25.08.2019
Schüler machen Medien

"Druckerschwärze" und "Volo, die junge Redaktion" fördern den Mediennachwuchs in Bayern

Ein paar Mal im Jahr packen die Mitarbeiter der Evangelischen Funk-Agentur ihre Aufnahmegeräte und Laptops ein und bauen an einer bayerischen Schule eine mobile Redaktion auf. Den Schülern vor Ort zeigen sie in den Projekten "Druckerschwärze" und "Volo, die junge Redaktion", dass viele von ihnen das Zeug zum Nachwuchsredakteur haben - auch Nichtmuttersprachler. Die Initiative für die Medienangebote kommt von einem Brasilianer.
Eine Woche texten, schneiden, brüten, moderieren – und fertig sind die Radiosendung, Lokalzeitungsseite und TV-Talkshow. Bayerische Schüler schnuppern professionelle Medienluft. Hier sind die Jungredakteure der Formate "Druckerschwärze" und "Volo, die junge Redaktion" im Originalton!

Er hatte die Idee, hat die Organisation in die Hand genommen und die Finanzierung über die Evangelische Jugend Nürnberg und die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit in die Wege geleitet: Theaterpädagoge Jean-François Drozak aus Nürnberg. Dank des gebürtigen Brasilianers sind über die Jahre zwei medienpädagogische Projekte entstanden, mit denen junge Menschen in Bayern an die Arbeit in Medienredaktionen herangeführt werden: "Druckerschwärze" und "Volo, die junge Redaktion".

Für Drozak waren es verschiedene Gründe, die ihn zu den Projekten mit Schülern inspiriert haben. "Ich rede viel mit Redakteuren, die sich Sorgen machen, dass immer weniger Menschen Zeitung lesen oder sich Themensendungen im Radio anhören", erzählt er. Dabei sei die deutsche Medienlandschaft so breit und vielfältig aufgestellt - eine Errungenschaft der Demokratie. Um diese Vielfalt beizubehalten, motiviert Drozak junge Menschen, selbst aktiv zu werden und Medien mitzugestalten. Besonders am Herzen liegt ihm die Förderung Jugendlicher mit Migrationshintergrund. Ihnen will er ein Vorbild sein, dass auch Nichtmuttersprachler die deutsche Sprache zu ihrem Arbeitswerkzeug machen können.

In seiner Stadt Nürnberg haben etwa 40 Prozent der Bevölkerung einen Migrationshintergrund. Unter Jugendlichen sind es sogar 60 Prozent.

"Repräsentativ wäre, dass auch 40 Prozent der Redakteure einen Migrationshintergrund haben. Ist aber nicht so!"

 Jean-François Drozak versucht, dem entgegenzuwirken.

Jean-François Drozak
Diplom-Sozialpädagoge, Theaterpädagoge und freier Künstler

Das klingt dann im Radio so: "Druckerschwärze! Hier geben die Schüler den Ton an!" Und dann moderiert der Nachwuchs unter professioneller Anleitung drauf los. Aber nicht Migration ist das Thema der aufwendigen Beiträge. Die Schüler produzieren eine halbstündige Radiosendung beispielsweise zum Thema Konsum oder Aufrichtigkeit:

Moderator1: "Mark, wann hast Du das letzte Mal geschwindelt?"
Moderator2: "Ich glaube, das war gestern, als ich meiner Mutter gesagt habe, ich räume meinen Schreibtisch auf."

Ein Koch kommt zu Wort über "Ehrliche Zutaten". Ein Detektiv wird interviewt. Und eine Selbitzer Schwester. Andere Sendungen drehen sich um die Energiewende, den Generationenvertrag, das Ehrenamt.

Drozak ist fasziniert, dass selbst Jugendliche, die erst seit wenigen Jahren in Deutschland sind, am Ende des Projekts eine Anmoderation hinbekommen. Er ermutigt die Jugendlichen, sich sprachlastige Berufe wie den Journalismus auszusuchen, auch wenn sie sich da erst mal keine guten Chancen ausrechnen.

"Das ist für die Jugendlichen ein riesiger Schritt, sich vorzustellen, später im Radio zu arbeiten, obwohl sie erst ganz am Anfang der Integration sind."

Jugendliche, die nicht in Deutschland geboren sind, hätten spezielle journalistische Fähigkeiten, sagt Drozak. Sie seien es gewohnt zu übersetzen: Inhalte, Denkweisen und Strategien. Und sie hätten Zugang zu gesellschaftlichen Gruppen, den deutschstämmige Journalisten nicht haben.

In jeder Schulwoche laufen drei Fachredaktionen parallel: Die Radioredaktion, eine Redaktion, die eine fernsehgerechte Live-Talkshow erarbeitet, und ein drittes Team, das eine Themenseite in der lokalen Tageszeitung befüllt. Das ist praktische Berufsberatung, sagt Drozak.

Sich auseinandersetzen.

Demokratie lernen.

Seinen Platz in der Gesellschaft finden.

Medien nutzen und Medien machen.

Die Schulwochen "Druckerschwärze" und "Volo, die junge Redaktion" haben riesiges Potential - und hoffentlich auch eine Zukunft, sagt Drozak. Die Finanzierung sei nämlich viel Arbeit. Bis 2021 will der Pädagoge bayernweit noch fünf bayerische Projektwochen durchführen, zudem drei bis vier weitere mit der Evangelischen Jugend Nürnberg, wenn die Finanzierung passt. Nach zwei langen Jahren, in denen er um das Überleben der Projekte gekämpft hat, wünscht er sich eine Regelfinanzierung für die Medienangebote.

 

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