12.12.2018
Wirtschaft

Wirtschaft ist Care: Wie wir die Wirtschaft verändern können

Für alle, die die Wirtschaft verändern möchten.
Wirtschaft ist Care
Magazin "Wirtschaft ist Care" mit Postkartenserie zum Thema.

Ein radikales Umdenken in der Ökonomie und eine Aufwertung der unbezahlten Arbeit in der Familie oder Pflege fordert die Theologin Ina Praetorius. Im Zentrum der Wirtschaft müsse statt wie bisher der "erwachsene, wohlversorgte Mann" in Zukunft die "Fürsorgeabhängigkeit" aller Menschen stehen, wie beispielsweise das Kleinkind, sagte die Schweizer Theologin, Mitbegründerin des Vereins "Wirtschaft ist Care" im exklusiven Sonntagsblatt-Interview (es kann hier in voller Länge nachgelesen werden). Deshalb sollten in der neuen ökonomischen Ausrichtung die Entscheidungen in allen Bereichen der Wirtschaft, von Autoindustrie bis hin zu Waffenexporten, daran gemessen werden, welche Auswirkungen sie für Kleinkinder haben.

In einem grundsätzlich neuen Wirtschaftssystem muss die unbezahlte Arbeit oder schlecht bezahlte Vergütung für soziale Dienstleistungen einen entscheidenden Stellenwert bekommen, fordert die Theologin, die vom Frauenmagazin "Edition F" zu den 25 Frauen gezählt wurde, die die Wirtschaft revolutionieren. Denn es sei die unbezahlte Arbeit, insbesondere in der Familie und im Pflegebereich, die den Menschen "wirklich nützt".

In diesem "Care-Sektor" gebe es aber auch viele Jobs, die von Männern erledigt werden, etwa bei Auslieferungs-Diensten oder der Müllabfuhr. Der eigentlich Skandal dabei sei, dass genau diese Jobs schlecht vergütet werden, obwohl ohne sie das Gemeinwesen nicht funktionieren könnte.

Zur Aufwertung dieser unbezahlten Arbeit führt nach Überzeugung der Theologin auch nicht die Einführung eines Grundeinkommens. Denn das Grundeinkommen sei zwar ein großer Schritt für ein Absicherung aller Menschen, vor allem auch im Alter. Allerdings sei es bedingungslos und keine Honorierung von besonderer Leistung. Über die Absicherung der Existenz hinaus seien deshalb spezielle infrastrukturelle Maßnahmen für "Care-Arbeitende" nötig, wie etwa eine kostenlose Nutzung des öffentlichen Verkehrs oder der verbesserte Zutritt zum Bildungssystem.

Theologin Ina Praetorius spricht über die Initiative "Wirtschaft is Care"
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