2.03.2019
Barfuß im Winter

Christian Seebauer: Eiswasser gegen Depressionen

Die Tage werden wieder länger und wärmer. Nichts wie raus in die Natur. Und mal kurz ins Wasser springen? Zu kalt? Christian Seebauer aus Dachau macht das fast täglich zu jeder Jahreszeit und bei jeder Temperatur - aus einem bestimmten Grund.
Christian Seebauer hat die Natur als Heilmittel gegen seine Depressionen entdeckt. Ein Audio-Beitrag von Martina Klecha (efa).

"Burnout hört sich besser an, aber bei mir sind es Depressionen. Depressionen sind ein Thema in meinem Leben und da muss man sich Gedanken machen, was man dagegen tun kann."

Der 52-jährige Christian Seebauer war schon als Kind anders, aber keiner merkte, was ihm fehlte. Er studierte, verdiente viel Geld in der Finanzbranche, gründete eine Familie - und wurde immer unglücklicher. Bis er sich 2010 selbst in eine Klinik einweisen ließ und sein Leben komplett umkrempelte.

Er fing wieder an Bilder zu malen, pilgerte den Jakobsweg und den Israel National Trail, einen der schwierigsten Pilgerwege der Welt - und das auch noch komplett ohne Geld.  Er lernte wieder, sich zu spüren. Schmerz, Tauer, Wut, aber auch Freude und Liebe und so kam die Lebendigkeit zurück.

"Depressionen sind das Gegenteil von Lebendigkeit, du spürst nichts, du spürst dich selbst nicht, du spürst die Umwelt nicht und dem etwas entgegenzusetzen, da ist die Natur unheimlich hilfreich."

Christian Seebauer barfuß im Schnee
Barfuß im Schnee laufen macht Spaß und nach den ersten 30 Sekunden gewöhnt man sich an die Kälte, sagt Christian Seebauer.
Christian Seebauer schwimmt auch im Winter in der Amper
Auch im Winter schwimmt Christian Seebauer manchmal ohne Neopren-Anzug in der Amper.
Christian Seebauer Untertauchen im Eiswasser
Untertauchen im Eiswasser.
Christian Seebauer: zu jeder Jahreszeit in der Amper
Im Winter läuft zuerst an der Amper entlang und schwimmt dann mit der Strömung wieder zurück. Im Sommer sind es 5 oder 10 Kilometer, im Winter eher nur einer.
Christian Seebauer auf dem Israel Trail
Christian Seebauer auf dem Israel National Trail.

Die Abenteuer und die intensiven Naturerlebnisse und Gefühle, die er vor allem auf dem "Shvil", dem Israel National Trail erlebt hatte, versucht er jetzt auch hier in der Umgebung von Dachau in seinen Alltag zu integrieren. Anstatt durch ein Wadi in der judäischen Wüste zu wandern, läuft er jetzt an der Amper entlang und zurück schwimmt er im Fluss oder lässt sich einfach treiben. Zu jeder Jahreszeit.

 "Es ist ein tolles Gefühl, weil Du einfach das Leben spürst, Eiswasser kann man spüren."

Für Ungeübte ist das natürlich nicht zu empfehlen, man sollte schon etwas abgehärtet sein, sonst wird es gefährlich. Christian Seebauer geht oft an und manchmal auch über seine Grenzen, aber dabei hat er immer Respekt vor der Natur. "Ohne Respekt sind viele Sachen einfach dumm und gefährlich."

Trotzdem kann seiner Meinung nach jeder intensivere und neue Erfahrungen in der Natur direkt vor der Haustür und ganz ohne Geld machen: "Einfach mal barfuß laufen im Schnee oder  einfach mal barfuß über einen Acker oder eine  Blumenwiese gehen." Bewusst fühlen, riechen, schauen, schmecken.  Nicht nur depressive Menschen werden dadurch wieder lebendiger und bekommen mehr Spaß am Leben.

Buch-Tipp

Christian Seebauer: Israel National Trail mit Herz

Christian Seebauer: Israel National Trail mit Herz. Das heilige Land zu Fuß, allein und ohne Geld.

320 S., SCM-Verlag, Holzgerlingen 2016

ISBN 978-3-7751-5706-3

Christian Seebauer: Israel Trail mit Herz
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efa