13.06.2018
Kommentar

Ein Meer aus Plastik

10 Millionen Tonnen Plastik landen Jahr für Jahr im Meer - und über die Nahrungskette auf unseren Tellern. Das Zaudern des Gesetzgebers macht den Verbraucheralltag mühsam - leicht bleibt es hingegen für die Produzenten von überflüssigem Plastik.
Plastikmüll am Strand
Weltweit wird an den Stränden immer mehr Plastikmüll aus den Meeren sichtbar.

 

Die Polarstern ist ein Forschungsschiff in den eisigen Gewässern der Arktis. Sie bringt von ihren Expeditionen Eisproben mit, die 100 000 Jahre alt sind, und manchmal auch nur 10. Das alte Eis umhüllt Lufteinschlüsse und Vulkanasche und verrät den Forschern viel über das damalige Klima. Das junge Eis umhüllt vor allem eins: Plastik.

Die Fakten sind bekannt: 10 Millionen Tonnen Plastik landen jährlich in den Meeren unseres Planeten. Ein Bruchteil davon treibt in fünf großen Müllstrudeln an der Wasseroberfläche; der größere Teil sinkt zum Meeresboden, zerfällt, zerreibt, zerkleinert sich, bis er in mikroskopisch kleinen Teilchen im Wasser schwebt. Riesenschildkröten fressen Plastiktüten, weil sie sie für Quallen halten, und gehen daran zugrunde. Mikroplastik essen wir alle – vom Wimperntierchen bis zum Thunfisch gelangt es über die Nahrungskette auf unsere Teller.

Die einzige Lösung ist, weniger Plastikmüll ins Meer zu kippen. Die Regierung der Plastik-Hochburg Indonesien, der die Müllpest an ihren Urlaubsstränden ein Umsatzminus beim Tourismus bringen könnte, hat angekündigt, bis 2025 rund 70 Prozent weniger (Plastik-)Müll produzieren zu wollen – also statt 130 000 Tonnen täglich nur noch 39 000 Tonnen pro Tag.

Ein plastikarmer Alltag ist aber auch in Deutschland nur mit Mühe zu erreichen. Dass Plastiktüten in vielen Läden mittlerweile 10 Cent kosten, hat sicher etwas gebracht. Wer aber im Supermarkt versucht, Cocktailtomaten ohne Plastikverpackung zu erstehen, gibt bald entnervt auf. In vielen Obstabteilungen sind dünne Plastiktütchen nach wie vor die einzige Möglichkeit, seine Kirschen einzupacken. Sogar im Ökoladen kommen Biopaprika im Plastikgewand daher.

Überflüssige Umverpackungen verbieten

Die Frage ist, was den Gesetzgeber daran hindert, solchen Unsinn einfach zu verbieten. Statt es den Verbrauchern leichter zu machen, bleibt es leicht für die Produzenten von überflüssigem Plastik im Einzelhandel. Dabei drängt die Zeit – nicht nur beim Plastik, sondern auch bei allen anderen Klima-Themen. Doch vor der nächsten Europawahl im Mai 2019 wird wohl nicht mal das geplante EU-weite Verbot von Plastikstrohhalmen, -geschirr und -besteck kommen, an dem die EU-Kommission derzeit feilt.

Bleibt also wieder nur der Appell an die Verbraucher, beim Lebensmitteleinkauf genauer auf überflüssiges Plastik zu achten – und bei den anstehenden Public-Viewings zur Fußball-WM echtes Geschirr in den Picknickkorb zu packen.

 

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