1.05.2020
Gesetzliche Feiertage

Warum ist der 1. Mai ein Feiertag?

Der 1. Mai ist einer von neun gesetzlichen Feiertagen, die in allen deutschen Bundesländern gelten. Aber was ist sein Hintergrund? Für welche Anliegen gehen die Menschen am "Tag der Arbeit" auf die Straße? Und: Was hat der Maibaum damit zu tun?
1. Mai Maifeiertag

Wo ist der 1. Mai ein Feiertag?

In Deutschland ist der 1. Mai einer von neun bundesweit gesetzlichen Feiertagen. Die anderen gesetzlichen Feiertage sind Neujahr, Karfreitag, Ostermontag, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, der Tag der deutschen Einheit und die beiden Weihnachtsfeiertage.

Warum ist der 1. Mai ein Feiertag?

Am 1. Mai 1886 begannen rund 400.000 US-Amerikaner zu streiken. Ihre Forderung: Ein vertraglich geregelter Acht- statt Zehn-Stunden-Tag. Danach setzten Gewerkschaften für den 1. Mai 1890 die nächsten Kundgebungen an – diesmal nicht nur in den USA, sondern auch in Europa und mit ebenjenem Ziel eines Acht-Stunden-Tages im Deutschen Kaiserreich.

Obwohl den Streikenden dort Sanktionen angedroht wurden, gingen rund 100.000 Menschen auf die Straße. Noch im selben Jahr legte die Sozialdemokratische Partei (SPD) den 1. Mai als "Feiertag der Arbeiter" fest. Im Laufe der Geschichte erlebte der Tag aber noch viele Hochs und Tiefs.

Die Nationalsozialisten etwa feierten am 1. Mai 1933 den neuen "Tag der nationalen Arbeit" mit einem 16-stündigen Radio-Special. Live-Reportagen oder "Arbeiter- und Kampflieder der SA" waren zu hören. So ein Programm hatte es zuvor noch nicht gegeben.

Im Mittelpunkt standen die Live-Übertragungen von zwei Großveranstaltungen in Berlin: Morgens sprachen Joseph Goebbels und Reichspräsident Paul von Hindenburg im Lustgarten vor rund 120.000 Jugendlichen, abends redete Adolf Hitler vor mehr als einer Million Zuschauern auf dem Tempelhofer Feld. Modernste Lautsprecheranlagen verstärkten die Reden - und alle deutschen Radiosender übertrugen sie live.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ der alliierte Kontrollrat 1946 den 1. Mai als Feiertag zu. 1949 gründete sich schließlich der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), der seitdem jährlich ein Motto für den "Tag der Arbeit" festlegt. 2020 lautet es #SolidarischNichtAlleine. Aufgrund der Corona-Pandemie finden die Kundgebungen im digitalen Raum statt.

Welche Traditionen gibt es am 1. Mai?

Am 1. Mai ist es für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Tradition, auf die Straße zu gehen, um bei Maikundgebungen auf Missstände des Berufslebens aufmerksam zu machen.

Der vor allem in Süddeutschland und Österreich verbreitete Brauch, am 1. Mai einen Maibaum an einem zentralen Platz im Ort aufzustellen und den Maibaum des Nachbardorfes zu klauen, um ihn dann mit einem Fest auslösen zu lassen, hat damit nichts zu tun.

Wofür und wogegen demonstrieren Menschen am 1. Mai?

Ur-Ziel der Maikundgebungen ist eine gerechtere Arbeitswelt. Jedes Jahr stellt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) den Tag der Arbeit aber auch unter ein Motto, um Missstände in der Sozialpolitik in den Mittelpunkt zu rücken. Politische Parteien verschiedener Couleur nutzen den Tag ebenfalls, um auf sich und ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Nicht selten kommt es dabei zu Krawallen.

Streiflichter der vergangenen Jahre:

2015...

