30.11.2019
Welt-AIDS-Tag am 1. Dezember

AIDS in Deutschland: Leichter Rückgang der Neuinfektionen mit dem HI-Virus

Rund 2.400 Menschen haben sich im vergangenen Jahr in Deutschland mit HIV infiziert. Die Zahl der Neuinfektionen ist damit laut Robert Koch-Institut (RKI) gegenüber 2017 leicht gesunken. Auch die Vereinten Nationen melden Fortschritte im Kampf gegen Aids.
Zum Welt-AIDS-Tag am 1. Dezember hat Radioreporterin Jasmin Kluge mit zwei Frauen über das Leben mit HIV, die Vorurteile der Gesellschaft gegenüber Infizierten und medizinische Entwicklungen bei der Behandlung der Krankheit gesprochen.

2017 wurden in Deutschland etwa 2.500 Neuinfektionen mit HIV registriert. Der Ausbau von zielgruppenspezifischen Testangeboten und ein früherer Behandlungsbeginn zeigten offenbar Erfolge, heißt es.

Dieser Weg sollte "konsequent weiter umgesetzt werden", vor allem durch eine weitere Verbesserung der Testangebote und die Gewährleistung des Zugangs zur Therapie für alle Menschen, die in Deutschland mit HIV leben, betont der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler. Der positive Trend kommt den Angaben zufolge aus der wichtigsten Betroffenengruppe. So sei bei Männern, die Sex mit Männern haben, die Zahl der geschätzten Neuinfektionen deutlich zurückgegangen, von 2.200 im Jahr 2013 auf 1.600 im Jahr 2018.

Das Robert Koch-Institut schätzt die Zahl der Menschen in Deutschland, die nicht wissen, dass sie HIV-infiziert sind, auf 10.600. Insgesamt lebten der Schätzung zufolge Ende 2018 rund 87.900 Menschen mit HIV in Deutschland. Geschätzt 440 Menschen seien im vergangenem Jahr in Deutschland an HIV gestorben, hieß es.

Die Deutsche Aids-Hilfe führt den Rückgang der HIV-Neuinfektionen auf eine konsequente Prävention und die HIV-Therapie zurück, die auch Übertragung verhindere. Mit mehr speziellen Testangeboten und Zugang zu medizinischer Behandlung für alle Menschen in Deutschland könnten Präventionslücken geschlossen werden.

Auch die Vereinten Nationen melden Fortschritte im Kampf gegen Aids. Rund 24,5 Millionen HIV-Infizierte könnten sich inzwischen einer lebensverlängernden Therapie unterziehen, sagt der Direktor für strategische Information des Hilfsprogramms Unaids, Peter Ghys. Im Jahr 2010 hätten 7,7 Millionen Menschen die sogenannten antiretroviralen Medikamente erhalten. Laut Schätzungen tragen weltweit 37,9 Millionen Menschen das Aids-Virus in sich, mehr als zwei Drittel davon in Afrika südlich der Sahara.

2018 steckten sich weltweit etwa 1,7 Millionen Menschen neu mit dem HI-Virus an, 770.000 HIV-Positive starben an den Folgen der Immunschwächekrankheit, wie es in dem Bericht heißt, den die Organisation zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember vorlegte. 2010 hätten sich 2,1 Millionen Menschen neu angesteckt und 1,2 Millionen Infizierte seien der Krankheit erlegen.

Unaids-Direktor Ghys räumte ein, dass noch immer Millionen HIV-positive Menschen besonders in armen Ländern keinen Zugang zu den lebensverlängernden Medikamenten hätten. Darunter seien viele Kinder. Die Medikamente können die Krankheit nicht heilen, hemmen jedoch bei regelmäßiger Einnahme die Vermehrung der Viren, so dass die HIV-positiven Menschen unter guten Lebensbedingungen in vielen Fällen jahrzehntelang ein annähernd normales Leben führen können. Im Jahr 2000 erhielten laut Bericht nur 685.000 Menschen antiretrovirale Mittel.

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