11.01.2019
Digitale Kirche

Multimediale Kirche: Ohne Technik und Ressourcen geht es nicht

Die Kollekte mit dem Handy zahlen, sich in einer Fotobox verewigen oder mit einer VR-Brille die Kirche erkunden: Ideen für eine multimediale Kirche gibt es viele. Doch ohne finanzielle und personelle Ausstattung sind solche Angebote nicht zu realisieren.
Fachtag Multimediale Kirche im Eckstein in Nürnberg
Projektmitarbeiterin Marlies Barkowski stellt die Ergebnisse des Projekts "Multimediale Kirche" beim Fachtag in Nürnberg vor.

Ohne personelle Ressourcen, Expertenwissen und eine langfristige technische Betreuung können multimediale Angebote in der Kirche kaum realisiert werden. Das ist die Bilanz eines Fachtags der bayerischen evangelischen Landeskirche Mitte Januar in Nürnberg. Anlass war die Vorstellung eines bundesweiten Forschungsprojektes sowie eines Handbuchs "Multimediale Kirche". Der Fachtag habe deutlich gemacht, "dass wir für das Thema Digitalisierung eine kontinuierliche Aufmerksamkeit brauchen", sagte der Referent für Gemeindeentwicklung, Jörg Hammerbacher. "Wir müssen die Digitalisierung begleiten und überlegen, wie wir uns strukturell aufstellen", erklärte er.

Der Fachtag habe die Ergebnisse des Forschungsprojekts diskutiert und sich als Plattform für den Austausch zwischen Akteuren aus Gemeinden, kirchlichen Einrichtungen und Verwaltung verstanden. Zwei Ideen hätten sich konkretisiert: Zum einen beschäftige viele die Frage, wie man den Zugang zum Gottesdienst durch mediale Unterstützung erleichtern könne - also etwa über einen Beamer oder eine App. Zum anderen gebe es verschiedene Ideen, den Kirchenraum multimedial zu erschließen - vom spielerischen Zugang über eine VR-Brille hin zu einer Fotobox.

Die Ergebnisse des Fachtags sollen nun in der landeskirchlichen Arbeitsgruppe Digitalisierung weiter gesammelt und sortiert werden. "Wir müssen sehen, was es schon gibt, wo wir Akteure vernetzen können, und was als Nächstes ansteht", sagte Hammerbacher. Dann müsse nach Ressourcen im personellen Bereich gefragt werden. "Wir müssen dahin kommen, diejenigen zu unterstützen und zu belohnen, die sich bewegen", sagte Hammerbacher.

Fünf Ideen für die multimediale Kirche

Idee 1: Kollekten-App

Kollekten-App: Über das Smartphone kann die Kollekte beim Gottesdienst in der Kirche eingesammelt werden. In Deutschland ist die Einführung einer solchen Technik allerdings nicht so leicht, denn die Banken bieten bisher keine entsprechenden Dienste an. Auch gibt es datenschutzrechtliche Fragen, die noch nicht geklärt sind.

Idee 2: VR-Brille

Eine VR-Brille erklärt dem Kirchenbesucher die Geschichte der Kirche, erläutert wichtige Kunstwerke, die Bedeutung des Taufsteins und gibt Einblicke in die Glaubenspraxis. Für den Kölner Dom wurde eine solche VR-Brille schon entwickelt.

Idee 3: Multimedia-Tafel

Im Eingangsbereich einer Kirche steht ein multimediales Board: Dort kann sich der Besucher orientieren. Er erfährt die wichtigsten Termine der nächsten Zeit und kann Informationen zu den Kunstschätzen oder der Gottesdienstpraxis nachschlagen. Er kann sich Musikstücke anhören und Videos mit Interviews oder Erklärstücken anschauen.

Idee 4: Tiny Church

In einem Container wird eine Tiny-Church installiert. Der Container geht auf Reisen durch Deutschland und informiert in Dekanaten und Gemeinden über neue technische Entwicklungen. Konkret können in dem Container die neuen Technologien ausprobiert werden. Es gibt einen Ansprechpartner für Auskünfte aller Art.

Idee 5: Fotobox

Im Eingangsbereich oder vor einer Kirche wird eine Fotobox installiert. Bei Hochzeiten, nach einem Gottesdienst oder beim Kirchenbesuch können sich die Menschen fotografieren lassen. Anschließend können sie die Fotos direkt von der Fotobox aus per Mail weiterschicken, auf Instagram, Facebook etc. posten. Die Fotos werden automatisch mit Logo, Signatur, Hashtag und Webadresse versehen.

Handbuch Multimediale Kirche
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