Mit einer Gedenkveranstaltung hat die Evangelische Versöhnungskirche am 9. April 2020 in Dachau an den 75. Jahrestag der Ermordung von Dietrich Bonhoeffer erinnert. Bonhoeffer war als junger evangelischer Theologe in Berlin 1933 Mitbegründer der oppositionellen "Bekennenden Kirche" und beteiligte sich ab 1940 aktiv am konspirativen politischen Widerstand gegen das NS-Regime. Mit anderen konnte er noch im Herbst 1942 vierzehn vom Holocaust bedrohten Menschen zur Flucht in die Schweiz verhelfen. 

Erinnerung an Dietrich Bonhoeffer und Georg Elser

Die Evangelische Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau gedachte zugleich an Georg Elser (1903-1945), der am 9. April 1945 im KZ Dachau ermordet wurde. Elser war ein Schreiner von der Schwäbischen Alb und wählte in der Weimarer Republik als klassenbewusster Arbeiter die KPD. Als die NS-Propaganda im Herbst 1938 die deutsche Bevölkerung auf den nahen Kriegsbeginn einstimmte, fasste er den Entschluss zum Attentat auf Hitler, das dann am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller knapp scheiterte.

Andacht zum Gedenken mit Sophie Aeckerle

Die 25-jährige studierte Sängerin Sophie Aeckerle brachte Bonhoeffers Gedicht "Von guten Mächten wunderbar geborgen" in der Vertonung von Siegfried Fietz zu Gehör. Bonhoeffer schrieb das Gedicht Ende 1944 in Gestapo-Haft für seine junge Verlobte Maria von Wedemeyer. Aeckerle trug auch das Vaterunser in einer gregorianischen Vertonung vor. Im Sommer und Herbst 1939 habe Elser in München häufig Kirchen aufgesucht, um dort ein Vaterunser zu beten. 

Die Mordtaten an Dietrich Bonhoeffer und Georg Elser am 9. April 1945 seien Teil einer letzten Racheaktion Hitlers, erklärte Mensing in seiner Andacht. Sie und andere Widerstandskämpfer sollten auf keinen Fall ihre Befreiung durch die Alliierten erleben und am Neuaufbau eines nach-nationalsozialistischen Deutschlands mitwirken.

Gedenkgottesdienst in KZ-Gedenkstätte Dachau

Mensing entzündete bei dem kurzen Gedenkgottesdienst im Wechsel mit Sophie Aeckerles Gesang für die sieben Menschen Kerzen, die am 9. April 1945 in Bayern dieser Mordaktion zum Opfer fielen. 

Wegen des Veranstaltungsverbotes in der Corona-Pandemie und der Gesamtschließung der KZ-Gedenkstätte Dachau nahmen an der Gedenkfeier nur die Mitwirkenden teil.

KZ-System und Todesmärsche: Dokumentation als PDF zum Download

Die Praxishilfe, die Sie im Anhang in einer aktualisierten Version finden und bitte an Interessierte in Ihrem Umfeld weiterleiten, kann in der derzeitigen Situation vielleicht auch für Menschen, die ggf. in Quarantäne leben müssen, eine Möglichkeit bieten, sich mit den Geschehnissen vor 75 Jahren zu beschäftigen. Besonders auch die kommentierten Hinweise auf Links zu eigenen online-Recherchen könnten hilfreich sein.

Vor 75 Jahren nahte auch für Bayern die Befreiung von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft durch die Alliierten. Amerikanischen Truppen rückten von Nordwest nach Südost vor, französische Truppen von Südwest Richtung Allgäu. Am 3. April 1945 kapitulierte Aschaffenburg. Mit dem Inkrafttreten der Kapitulation der Heeresgruppe G am 6. Mai 1945 war in ganz Bayern der Krieg zu Ende.

In den letzten Kriegswochen verübte das NS-Regime auch in Bayern noch die sogenannten Endphaseverbrechen. Dazu gehörten die Todesmärsche und "Evakuierungstransporte", auf die die SS zehntausende KZ-Häftlinge unter mörderischen Bedingungen zwang.

Aus frontnahen Lagern wurden die Häftlinge zunächst in Richtung Flossenbürg und Dachau "evakuiert", und dann in den letzten Kriegstagen von dort noch in Richtung Alpen. Tausende Häftlinge kamen auf den Todesmärschen um oder wurden in den Lagern kurz vor der Befreiung ermordet.

Zwischen dem 14. und 16. April 1945 konnten US-Truppen Häftlinge der Außenlager Hof-Moschendorf und Pottenstein befreien, am 23. April die etwa 1.500 im Stammlager Flossenbürg von der SS zurückgelassenen schwerkranken Häftlinge, am 29. April etwa 32.000 Männer, Frauen und Kinder im Stammlager Dachau, am 2. Mai die etwa 2.700 Überlebenden des Todesmarsches bei Waakirchen im Alpenvorland und schließlich am 6. Mai 1945 die Häftlinge im Außenlager SS-Berghaus am Sudelfeld bei Bayrischzell. Tausende Gefangene er­leb­ten zwar noch ihre Befreiung, starben aber in den Tagen und Wochen danach an den Haftfolgen.

In der Praxishilfe finden Sie Informationen über das KZ-System in Bayern und über die Routen der Todesmärsche mit Karten, auf denen Sie lokale und regionale Bezüge zu Ihrer Heimat feststellen können. Zudem bietet die Praxishilfe Links, über die Sie online leicht weitere Quellen finden können, auch für biographische Daten von NS-Verfolgten aus Ihrer Umgebung.

Einige Kurzbiographien und Erinnerungszitate von befreiten KZ-Häftlingen (Max Mannheimer, Joseph Rovan, Leo Mistinger, Miriam und Leslie Rosenthal, Martin Niemöller, Rupert Schmidt) und befreienden alliierten Soldaten (Alan W. Lukens, Donald Greenbaum) finden Sie ebenfalls in der Praxishilfe, die hier heruntergeladen werden kann:

Dokumentation Bonhoeffer und Elser zum 75. Todestag
Dokumentation Bonhoeffer und Elser zum 75. Todestag