19.12.2018
Kommentar

Kein Blut an Kleidung: Ein Appell für faire Mode

Immer nach dem neusten Modetrend gehen? - Warum niemand dafür sterben sollte. Ein Gastkommentar der Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler.
Näherin

Seit Wochen geht das schon so. In jeder Zeitung, in allen Newslettern wird Christmas Chic angeboten – elegante Kleidung für die Feiertage. Da funkelt und glitzert es aus allen Knopflöchern, in blauem Samt, schwarzer Seide oder roter Spitze. Auch die Dessous, die Unterwäsche der Damen, zeigt sich festtäglich verführerisch. Nichts dagegen zu sagen. Weihnachten ist ein sinnliches Fest, zu dem die ganze Leiblichkeit gehört. Schließlich wird Gott selbst Mensch mit allem, was dazugehört.

Nur: Wissen Sie, wo das herkommt, mit dem Sie sich so fein und attraktiv gewanden? Vor fünf Jahren sind in Bangladesch beim Einsturz des Textil-Fabrikgebäudes Rana Plaza weit über 1.000 Menschen getötet und 2.500 verletzt worden. Trotz der Risse im Gebäude und dem Verbot der Polizei, es zu betreten, hatten die Fabrikbetreiber die Arbeiterinnen gezwungen, hineinzugehen und zu arbeiten. Sie sind gestorben, damit Unternehmer billige Klamotten auf unseren Markt werfen können.

Lieferkette auf Nachhaltigkeit und Fairness prüfen

Das kann, das darf nicht sein. Weder zu Weihnachten noch zu irgendeinem anderen Zeitpunkt im Jahr. Gott wird Mensch, um uns Menschlichkeit zu lehren. Damit wir im anderen sein himmlisches Gesicht sehen – auch in dem der indischen Weberin, der vietnamesischen Näherin und der Frau aus Bangladesch. Sie sind Gottes geliebte Kinder wie wir auch. Was also tun? Nachschauen, wo das gute Stück produziert wird, das man sich anschickt, zu kaufen. Prüfen, ob die Lieferkette wirklich fair und nachhaltig ist.

Niemand darf sterben, bloß weil wir gut aussehen wollen. Näherinnen und Schneiderinnen in aller Welt brauchen einen sicheren Arbeitsplatz und gerechte Arbeitsverträge. Gewerkschaften sollen ihre Interessen wahrnehmen. Sie müssen kranken- und sozialversichert sein. Pestizide an Rohmaterialien und in Stoffen dürfen sie nicht krank machen – uns übrigens auch nicht. Denn Gift ist kein Farbstoff. Eigentlich selbstverständlich – jedenfalls für uns. Und deswegen für alle Menschen.

"Wir sind zu arm, um uns was Billiges zu kaufen"

Mir hilft beim Einkaufen die App "Siegelklarheit". Damit kann man leichter erkennen, was man einigermaßen getrost kaufen kann. Außerdem gilt für mich neben jedem Siegel eine Lebensweisheit meiner Mutter: "Wir sind zu arm, um uns was Billiges zu kaufen." Ich habe von ihr gelernt, lieber auf ein Stück mit hoher Qualität zu sparen, von dem ich dann lange etwas habe. Was wirklich schick ist, bleibt es. Und wir selbst – wir sind am allerschönsten, wenn uns die Liebe zu anderen Menschen aus den Augen strahlt.

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