30.05.2017
Ehrenamt

Kindertafel in Würzburg sorgt für gesundes Frühstück

Die Tafeln kennt jeder, ob er ihre Hilfe benötigt oder nicht. Von Kindertafeln haben bislang aber die wenigsten gehört. Dabei ist ihre Arbeit genauso wichtig. Sie versorgen Kinder und Jugendliche mit gesundem Frühstück. Denn nicht nur Kinder aus sozial schwachen oder ärmeren Familien kommen ohne Stulle in Kindergärten und Schulen.
Ehrenamtliche bereiten bei der Würzburger Kindertafel gesunde Pausenbrote für Kindergartenkinder und Schüler zu.
Ehrenamtliche bereiten bei der Würzburger Kindertafel gesunde Pausenbrote für Kindergartenkinder und Schüler zu.

Es ist früh am Morgen, ein kleines ehemaliges Ladenlokal im Würzburger Stadtteil Grombühl, unweit der Unikliniken. Drei Frauen und zwei Männer mit Plastikschürzen stehen um einen Tisch und belegen im Akkord Brote. Es wird geratscht, gelacht - und vor allem fleißig geschmiert. Um die 200 Pausenbrote werden sie heute machen, für Kinder und Jugendliche, die sie nicht mal beim Namen kennen. Das Quintett arbeitet ehrenamtlich bei der Würzburger Kindertafel, einem Verein, der Kinder und Jugendliche in Kindergärten und Schulen mit einem gesunden Frühstück versorgt. Das besteht immer aus einer Stulle, einem Stück Obst und einem Getränk.

»Das hier ist wirklich eine gute Sache!«

»Zwo, vier, sechs, acht, zehn, fertig«, sagt Viktor Lang und schließt die kleine blaue Box, die er für einen Caritas-Kindergarten gepackt hat. Am Tisch klappern Simone Weber-Kachel und Claudia Gawlik mit Messern in kleinen Brotaufstrich-Gläschen. »Heute gibt's vegetarisch«, sagt Claudia Gawlik, die fast seit Gründung der Würzburger Kindertafel vor mehr als fünf Jahren mit dabei ist. Flink werden jeweils zwei Vollkornbrot-Hälften beschmiert, zwei Scheiben Karotte und ein Salatblättchen drauf gelegt. Zusammenklappen, Eintüten, fertig. »Ich wollte mich schon immer sozial engagieren«, sagt Gawlik: »Und das hier ist wirklich eine gute Sache.«

Nachdem die Brote geschmiert sind, werden sie zusammen mit Obst und Getränken in Kisten gepackt. Jede belieferte Einrichtung erhält die Pausensnacks gesammelt und verteilt das Essen selbst weiter. Die Ehrenamtlichen wissen nicht, wer die Pausenbrote bekommt.
Nachdem die Brote geschmiert sind, werden sie zusammen mit Obst und Getränken in Kisten gepackt. Jede belieferte Einrichtung erhält die Pausensnacks gesammelt und verteilt das Essen selbst weiter. Die Ehrenamtlichen wissen nicht, wer die Pausenbrote bekommt.

Das Arbeitsprinzip der Kindertafel Würzburg ist bayern- und bundesweit ein seltenes. Nur die Kindertafeln im benachbarten Schweinfurt und die im thüringischen Suhl arbeiten noch so. Die gesunden Pausenbrote kann sich kein Kind selbst ordern - das liegt in der Hand der Erzieher und der Lehrer. Sehen die Pädagogen, dass ein Kind regelmäßig ohne oder nur mit ungesundem, zu zuckerhaltigem Frühstück in die Einrichtung kommt, können sie sich bei der Kindertafel melden und dort Brote bestellen. Die Kindertafel-Mitarbeiter wissen nicht, wer die Brote bekommt, alles läuft anonym. Sie liefern nur die Kisten ab, die Verteilung passiert vor Ort.

