21.06.2019
"Vincent"

Coburger Pfarrer: Warum Radiosender Sarah Connors Song über Homosexualität nicht kürzen sollten

Sängerin Sarah Connor wird mit ihrem neuen Lied "Vincent" nicht überall im Radio gespielt. Die Single läuft oft nur in Kurzform oder abgeändert, auf manchen Sendern gar nicht. Grund dafür ist eine bestimmte Zeile.
In "Vincent", dem neuen Song von Sarah Connor geht es um einen Jungen, der sich in einen anderen Jungen verliebt.

In dem aktuellen Song der deutschen Popsängerin Sarah Connor geht es um gleichgeschlechtliche Liebe. "Vincent kriegt keinen hoch, wenn er an Mädchen denkt", lautet der Anfang des Liedes und diese Zeile ist für manche ein Stein des Anstoßes. Es gibt Radiochefs, die das Lied gar nicht spielen. Aber sehen die Radiohörer die Liedzeile genauso eng?

Marc Peratoner hat Passanten befragt und alle reagierten positiv auf den Text. Auch der Pfarrer der evangelisch-lutherischen Katharina von Bora Kirche in Coburg, Detlev Juranek. Er ist selbst mit einem Mann verheiratet und findet die Liedzeile nicht anrüchig, hat sich aber im ersten Moment schon gefragt: Muss ich so in das Lied einsteigen?  Dann kam er zu dem Schluss:

"Ein Pfarrer, der Predigten schreibt, schaut auch, dass er eine gute erste Zeile hinkriegt. Die hat Sarah Connor sicher so gewählt, um Aufmerksamkeit auf das Lied zu lenken."

Und das sei ihr gutes Recht, meint der Pfarrer. Denn das Thema Homosexualität ist noch längst nicht durch, wie die Reaktionen auf den Song zeigen. Deshalb sei die Botschaft der Liebe in "Vincent" so wichtig. Juranek glaubt, dass das Lied Jugendlichen helfen könne, die sich gerade in der sexuellen Orientierungsphase befinden.

Auch wenn die theologischen Meinungen zum Thema Homosexualität unterschiedlich sind, solle doch immer mit Respekt und Liebe mit dem Thema umgegangen werden, so der Pfarrer. Das Video zu Sarah Connors Song ist in einer Kirche gedreht und zeigt, wie deren Rolle sein könnte. Besonders schön findet Juranek, dass das Lied positiv endet: Vincent findet einen Mann, die beiden heiraten und bringen ihre Kinder zur Taufe in die Kirche. Ein gutes Beispiel, findet Juranek:

"Das ist das, was viele Jahre gefehlt hat, dass die Kirche Schwule und Lesben tatsächlich annimmt als die, die sie sind und dass es Menschen gibt, die das vorleben."

CD-Tipp

Das neue Album von Sarah Connor

Sarah Connor: HERZ KRAFT WERKE

ShareFacebookTwitterGoogle+Share

Weitere Artikel zum Thema:

Frühjahrssynode 2018

Regenbogen Kirche Berge
Eine Arbeitsgruppe innerhalb der bayerischen evangelischen Landeskirche hat in den vergangenen Monaten über mögliche Segnungen von gleichgeschlechtlichen Paaren beraten. Herausgekommen ist ein Abschlussbericht, der nun der Landessynode bei ihrer Frühjahrstagung in Schwabach (15. bis 19. April) zum Beschluss vorliegt. Der Leiter der Arbeitsgruppe, Oberkirchenrat Michael Martin, erläutert im Gespräch die Details.
efa