ostendorfers sind zu sehen und 23 seiner Grafiken, darunter auch die Holzschnitte und Illustrationen zur Auslegung der Bibel, die er für den katholischen Theologen Johannes Eck geschaffen hat.

Ostendorfer konvertierte zum lutherischen Glauben

Regensburger Experten gehen davon aus, dass Ostendorfer spätestens in den 1530er-Jahren protestantisch wurde. »Vieles spricht dafür, dass er unter dem Vorzeichen der Reformation tätig war«, sagte Christoph Wagner. Zumindest aber lege es die Ikonografie seiner Werke nahe. Ostendorfer habe ganz im lutherischen Sinne nur gezeigt, was der Text vorgegeben habe.

»Das aber bis ins Kleinste. Er erfindet keine Nebenschauplätze und setzt bildlich den theologischen Grundsatz ›sola scriptura‹ (allein durch die Schrift) im Bild um«, erklärte Neiser. Diese Art der Herausbildung einer völlig neuen Ikonografie sei als wesentliche Leistung Ostendorfers anzusehen.

Interaktive Stationen wie Hologramme der Neupfarrkirche oder animierte Erläuterungen zum Reformationsaltar sowie Virtual-Reality-Headsets zur Entwicklung des Neupfarrplatzes nach dem Pogrom von 1519 ermöglichen ein tieferes Einsteigen in Ostendorfers Welt. Des Weiteren ist Musik aus seiner Zeit zu hören. Repräsentative Objekte wie Kelche, Prunkgefäße und Briefe, darunter auch solche aus Luthers Hand, dokumentieren das protestantische Selbstverständnis Regensburgs, das sich inmitten dieses Prozesses der Konfessionalisierung allmählich, dann aber klar und überzeugend herausgebildet habe, so Wagner.

Die Ausstellung

Die Ausstellung »Michael Ostendorfer und die Reformation« ist bis 5. November 2017  im Historischen Museum Regensburg zu sehen.

Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr.

Im Schnell und Steiner Verlag ist dazu ein umfangreicher Katalog erschienen, herausgegeben von Christop Wagner und Dominic E. Delarue.

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