Gesunde Pausenbrote für alle, nicht nur für Bedürftige

»Wir richten uns ausdrücklich nicht nur an sozial schwache, arme Kinder und Familien«, sagt die Kindertafel-Mitbegründerin Ute Kremen. Denn für die Leistungsfähigkeit und Aufmerksamkeit eines Kindergartenkindes und Schülers ist es ganz egal, ob Mama und Papa kein Geld für ordentliches Frühstück haben, oder ob sie sich einfach nicht darum kümmern. »Ganz überspitzt gesagt: Was nützen dem Erstklässler steinreiche Eltern, wenn sie ihn mit Geld abspeisen«, fragt Kremen. Kinder kaufen sich in so einem Fall eben kein gesundes Körnerbrot mit Käse, sondern etwas mit zu viel Zucker oder Fett: »Mit so etwas im Bauch kann man nicht gut lernen.«

Die ehrenamtliche Mitarbeiterin Claudia Gawlik belädt den kleinen Kastenwagen der Kindertafel mit den Kisten für ihre Tour.
Die ehrenamtliche Mitarbeiterin Claudia Gawlik belädt den kleinen Kastenwagen der Kindertafel mit den Kisten für ihre Tour.

Inzwischen ist es 7.45 Uhr, Claudia Gawlik hat den kleinen Kastenwagen der Kindertafel mit den Kisten für ihre Tour beladen. »Heut' bin ich spät dran«, sagt sie. Normalerweise fährt sie um 7.30 Uhr los, damit alle acht Einrichtungen auf ihrer Route das Frühstück pünktlich zur Pause haben. »Es hat Brot gefehlt«, es wurde nicht die bestellte Menge geliefert. Mal wieder. »Da mussten wir schnell noch einkaufen.« Das unterscheidet die Kindertafel vom großen »Bruder«, der Tafel, mit dem sie organisatorisch nichts verbindet: Sie nehmen nur sehr selten Lebensmittelspenden an, sie kaufen selbst ein, alles wird über private Geldspenden finanziert.

»Ein paar mehr Helfer wären schon schön«

Die Fahrt durch die Würzburger Stadtteile ist eng getaktet. Raus aus dem Auto, volle Kisten in die Schulen und Kindergärten schleppen, meist anonym irgendwo abstellen, leere Kiste vom Vortrag mitnehmen, weiter. Während zwei Fahrer alle Einrichtungen beliefern, machen die übrigen Helfer die Küche sauber, packen schon mal Getränke und Obst für den folgenden Tag in die Kisten. Um die 20 Ehrenamtliche arbeiten mit, dazu stellen mehrere Würzburger Firmen einen Tag in der Woche einige ihrer Mitarbeiter für den Verein ab. Tag für Tag werden fünf Brotschmierer und zwei Ausfahrer benötigt, dazu Einkauf, Verwaltung und so weiter.

Claudia Gawlik trägt eine Kiste mit Pausensnacks in eine Würzburger Schule. Die Kisten werden anonym abgestellt, verteilt wird der Inhalt von einer Vertrauensperson in den Einrichtungen.
Claudia Gawlik trägt eine Kiste mit Pausensnacks in eine Würzburger Schule. Die Kisten werden anonym abgestellt, verteilt wird der Inhalt von einer Vertrauensperson in den Einrichtungen.

»Ein paar mehr Helfer wären schon schön«, sagt deshalb Kindertafel-Vorsitzende Ute Kremen. Denn momentan werden nur Kindergärten und Schulen im Stadtgebiet beliefert, Anfragen aus dem Umland aber gebe es zuhauf. »Das können wir derzeit aber einfach nicht stemmen«, betont sie. Die belieferten Kinder und Jugendlichen jedenfalls sind begeistert von dem, was sie schultäglich als Pausensnack geliefert bekommen. »Ich kenne Kinder, die wollen ihre von den Eltern geschmierten Brote mit den Kindertafel-Snacks tauschen, weil sie die so lecker finden«, erzählt eine Lehrerin schmunzelnd: »Das kann man ja auch als Ansporn verstehen!«

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