14.05.2017
ZEITZEICHEN

"Gebetomat" verkürzt Wartezeit am Flughafen Stuttgart

Das Gepäck ist aufgegeben, die Sicherheitskontrolle passiert, jetzt heißt es: warten auf den Abflug. "In between" nennen manche diesen Zustand am Flughafen-Gate – nicht mehr ganz da, aber auch noch nicht weg. Was machen die Leute "dazwischen"? Lesen, dösen, Mails checken, aus dem Fenster schauen? Am Stuttgarter Flughafen gibt es in den nächsten Monaten noch eine Möglichkeit: beten. Der "Gebetomat" des Künstlers Oliver Sturm hält Texte aus den fünf Weltreligionen zur Auswahl bereit – für eine kurze Reise nach innen, bevor der Flieger abhebt.
»Gebetomat« des Künstlers Oliver Sturm.
»Gebetomat« des Künstlers Oliver Sturm.

"Im Flugzeug gibt es während starker Turbulenzen keine Atheisten." So eine Weisheit kann nur einer von sich geben, der die Menschen kennt, der sich jahrelang mit ihrem Innenleben beschäftigt hat und unablässig auf der Suche war nach der Antwort auf die alles bewegende Frage: "Was bin ich?"

Robert Lembke hat diesen klugen Satz gesagt, der bayerische Moderator aus dem Schwarz-Weiß-Fernsehen, in dem die Dinge noch übersichtlich waren und der stets etwas Unerschüttertes an sich hatte.

Gekommen ist Lembke die Einsicht sicher, als er selbst im Flugzeug saß und die Umsitzenden beobachtete, als es holprig wurde, als die Maschine in ein Luftloch absackte oder sich wagemutig durch dunkle Gewitterwolken bohrte.

Dann, ja dann wird auch der härteste Gottesleugner weich, legt die Hände zusammen und bewegt stumm die Lippen zum Stoßgebet. Vielleicht zum ersten, hoffentlich aber nicht zum letzten Mal.

Heutzutage kann man das alles schon vor dem Abflug erledigen. Und weil ja kein Mensch mehr ein Gebet auswendig kann und alles viel multireligiöser zugeht als zu Lembkes Zeiten, steht jetzt am Stuttgarter Flughafen ein "Prayomat", der den Fluggästen auf Knopfdruck verschieden Gebete aus den fünf Weltreligionen vorliest.

Wer sich also vor dem Abflug in den passbildautomatenähnlichen Kasten begibt und die passende Religion oder Sprache auswählt, der kann getrost in den Flieger steigen.

Wer sich angesichts der Auswahl allerdings fragt: "Was bin ich eigentlich?", der lässt am besten alle 300 Gebete in sein Ohr und dann gen Himmel steigen. Man weiß ja nicht wirklich, wer selbigen so alles bewohnt. Zur Kundenfreundlichkeit beitragen könnte der Automat, fragte er höflich: "Welches Gebet hätten’s denn gern?"

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