...nahmen laut DGB rund 402.000 Menschen an den bundesweit mehr als 470 Veranstaltungen teil. Auf der zentralen Maikundgebung in Berlin unter dem Motto "Die Arbeit der Zukunft gestalten wir" forderte DGB-Chef Reiner Hoffmann mehr Wertschätzung für Arbeit und Arbeitnehmer. Er beklagte, dass sich Deutschland nach Lettland den größten Niedriglohnsektor in Europa leiste. Zugleich sei zu erleben, dass sich die Arbeitswelt der Zukunft durch Digitalisierung, Globalisierung und demografische Entwicklung rasant verändere.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft ver.di, Frank Bsirske, warb in Essen für eine Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe. Dabei sagte er, den Beschäftigten in Sozial- und Erziehungsberufen werde die überfällige Anerkennung häufig verweigert. Vor allem Erzieherinnen bräuchten eine bessere Bezahlung. Zugleich betonte Bsirske die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns als "historischen Erfolg für die Gewerkschaftsbewegung".

In Weimar wurde die DGB-Veranstaltung von einem Überfall Rechtsextremer überschattet, bei dem vier Menschen leicht verletzt wurden. Laut Polizei wurden 29 von etwa 50 Angreifern aus der rechten Szene festgenommen. In Worms hatten der DGB, die Evangelische Kirche von Hessen und Nassau und ein Bündnis gegen Naziaufmärsche zu einer Kundgebung gegen einen Aufmarsch der rechtsextremen NPD unter dem Motto "Worms steht auf für Menschlichkeit" aufgerufen.

In Dresden warnte IG-Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban vor einem Zusammenhang zwischen Sozialabbau und dem Erfolg von Rechtspopulisten. "Wer die ’Pegida’-Bewegung eindämmen will, der muss in den Sozialstaat investieren", erklärte er. Es gebe eine tiefe Unzufriedenheit vieler Menschen mit den sozialen Verhältnissen. Wer dem Rechtspopulismus den Nährboden entziehen wolle, müsse diese Verhältnisse ändern.

2016...

...riefen die Gewerkschaften unter dem Motto "Zeit für mehr Solidarität" zu mehr sozialem Zusammenhalt und zur Integration von Flüchtlingen auf. "Unsere Gesellschaft droht den sozialen Zusammenhalt zu verlieren", mahnte DGB-Chef Reiner Hoffmann auf der zentralen Kundgebung in Stuttgart. Das hätten auch die Rechtspopulisten erkannt, die das als Nährboden für ihr Programm der gesellschaftlichen Spaltung nutzten.

Hoffmann kritisierte vor allem die AfD, die nur wenige Kilometer entfernt auf dem Stuttgarter Messegelände ihren Parteitag abhielt. Was die Rechtspopulisten forderten, habe nichts zu tun mit sozialem Zusammenhalt und sozialer Gerechtigkeit oder fairer Globalisierung. Zudem warb Hoffmann für einen grundlegenden Kurswechsel in der Rentenpolitik. Zuallererst sei eine Stabilisierung des gesetzlichen Rentenniveaus nötig, langfristig müsse dieses deutlich erhöht werden.

Der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske sprach sich in Krefeld für eine Stabilisierung und Anhebung des Rentenniveaus auf mindestens 50 Prozent aus. Er bezeichnete die Riester-Rente als Fehlkonstruktion, die unter Berücksichtigung der bisherigen Ansprüche von Arbeitnehmern beendet werden müsse.

Kirchenvertreter sprachen sich für einen konsequenteren Schutz des Sonntags als Ruhetag aus. "Arbeit ist nicht das, was den Menschen zum Menschen macht. Damit wir das nicht vergessen, dazu gibt es einen Ruhetag", sagte der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung. Der hannoversche Landessozialpfarrer Michael Klatt sagte: "Ruhe ist nicht der Gegensatz zur Arbeit, sondern ihre notwendige Ergänzung."

