19.06.2019
Kommentar

Warum sich ehrenamtliches Engagement bei der Rente auszahlen sollte

Apokalyptiker haben derzeit Konjunktur. Migration gleich Volkstod gleich Weltuntergang, krakeelen die einen. Für die anderen liegt die Apokalypse im Klimawandel. Weltuntergänge sind meist ausgeblieben, zeigt ein Blick in die Geschichte. Der soziale Kitt in der Gesellschaft bröckelt aber ganz konkret. Und für Ehrenamtliche ließe sich hier und heute relativ leicht relativ viel tun.
Hausaufgabenhilfe: Betreuerin und Kinder mit Migrationshintergrund.
Je nach Zählung zwischen 15 und 30 Millionen Menschen in Deutschland engagieren sich ehrenamtlich. Es sind nicht zuletzt Frauen, die betreuend, kümmernd, pflegend und sorgend durch ehrenamtliche Arbeit die Gesellschaft menschlicher machen. Durch Besuchsdienste im Krankenhaus, auf Palliativstationen, als Lernhelferinnen für Kinder mit Migrationshintergrund. Rentenmäßig hängen viele noch immer von ihren Männern ab.

Apokalypse und Rentenpunkte

Apokalyptiker haben derzeit Konjunktur. Migration gleich Volkstod gleich Weltuntergang, krakeelen die einen. Für die anderen liegt die Apokalypse im Klimawandel. Einig ist man sich in der Überzeugung: Das Ende ist nah! Und unausweichlich, wenn sich nicht wirklich ganz, ganz schnell und ganz, ganz radikal was ändert. Keine Kompromisse mehr!

Andererseits wird vor dem Hintergrund vertiefter gesellschaftlicher Spaltungen und zunehmender Individualisierung gern der "Kitt" beschworen, der eine Gesellschaft zusammenhält.

Ehrenamtliche sind und "produzieren" diesen sozialen Kitt.

Ehrenamtliche machen die Gesellschaft menschlicher

Je nach Zählung zwischen 15 und 30 Millionen Menschen in Deutschland engagieren sich ehrenamtlich, in der Kirche, in Chören, beim Sport, in Feuerwehren, in der Nachbarschaft.

Es sind nicht zuletzt Frauen, die betreuend, kümmernd, pflegend und sorgend durch ehrenamtliche Arbeit die Gesellschaft menschlicher machen. Durch Besuchsdienste im Krankenhaus, auf Palliativstationen, als Lernhelferinnen für Kinder mit Migrationshintergrund. Rentenmäßig hängen viele noch immer von ihren Männern ab. Rentenpunkte für ehrenamtliche Arbeit könnten diesen Missstand zumindest etwas mildern.

Wer regelmäßig, sagen wir: zehn, 15 Stunden in der Woche, unentgeltlich etwas für andere und damit für uns alle tut, sollte dafür "am Ende" nicht draufzahlen, sondern Anerkennung erfahren. Gut, ein paar Ehrenämter gibt es schon jetzt, mit denen sich Rentenpunkte sammeln lassen. Als Bürgermeister kleiner Kommunen zum Beispiel, im Bundesfreiwilligendienst oder Freiwilligen Sozialen Jahr, in der häuslichen Pflege.

Weltuntergänge sind bisher meist ausgeblieben

Viele andere Ehrenamtliche senken an dieser Stelle allerdings den Blick und sagen, sie erhielten durch das, was sie tun, bereits so viel Anerkennung, Bestätigung und Kraft, dass sie jegliche "Pekuniarisierung" ihres Engagements beschämt ablehnen.

Der Gesellschaft, uns allen, sollten diese und andere Investitionen in den "sozialen Kitt" trotzdem etwas wert sein. Dabei darf man durchaus die bei Konservativen und Wirtschaftsliberalen verhasste Vokabel "Umverteilung" verwenden: Zugreifen sollte man viel stärker als bisher bei den Erbschaften, weil sie die soziale Spaltung der Gesellschaft in Reiche und Arme beschleunigen und das den sozialen Kitt zum Bröseln bringt.

Weltuntergänge sind meist ausgeblieben, zeigt ein Blick in die Geschichte. Der soziale Kitt bröckelt aber ganz konkret. Und für Ehrenamtliche ließe sich hier und heute relativ leicht relativ viel tun. Dass sich die zwischen völkischen Extremisten und Marktradikalen zerrissene Partei der ­Anti-Migrations-Krakeeler auf kein Rentenkonzept einigen kann, passt leider nur zu gut ins Bild dieser Zeit.

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