7.11.2018
Kommentar

Warum Medien kaum über Christenverfolgung berichten

In der islamischen Republik Pakistan stehen auf Gotteslästerung drakonische Strafen. Der Fall der Christin Asia Bibi zeigt, wie schnell ein Todesurteil gesprochen wird. Trotzdem taucht er kaum in den deutschen Medien auf. Warum ist das Interesse so gering?
Christenverfolgung - Kreuz

Ein Streit um ein Glas Wasser und ein Todesurteil. Es ist kaum vorstellbar, dass sich zwischen beiden Dingen eine direkte Linie ziehen lassen könnte – und doch ist es, wenn die Berichte stimmen, so geschehen. In einem pakistanischen Dorf sollen sich muslimische Frauen geweigert haben, von einem Wasser zu trinken, das ihnen eine Christin gebracht habe; im anschließenden Wortgefecht soll die Katholikin den Propheten Mohammed beleidigt haben. Die Folge: Anklage und Verurteilung wegen Gotteslästerung. In der "islamischen Republik" Pakistan stehen darauf drakonische Strafen.

Die Feldarbeiterin Asia Bibi, von der hier die Rede ist, befindet sich seit dem Vorfall im Sommer 2009 im Gefängnis. Ihr überraschender Freispruch in der vergangenen Woche löste in Pakistan Massenproteste radikaler Islamisten aus. Die Demonstrationen endeten erst, nachdem die Regierung eine Revision zugesagt hatte – eine momentane Ruhe, die man als trügerisch einschätzen darf.

Christenverfolgung führt ein Nischendasein

Dass der Fall Asia Bibi lange Zeit kaum beachtet wurde, gehört zu den traurigen Nebenwirkungen einer westlichen Medienwelt, die sonst eifrig auf Skandalisierung und Alarmismus gepolt ist. Zu Recht wird kritisiert, dass dort das Thema Christenverfolgung allenfalls ein Nischendasein führt. Und das, obwohl es in einigen Ländern Afrikas und Asiens immer wieder zu gewalttätigen Übergriffen bis hin zu Massakern an christlichen Minderheiten kommt: Erst am 2. November wurden nach Angaben der Organisation "Open Doors" sieben Christen in Ägypten bei einem Terroranschlag getötet.

Im aufgeklärten Europa scheint die Sensibilität dafür abhandengekommen zu sein, was sich jenseits des Wahrnehmungshorizonts seiner Komfortzone abspielt. Das mag eine Folge der Überreizung durch die Globalisierung sein – der Trend zu nationaler Abschottung als Reaktion auf die weltweite Migrationsbewegung ist nur ein Beispiel. Sich mit Menschenfeindlichkeit auseinanderzusetzen, in der sich politische und religiöse Hintergründe vermischen, fordert eine Bereitschaft, die schlecht in die atemlose Gegenwart passt.

In diesen Tagen macht Asia Bibis Schicksal noch Schlagzeilen. Äußerst besorgt äußerten sich Bischöfe, mehrere Länder haben der Pakistanerin und ihrer Familie Asyl angeboten. Die Hoffnung, dass der Fall zu einem Weckruf werden könnte, um Christenverfolgung auch international laut und dauerhaft ins Gespräch zu bringen, ist leider eher gering. Aber vielleicht denkt man beim nächsten Glas Wasser an die Menschen, die von echter Religionsfreiheit nur träumen können.

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Sonntagsblatt