Am Rande der Feiern in Berlin und Hamburg kam es zu Ausschreitungen. So hatte die NPD in Berlin ihre Anhänger zu drei Kundgebungen aufgerufen. In Hamburg griffen nach weitestgehend friedlichen Demonstrationen am Vorabend des 1. Mai etwa 50 Vermummte die Polizei an. Sie bewarfen die Einsatzkräfte "massiv mit Flaschen und Böllern".

2017...

...standen die Maikundgebungen unter dem Motto "Wir sind viele. Wir sind eins". Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) sprach sich bei der zentralen Kundgebung des DGB in Gelsenkirchen für eine Ausbildungsplatzgarantie aus, damit alle Jugendlichen einen Beruf erlernen könnten.

DGB-Chef Reiner Hoffmann warnte davor, sich von der aktuellen Lage auf dem Arbeitsmarkt blenden zu lassen. Auch wenn mit 32 Millionen Bürgern ein Höchststand an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten seit der deutschen Einheit erreicht sei, gebe es 2,5 Millionen Arbeitslose und sieben Millionen Menschen im Niedriglohnsektor mit weniger als 9,60 Euro Stundenlohn.

Er bezeichnete es als "Skandal", dass Frauen im Durchschnitt 20 Prozent weniger verdienten als Männer. Damit Frauen nach Teilzeit- wieder in Vollzeittätigkeit zurückzukehren könnten, sollten die entsprechenden gesetzlichen Voraussetzungen noch in dieser Legislaturperiode geschaffen werden, betonte Hoffmann. Zudem prangerte der DGB-Vorsitzende an, dass die Zahl der befristeten Arbeitsverträge auf Höchstniveau liege.

2018...

...beteiligten sich unter dem Motto "Solidarität, Vielfalt, Gerechtigkeit" bundesweit 340.000 Menschen an knapp 500 Maikundgebungen. Die Themen Rechtspopulismus, soziale Gerechtigkeit und Digitalisierung bestimmten den Tag.

Bei der zentralen Kundgebung in Nürnberg rief der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann zum Kampf gegen Rassismus und Nationalismus auf. Er sagte, wer Europa abschotte, Belegschaften spalte und Hautfarbe wichtiger finde als den Menschen, der schüre nur Angst. Zudem beklagte er, dass Beschäftigte im Jahr zuvor in Deutschland rund die Hälfte von 1,7 Milliarden Überstunden unbezahlt geleistet hätten.

Ver.di-Chef Frank Bsirske forderte in Braunschweig mehr staatliche Gelder für die Investitionen in bezahlbaren Wohnraum, Bildung und Erziehung sowie die Alterssicherung. Er kritisierte einen Trend zur Erosion bei Tarifbindungen. Immer mehr Unternehmen, wie etwa der US-Konzern Amazon, betrieben "eine schamlose Politik des Lohndumpings".

2019...

...stellten die Gewerkschaften die Europawahl am 26. Mai in den Mittelpunkt ihrer Kundgebungen, um sich für ein soziales und solidarisches Europa starkzumachen. Die Europäische Union sei "ein einzigartiges Friedensprojekt, das man gar nicht genug schätzen kann", erklärte DGB-Landesvorsitzende Anja Weber. Das Staatenbündnis stehe zugleich vor großen Herausforderungen, die durch Digitalisierung, Klimawandel und Migration verursacht würden.

Der Leipziger Historiker Dirk van Laak sprach sich dafür aus, den Tag der Arbeit als Feiertag abzuschaffen. Der Universitätsprofessor sagte, er halte den 1. Mai ebenso wie Begriffe wie Arbeiterklasse nicht mehr für zeitgemäß. Viele Menschen wollten sich politisch nur noch in der Mitte verorten. Nur die wenigsten hätten Lust, auf die Straße zu gehen.

Widerspruch kam von den Gewerkschaften: Der 1. Mai sei ein wichtiger Tag, um Arbeits- und Lebensbedingungen von arbeitenden Menschen in die Öffentlichkeit zu bringen.

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