26.09.2019
Kirche auf dem Rummel

Seelsorge im Riesenrad: Mit dem Pfarrer auf dem Volksfest

Auf dem Oktoberfest in München und auf dem Herbstplärrer in Augsburg: Überall drehen in diesen Wochen Riesenräder ihre Runden. Auf der Kerwa in Gunzenhausen hat die Kirche das Fahrgeschäft für eine besondere Seelsorge-Aktion genutzt.
Mit dem Pfarrer Riesenrad fahren und dabei über große und kleine Sorgen sprechen: Mit diesem Konzept war die evangelische Kirche 2019 auf der Gunzenhäuser Kerwa vertreten. Hier zu sehen: Pfarrer Klaus Bergmann (rechts) im Gespräch mit einem Fahrgast. Wie Dekan Klaus Mendel die Begegnungen zwischen Himmel und Erde erlebt hat, hat er unserem Reporter Mathias Neigenfind im Audio-Beitrag geschildert.

Einmal mit dem Pfarrer abheben - auf der Gunzenhäuser Kirchweih war das in diesem Jahr kein Problem: Die evangelische Kirche hatte Gondeln im "Kerwa"-Riesenrad reserviert und jeden zum Gespräch eingeladen. Bis zu drei Runden durften die Besucher zu einer Pfarrerin oder einem Pfarrer kostenlos in die Gondel steigen und dort miteinander ins Gespräch kommen, sagt Mit-Organisatorin Pfarrerin Conny Schieder.

Die Idee war, etwas zu erzählen, was einem schwer auf der Seele liegt - und erleichtert wieder auszusteigen. Eine Runde dauert zwei Minuten. Ihr Pfarrerskollege Benedikt Wolff hatte Ähnliches 2017 beim Reformationsjubiläum in Wittenberg gesehen. 

Warum sich die Kirche auf der Gunzenhäuser Kirchweih engagiert

Auch Dekan Klaus Mendel beteiligte sich an der Aktion. Neuland war die Arbeit auf der "Kerwa" für das Gunzenhäuser Pfarrkapitel allerdings nicht. Schon vergangenes Jahr hatten sie auf der Autoskooter-Fläche zum Gottesdienst eingeladen. 

"Wir sind bei der Kirchweih dabei , wir sind beim Umzug dabei und wenn Menschen sehen, dass Christen fröhlich sein können, dass sie rausgehen, dass sie sich nicht nur hinter den sogenannten Kirchenmauern verschanzen, dann ist das was Gutes, was Herrliches"

meint Dekan Klaus Mendel. Dieses Jahr saß er in der Gondel. Nach gut zwei Stunden und 60 Runden hatte er immer noch keinen Drehwurm, jedoch viele interessante Gespräche geführt. Er war begeistert von der Aktion und freute sich über die spannenden Begegnungen: "Menschen aus der eigenen Gemeinde sind gekommen, weil sie einem etwas ganz Persönliches mitteilen wollten oder eine Anregung hatten. Aber auch Touristen zum Beispiel. Und Menschen, die aus Versehen in diese Gondel eingestiegen sind, aber auch da gab es ganz tolle Gespräche."

Zusammenarbeit mit Schaustellern

Susanne Spitzbart ist zu ihm in die Gondel gestiegen und fand es super, dass die Kirche auf den Rummel gekommen ist: "Weil ich selbst so gerne auf den Rummel gehe. Also ich glaube eben, dass es einen Gott gibt und es muss einem auch immer bewusst sein, er wohnt nicht nur in der Kirche, Tür zu.  Er ist auch überall gegenwärtig.“

Ohne die gute Zusammenarbeit mit den Schaustellern wären die Aktion "nicht denkbar", gewesen, betont Pfarrerin Schieder und bedankt sich ausdrücklich für die Gastfreundschaft.

"Wir als Kirche können ja nicht immer nur darauf warten, dass die Leute zu uns kommen - wir müssen zu ihnen gehen"

erläuterte die evangelische Theologin. Und auf der Kerwa, dem Plärrer oder der Wiesn, da sind die Menschen.

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efa