26.06.2020
Kultur

Mosaik aus Lebensgeschichten: Ausstellung in Fürth zeigt persönliche Schätze und die Geschichten dahinter

Ein altes Kochbuch, eine Muschel, ein alter Koffer - Dinge können Geschichten erzählen. Eine Ausstellung in Fürth zeigt, dass diese Dinge dadurch zu echten Schätzen werden.
Pfarrerin Irene Stooß-Heinzel
Pfarrerin Irene Stooß-Heinzel aus der Auferstehungskirche im Fürther Stadtpark zeigt Fotos persönlicher Gegenstände

Der Sessel von Oma, die Muschel vom ersten Strandurlaub mit der späteren Gattin, das Hufeisen des geliebten Pferdes aus der Jugend - solche ideellen Schätze hat jeder Mensch bei sich zu Hause und nur er kennt den wahren Wert davon. Die Geschichte über einen solchen Schatz erzählt auch etwas von einem selbst.

In der Ausstellung "Schätze, die Geschichten schreiben", die am 21. Juni in der Auferstehungskirche im Fürther Stadtpark eröffnet wurde, werden persönliche Kleinodien und die Menschen dahinter vorgestellt.

Ausstellung persönlicher Gegenstände

"Hengst Ajan war ein Spiegel meiner selbst", schrieb eine Frau aus der Gemeinde an Irene Stooß-Heinzel. Die Pfarrerin hatte Mitte März dazu aufgerufen, Fotos persönlicher Gegenstände und deren Hintergrund ins Pfarramt zu senden.

"Ein Lehrmeister und ewiges Rätsel zugleich" sei das Pferd gewesen und habe sie barmherzig gegenüber Mitmenschen gemacht, heißt es weiter in dem Schreiben. Eine andere Dame hat sich mit einem alten Kochbuch ablichten lassen.

Sie hatte als junge Frau eine prall gefüllte Geldbörse auf der Straße gefunden und diese zum Fundbüro gebracht. Die Besitzerin bedankte sich mit einem 50-Mark-Schein, der für den Kauf des Buchs genutzt wurde. "Wenn immer ich auch heute noch ein Rezept daraus koche, denke ich an diese Begebenheit", bekennt sie.

Ausstellung in der Auferstehungskirche in Fürth

Auch diese Geschichte wird in der Schau erzählt, die kunstvoll und praktisch zugleich in der Auferstehungskirche installiert wird und bis zum 1. August zu sehen sein soll. Und zu der noch während der Laufzeit gerne weitere Stücke dazukommen können.

"Es soll ein Mosaik aus Lebensgeschichten werden, durch das wir unseren Nachbarn näherkommen oder sie von einer anderen Seite kennenlernen", meint Irene Stooß-Heinzel.

Was die Fürther hier einbringen, lasse sich durchaus mit christlichen Werten in Einklang bringen. Da ist von Nachhaltigkeit die Rede, wenn eine Familie ihre selbst getöpferten Schüsseln zeigt, mit denen sie vor Jahrzehnten ihren Hausstand begründet hat und die sie heute noch benutzt.

Oder von Hoffnung und Vertrauen, wenn eine andere Familie einen Hocker und einen Koffer präsentiert, die den Großeltern als einzige Überbleibsel der einstigen Heimat in Ostpreußen geblieben sind, aus der sie im Zweiten Weltkrieg vertrieben wurden.

Wertvolle Schätze

Schätze, für die es auf dem Flohmarkt wohl kaum noch einen Käufer finden würde, die für die Besitzer aber von unschätzbarem Wert sind. Rund 20 solcher Einsendungen waren nach wenigen Wochen von den rund 2.000 Gemeindegliedern zusammengekommen.

"Wir wollen zeigen, dass sich Kirche für die Menschen interessiert und sich für ihre Themen öffnet, anstatt lediglich die eigenen Themen anzubieten", beschreibt die Leiterin des Evangelischen Bildungswerks in Fürth den neuartigen Ansatz. Nicht jeder, der eine Geschichte zu erzählen hat, kann sich gut schriftlich ausdrücken.

Die Referentin eines für die Ausstellung geplanten Schreibworkshops, Ruth Lenz-Tichai, hat aufgeschrieben, wie kreatives Schreiben mit Hilfe eines "Elfchens" geht: einfach elf Wörter auswählen, die charakteristisch für das Szenario sind, und als Stichpunkte notieren.

"Die Ergebnisse verstehen die meisten dann auch ohne zusammenhängende Sätze", versichert die Pfarrerin Irene Stooß-Heinzel.

Sie selbst hat auch persönliche Dinge beigesteuert. Zum Beispiel eine Muschel von einem frühen Aufenthalt am Meer im Alter von 13 Jahren, "eine Phase, in der viele junge Mädchen alles hinterfragen, mit sich unzufrieden sind und ihren Weg in der Welt suchen", erinnert sie sich. An der eher bräunlichen Muschel ist ein Stück abgebrochen.

Unter der dunklen Schale zeigte sich ein heller Untergrund. "Das hat mich damals stark gemacht und macht es mich noch heute, wenn ich mal durch ein dunkles Tal wandere", sagt die Pfarrerin.

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