15.04.2021
Spargel-Zeit

Gewerkschaft: Infektionsschutz bei Spargel-Ernte problematisch

Die Spargel Saison beginnt. Und damit kommen auch Spargelstecher aus anderen Ländern. Infektionsschutz bleibt optional.

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) fordert von den bayerischen Landwirten, den Corona-Infektionsschutz für Saisonarbeiter strikt einzuhalten. Sofern sich die Spargelbauern an die Vorgaben der Berufsgenossenschaft hielten, "werden die Betriebe nicht zu Corona-Hotspots", sagte IG-BAU-Regionalleiter Hans Beer aus Nürnberg dem Sonntagsblatt.

Mit Blick auf die an diesem Montag offiziell begonnenen Spargelsaison im Freistaat rief er die Verbraucher dazu auf, das Edelgemüse möglichst beim "Bauern des Vertrauens" zu kaufen.

Gewerkschafter Beer sagte, die größte Gefahr einer möglichen Corona-Ansteckung sei nicht die Feldarbeit, sondern die Art der Unterbringung. Noch immer sei bei Saisonkräften, die vor allem aus Osteuropa oder dem Baltikum nach Deutschland kommen, die Unterbringung das Hauptproblem.

Vierbettzimmer seien "keine Seltenheit", da könne man "den Infektionsschutz vergessen". Die Wohncontainer oder Pensions-Zimmer seien in der Regel nicht mit Luftfiltern oder Lüftungsanlagen ausgestattet: "Deswegen fordere ich die Landwirte zu einer hochwertigeren Unterbringung auf."

Infektionsschutz- zu teuer?

Das Problem sei, dass viele Corona-Infektionsschutzvorgaben nur Soll-Vorgaben sind und keine Verpflichtung. "Da steht meistens: 'sofern es möglich ist' - das lädt natürlich als Unternehmer dazu ein, es nicht zu tun", sagte Beer.

Ein verbesserter Infektionsschutz koste zwar Geld und mache damit auch das edle Stangengemüse teurer: "Aber ich bin überzeugt, dass die Verbraucher nach einem Jahr Pandemie-Erfahrung bereit sind, das mitzutragen." Spargel aus Bayern könne mit günstiger Discounter-Ware aus Portugal, Spanien oder der Türkei preislich ohnehin nicht mithalten.

"Am besten ist es, den Spargel beim Landwirt selbst zu kaufen - oder den Erzeuger-Betrieb zumindest zu kennen", sagte Beer. Ein Gütezeichen für "fair gestochenen" Spargel gebe es leider nicht.

"Letztlich liegt vieles in den Händen der Landwirte - und damit in den Händen der Verbraucher", erläuterte Beer. Wer die Betriebe kenne, könne womöglich besser als beim "blinden Einkauf" im Supermarkt abschätzen, ob der gesetzliche Mindestlohn von 9,50 Euro gezahlt wird, oder ob er mit Kost und Logis verrechnet wird: "Im Zweifel bleiben so oft nur fünf Euro pro Stunde brutto."

Im vergangenen Jahr wurden in Bayern 15.358 Tonnen Spargel gestochen - wegen der Corona-Pandemie war dies rund ein Drittel weniger als noch 2019. Grund dafür waren laut den Statistikern die fehlenden Erntehelfer.

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