18.01.2018
Menschen

Nur zwei Katholiken im höchsten Amt: Die zehn bisherigen Bundespräsidenten im Überblick

Von den bisher zehn Amtsinhabern waren bis auf Heinrich Lübke und Christian Wulff alle evangelisch.
Joachim Gauck
Archivbild von 2011

Schloss Bellevue war über vier Jahrzehnte ein Erbhof der Protestanten. Theodor Heuss (FDP) war der erste Bundespräsident. Als Konrad Adenauer 1949 vorschlug, ihn zum Bundespräsidenten zu machen, gab man zu bedenken, dass "Professor Heuss nicht kirchenfreundlich eingestellt" sei. Adenauer war das egal, er erwiderte: "Aber er hat eine sehr fromme Frau...das genügt."

Heinrich Lübke (1959-1969), katholisch

Heinrich Lübke (CDU) bezeichnete sich selbst bescheiden als "wenig geeignet" für das Amt. Politisch war die Amtszeit Lübkes geprägt durch sein Engagement für die Entwicklungshilfe. Er besuchte 35 Staaten, vor allem in der Dritten Welt.

Gustav Heinemann (1969-1974), evangelisch

Gustav Heinemann (SPD) war Mitglied der Bekennenden Kirche und wirkte im Mai 1934 an der Barmer Erklärung mit. Nach dem Krieg war er im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland und formulierte im Oktober 1945 an der Stuttgarter Schulderklärung mit. 1949 wurde Heinemann zum Präses der ersten EKD-Synode gewählt.

Walter Scheel (1974-1979), evangelisch

Walter Scheel (FDP) war nicht in kirchlichen Ämtern aktiv. Mit Willy Brandt begründete er die Ostpolitik, die die Aussöhnung mit Polen und der Sowjetunion zur Folge hatte.

Karl Carstens (1979-1984), evangelisch

Karl Carstens war ein Vertreter des konservativen CDU-Flügels. Er bekannte sich öffentlich zu seinem Glauben an Jesus Christus und beklagte den Verfall der Werte und der Moral.

Richard von Weizsäcker (1984-1994), evangelisch

Richard von Weizsäcker (CDU) war zwei Mal Kirchentagspräsident und Mitglied im Rat der EKD. Als Bundespräsident setzte er in seiner Rede zum 40. Jahrestag der Kapitulation vom 8. Mai 1945 ein Zeichen.

Roman Herzog (1994-1999), evangelisch

Roman Herzog (CDU) war Mitglied der EKD-Synode und übernahm den Vorsitz der Kammer für öffentliche Verantwortung. Als Bundesvorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU sorgte er dafür, dass evangelische Positionen in die Politik eingespeist wurden.

Johannes Rau (1999-2004), evangelisch

Johannes Rau wurde in Anspielung auf seine Bibelfestigkeit oft als "Bruder Johannes" tituliert. Ein halbes Menschenleben war er berufenes Mitglied der rheinischen Landssynode. Er war Kirchentagspräsident.

Horst Köhler (2004-2010), evangelisch

Horst Köhler nannte bei der EKD-Synode in Würzburg 2006 die evangelische Kirche seine "geistige und geistliche Heimat". "Ich fühle mich hier bei Ihnen also ein bisschen wie zu Hause", bekannte er.

Christian Wulff (2010-2012), katholisch

Christian Wulff war der zweite Katholik im höchsten Staatsamt. Einige Unionsvertreter bewerteten seine Kandidatur als Triumph über die ihrer Ansicht nach bestehende protestantische Dominanz in der Partei. "Der selbstbewusste Katholik Wulff könnte sich als gute Ergänzung zur protestantischen Pfarrerstochter Merkel erweisen", sagte der Sprecher des "Arbeitskreises Engagierter Katholiken in der CDU", Martin Lohmann.

Joachim Gauck (2012-2017), evangelisch

Frank-Walter Steinmeier (seit 2017), evangelisch

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