26.04.2018
Hass gegen Juden

Woher kommt der neue Antisemitismus?

In Deutschland werden in jüngster Zeit wieder Menschen angegriffen, weil sie Juden sind und eine Kippa tragen. Das beunruhigt Politiker, den Zentralrat der Juden und die jüdischen Gemeinden auch in Bayern. Woher kommt dieser "neue Antisemitismus"? Was können wir dagegen tun? Und wie fühlen sich die bayerischen Juden?
Neuer Antisemtismus- was kann man dagegen tun?

 

Übergriffe gegen Juden in Deutschland machen seit Wochen verstärkt Schlagzeilen. Schüler werden wegen ihrer jüdischen Religionszugehörigkeit beschimpft. In Berlin wurde ein junger (übrigens arabischer) Israeli angegriffen, weil er eine Kippa trug. Die Rapper Farid Bang und Kollegah wurden für einen als judenfeindlich kritisierten Song mit dem Musikpreis Echo ausgezeichnet.

Woher kommt diese neue Judenfeindlichkeit? Angela Merkel spricht von einer neuen Form des Antisemitismus, der von Flüchtlingen oder Menschen arabischen Ursprungs nach Deutschland gebracht wird. Doch Antisemitismus gab es in Deutschland schon immer - nicht umsonst stehen alle jüdischen Einrichtungen unter Polizeischutz.

Solidaritätsaktion mit Juden in Deutschland

Viele Menschen zeigen nun ihre Solidariät mit den Juden in unserem Land, so wie gestern in Berlin bei der Aktion "Berlin trägt Kippa". Auch in Erfurt, Köln und Magdeburg  gab es Kundgebungen,  bei denen die Teilnehmer die traditionelle jüdische Kopfbedeckung aufsetzten. Eigentlich wäre "trotzig bekennen" der richtige Weg, sagte Josef Schuster,  Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland. Er lobt die Aktionen, dennoch rät er ab, in Großstädten eine Kippa zu tragen.

Ein weiteres Zeichen gegen den Antisemitismus setzte der Bundesverband der Musikindustrie: Er kündigte an, den renommiertesten deutschen Musikpreis abzuschaffen, nachdem in diesem Jahr zwei Musiker ausgezeichnet worden wurden, deren gemeinsamen Album antisemitische Texte zu hören sind.

Doch die Ängste bleiben. Wie wird der neue und der alte, der islamistische und der rechtsextreme Antisemitimus in den Griff zu bekommen sein und wann wird jüdisches Leben in Deutschland endlich sicher und selbstverständlich sein?

 

 

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Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm
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efa