11.12.2019
Advent

Nürnberger Christkind Benigna Munsi besucht Kita mit Kindern aus 27 Nationen

Bist du echt? Oder: kannst du fliegen? - das wird das Nürnberger Christkind von Kindern oft gefragt. Aber selten passiert es ihm, dass es gar nicht erkannt wird.
Nürnberger Christkind Benigna Munsi in der Kita
Das Nürnberger Christkind besucht die Kinder aus 27 Nationen in der evangelischen Kita.

"Bist du ein König?", "eine Königin", "ein Engel!" die rund 60 Buben und Mädchen raten wild durcheinander. Das in Gold gekleidete Wesen mit den goldenen gelockten Haaren und der großen Krone auf dem Kopf, das vor dem Fenster auf einem Stuhl Platz genommen hat, hat sie gerade gefragt:

"Wisst ihr denn, wer ich bin?" Leise sagt nun doch ein Mädchen mit einem rosa Pullover: "Das Christkind."

In der Kindertagesstätte "Spatzennest" im Nürnberger Süden kommen die Eltern der Kinder aus 27 verschiedenen Nationen, 90 Prozent haben einen Migrationshintergrund. In vielen Familien sei die christliche Weihnachtsgeschichte unbekannt, sagt Leiterin Katrin Fröhlich. Zu Hause wird arabisch, russisch oder Farsi gesprochen. Viele der Kinder kommen aus Flüchtlingsfamilien. In der Kita gibt es mit Anna Polifka eine eigene Kraft, die speziell für Fragen der Integration in dem Multi-Kulti-Kindergarten zuständig ist und die Eltern in lebenspraktischen Fragen berät.

In der evangelischen Kita sprechen die Erzieherinnen mit den Kleinen zwar ab und zu über deren Religionen, gebastelt und gefeiert wird aber zu den christlichen Festen, Ostern, Erntedank und Weihnachten.

Vor vier Jahren hat sich das "Spatzennest", das in Trägerschaft von Diakoneo (früher Diakonie Neuendettelsau) ist, für einen Christkindbesuch beworben. Im November diesen Jahres erhielt es den Termin. Damals war das neue Christkind Benigna Munsi noch nicht gewählt. "Ich war gleich für sie, als ich ihr Bild in der Zeitung sah", erklärt die Kindertagesstättenleiterin. "Sie spiegelt die kulturelle Vielfalt in unserer Stadt wider." Die Stadt Nürnberg setze mit Benigna Munsi, die Kind eines indischstämmigen Vaters und einer deutschen Mutter ist, ein Zeichen, findet Fröhlich. Jetzt passt es der Kindertagesstättenleiterin natürlich umso mehr, dass ihr Spatzennest die Ehre des Christkind-Besuchs hat.

Die Erzieherinnen haben an diesem Montagmorgen dafür gesorgt, dass die Kinder auf ihren bunten Sitzkissen Platz nehmen. Die Weihnachtssterne kleben an den Fenstern, goldene Girlanden schmücken den Raum, die Lichterkette wird noch rasch drapiert und angeschaltet - da steht der kleine weiße "Nürnberger-Christkind-Bus" schon überpünktlich vor der Tür.

Mit ihrem strahlenden Lächeln geht Benigna Munsi auf die Kindergarten-Chefin zu und schwebt dann schnell zu den Kindern in den ersten Stock.

Sie schlägt das Goldene Buch auf und liest die Geschichte vom Prinzen mit den drei Frühstückseiern. Als sie merkt, dass ein paar von den sehr Kleinen die Geschichte vom gerechten Teilen nicht so ganz mitkommen, improvisiert sie, erzählt von Matsche-Hosen und schmutzigen Tischdecken.

"Möchtet ihr mal die Flügel des Christkinds anfassen" - ja wollen sie alle, die kleinen und die großen Buben und Mädchen und sie haben Fragen: Die erste ist gleich kritisch: "Bist du echt?" und Viktoria will wissen, warum das Christkind nur nachts fliegt (weil sonst die Menschen nach oben gucken und stolpern würden).

Die vierjährige Emma fragt, ob das Christkind denn selbst ein Christkind-Kind hätte? Benigna schmunzelt.

Dass die Kinder nicht gleich wussten, welcher Besuch da hereinkommt, habe sie nicht überrascht, sagt sie. Darauf sei sie vorbereitet. Sie packt die gemalten Wunschzettel der Kinder ein, singt passend mit den Kleinen das mehrsprachige Weihnachtslied "Feliz navidad" - dann entschwindet das Christkind in die nächste Kita.

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