1.06.2018
Konzertkritik

Christian Brückner bei Nachtmusik des Würzburger Mozartfests

Zwei leichte Hälften mit Stücken von Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn, dazwischen mit dem Monodrama "Pygmalion" des Philosophen Jean-Jacques Rousseau ein harter Brocken: So könnte man die erste Nachtmusik des Würzburger Mozartfests 2018 beschreiben, die am Donnerstag über die Bühne ging. Eine Konzertkritik.
Hofgarten der Würzburger Residenz
Der Hofgarten der Würzburger Residenz ist bei der Nachtmusik des Mozartfests illuminiert und von tausenden Besuchern bevölkert.

Als der Schauspieler und Synchronsprecher Christian Brückner am Fronleichnamstag bei der Nachtmusik des Würzburger Mozartfests in der Rolle des Pygmalion im gleichnamigen Bühnenstück des französischen Philosophen Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) zur Wehklage über die unerfüllbare Liebe ansetzte - da hörte sich das ein bisschen so an, wie der Monolog des wahnsinnig gewordenen Max Cady alias Robert de Niro im Psychothriller-Klassiker "Kap der Angst" (1991). Dazu dann noch die Blitze über dem Himmel der Würzburger Residenz in dieser schwülen Frühsommernacht: Das Szenario war perfekt.

Brückner leiht dem US-Schauspieler de Niro nun schon seit über 40 Jahren die Stimme für die deutsche Synchronisation. Auch durch andere Rollen ist der wohl bekannteste Synchronsprecher Deutschlands "in aller Ohr" - was an diesem Abend die eindringliche Wehklage Pygmalions, der in der Erzählung Bildhauer ist und sich unglücklich in eine selbst geschaffene Statue verliebt hat, umso eindringlicher machte.

Würzburger Mozartfest zeigt "Pygmalion" nach Benda

Die Musik zum Sück stammte ursprünglich aus Rousseaus eigener Feder. Da der Denker den Tönen aber nie die Bedeutung beimaß, wie er seinen Worten eine einhauchte, erhielt das wohl erste Melodrama der Theatergeschichte mehrere Neuvertonungen. Unter anderem vom böhmischen Kapellmeister und Komponisten Georg Anton Benda (1722-1795), der als Zeitgenosse Mozarts wie die berühmte Faust aufs Auge zu diesem Abend passte. Auch wenn das bedeutungsschwangere Werk wohl nicht genau das ist, was ein auf einen netten Konzertabend in barocker Kulisse getrimmtes Publikum von der traditionellen Nachtmusik erwartet hatte.

In diese Kategorie passte da schon eher das dritte Stück, das die Capella Augustina mit Konzertmeisterin Chouchane Siranossian an der Geige unter der Leitung des Dirigenten Andreas Spering im Hofgarten der Residenz intonierte. Haydns Sinfonie Nr. 82, die auch als Teil der um 1785 entstandenen "Pariser Sinfonien" bekannt ist, bietet in knapp halbstündiger Spieldauer all das, was sich die Ohren von einem gemütlichen Konzertabend wünschen: Dynamische Sätze, leicht nachvollziehbare Melodielinien und ausdrucksstarke Solopartien. Dass ein Joseph Haydn diese so leichtfüßig daher kommende  Musik, in der so viel Können steckt, zu einer Meisterschaft entwickelte, spricht auch über 200 Jahre noch für den Wiener Komponisten.

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