27.02.2017
Diskussion gegen Rechts

Handwerkszeug gegen Stammtischparolen vermitteln

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Das gilt auch bei Ängsten und Vorurteilen. Damit Jugendliche lernen, wie sie selbst und alternativ denken und kritisch hinschauen können, bietet die Evangelische Landjugend Seminare an.
Jürgen Kricke, ELJ-Jugendbildungsreferent

Drei Fragen an: ELJ-Jugendbildungsreferent Diakon Jürgen Kricke zur Tagung "Mythos Integration?"

Die Evangelische Landjugend (ELJ) in Bayern organisiert am ersten März-Wochenende in der Jugendbildungsstätte Unterfranken Würzburg eine Tagung zum Thema "Mythos Integration?". Dort soll die wichtige Rolle der Jugendverbände bei der Integration gerade im ländlichen Raum herausgestellt, vor allem aber die Teilnehmer für den Umgang mit dem immer stärkeren Gegenwind aus der rechten und populistischen Ecke gestärkt werden. So wird es etwa ein Argumentationstraining als Workshop geben, um sich gegen populistisch-extremistische Parolen zu wehren, sagt ELJ-Jugendbildungsreferent Diakon Jürgen Kricke.

epd: Herr Kricke, welche Rolle spielt die Arbeit von Jugendverbänden bei der Integration geflüchteter Jugendlicher und junger Erwachsener?

Kricke: Die Jugendarbeit bietet erstmal Freiräume für junge Menschen, um sich über Ängste und Vorurteile auszutauschen. Zudem fördert sie kritisches Hinschauen und alternatives Denken. In der Jugendarbeit sehen wir die Chance, dass sich unterschiedliche Menschen gegenseitig begegnen und ein vielfältiges Miteinander gestalten können - so, dass aus Fremden Freunde werden. Es geht um ein gelingendes Miteinander und nicht, wie leider oft in der aktuelle Debatte zu hören, darum, dass sich die zu uns Geflüchteten gefälligst anzupassen haben. Das ist eine ziemlich negative Sichtweise auf "Integration", ganz nach dem Motto: "Solange Du Deine Füße unter meinen Tisch stellst..."

epd: Bei Ihrer Tagung geht es auch um Anfeindungen von Rechts gegen engagierte Leute. Wie wollen Sie Jugendliche ermutigen und stärken?

Kricke: Durch Kurzvorträge blicken die Teilnehmer auf verschiedene Aspekte, wie Jugendarbeit zu einem gelingenden Miteinander beitragen kann. Diese Impulse werden in Workshops vertieft: Neben Beispielen aus der Praxis geben die Workshops dann Denkanstöße und vermitteln Handwerkszeug, wie man zum Beispiel dumpfen Stammtischparolen oder Anfeindungen begegnet. Die kontinuierliche Begleitung junger Menschen ist uns besonders wichtig, daher haben wir das Angebot "Lieferservice: Denkanstoß" entwickelt. Im Internet unter www.plurability.de kann man einen Gruppenabend, Vorträge oder Argumentationstrainings gegen solche Parolen buchen.

epd: Hat sich Ihrer Meinung nach das gesellschaftliche Klima, das Miteinander verändert? Und welchen Einfluss hat die Politik darauf?

Kricke: Gerade in Bayern wurde und wird vorbildlich gehandelt: Hand in Hand haben Politik, Kirchen, Wirtschaft und die Wohlfahrtsverbände zusammen gehalten. Unzählige Ehren- und Hauptamtliche engagieren sich nach wie vor in der Integration schutzsuchender Menschen. Ich verstehe nicht, warum das jetzt schlechtgeredet und Ängste geschürt werden. Meines Erachtens verändert sich die Situation - aber nicht, weil Geflüchtete zu uns kommen, sondern weil einige glauben, auf komplexe Fragen einfachste Antworten über Schuldzuschreibungen geben zu können. Zudem bedienen sich viele Politiker einer Rhetorik, die Klischees und Stereotype unterstützt. Da wünsche ich mir mehr Sensibilität und gemeinsame Zukunftsgestaltung.

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