24.09.2020
Klimastreik

"Kein Grad weiter": "Fridays for Future" ruft zum ersten Klimastreik seit der Corona-Krise auf

Bundes- und auch bayernweit wollen Klimaaktivisten an diesem Freitag (25. September) wieder auf die Straße gehen und für eine bessere Klimapolitik demonstrieren. Die Kundgebung in München wurde abgesagt.

Die Klimabewegung will wieder deutlich mehr öffentlichen Druck für den Klimaschutz machen. Für Freitag ruft "Fridays for Future" zum sechsten "globalen Klimastreik" auf. Allein in Deutschland solle unter dem Motto "Kein Grad weiter!" an mindestens 400 Orten gestreikt werden, kündigte "Fridays for Future"-Sprecher Quang Paasch am Mittwoch in Berlin an.

Weltweit seien es nach bisherigen Stand rund 2.500 Streikstandorte.

Es ist der erste große Aktionstag der Klimabewegung seit Beginn der Coronapandemie. Im März hatte sie ihre Proteste vor allem ins Internet verlegt. Im Mittelpunkt der deutschlandweiten Proteste am Freitag soll das Thema Energiewende stehen. "Fridays for Future" fordert von der deutschen Regierung den Kohleausstieg bis 2030 und die Klimaneutralität Deutschlands bis 2035.

Aktion: "Kein Grad weiter"

Beim bislang größten globalen Klimastreik am 20. September 2019 waren in Deutschland 1,4 Millionen Menschen auf die Straße gegangen.

An die Freitags-Demonstrationen in Deutschland werde sich ein Aktionswochenende mit Schwerpunkt im Braunkohlentagebau Garzweiler anschließen, kündigte Ronja Weil von "Ende Gelände" an. Geplant seien Aktionen zivilen Ungehorsams wie Baggerbesetzungen. Beteiligen wollen sich auch Gruppen wie "Alle Dörfer bleiben", "Anti-Kohle-Kidz" und "Campact".

Die Initiative "Die Kirche(n) im Dorf lassen" will die Proteste am Tagebau Garzweiler mit Mahnwachen und Gottesdiensten begleiten. "Wir möchten ein Zeichen der Solidarität setzen", erklärte Jan Niklas Collet, Sprecher der Initiative. "Wir möchten zeigen, dass aus unserer christlichen Perspektive sichtbare und entschiedene Schritte zum Schutz der Schöpfung gemacht werden müssen."

Demonstrieren in Corona-Zeiten

Eine besondere Herausforderung ist diesmal das Einhalten der Corona-Infektionsschutzregeln: Die für München geplante Großdemonstration wurde deswegen kurzfristig abgesagt, wie der Schüler Lukas Maggioni von der Münchner "Fridays"-Gruppe dem Evangelischen Pressedienst (epd) sagte.

Insgesamt sollen laut der Website "fridaysforfuture.de" in mehr als 40 bayerischen Städten und Gemeinden Protestaktionen stattfinden.

Großdemonstration in Nürnberg

In Nürnberg beginnt eine große Demonstration um 12.30 Uhr am Färbertor/Frauentorgraben.

Angemeldet sind 1.000 Teilnehmer, wie die Schülerin Fabia Klein von der Nürnberger Ortsgruppe sagte. Zum Auftakt veranstaltet der designierte Umweltbeauftragte der evangelischen Landeskirche, Pfarrer Thomas Zeitler, um 12.05 Uhr in der St. Jakobskirche ein "Klimagebet".

Weitere Aktionen in ganz Bayern

In Erlangen plant die "Fridays"-Gruppe ab 13 Uhr sechs Stadtteildemos statt einer Kundgebung.

In Regensburg sollen sich ab 17.30 Uhr Menschenreihen entlang der Donau aufstellen, in Bayreuth zieht ab 12 Uhr ein Protestzug durch die Stadt, in Würzburg wird ab 14 Uhr auf den Mainwiesen demonstriert - alles unter Einhaltung von Abstand, Maskenpflicht und Hygieneschutz.

Absage der Kundgebung in München

In München waren ursprünglich für eine Klimademo auf der Theresienwiese 1.000 Teilnehmer ab 14 Uhr angemeldet, wie Maggioni sagte. Am Mittwoch entschied sich die "Fridays"-Gruppe jedoch dafür, die Aktion abzusagen.

Zwar hätten die Initiatoren ein Corona-Hygienekonzept entwickelt und vorgelegt, sagte Maggioni. Doch angesichts des neuerlich hohen Inzidenzwerts in der Stadt seien sie "selbst intern uneins gewesen, ob wir das als Veranstaltungsleitung so verantworten können". Die Gruppe will nun entscheiden, ob zumindest eine kleinere Aktion stattfindet.

Großdemo mit Schutzkonzept

In Nürnberg dagegen ist Initiatorin Klein nach eigenen Worten zuversichtlich, dass es trotz der strengen Auflagen mit der Großdemo klappt.

Kleinere Kundgebungen in den vergangenen Monaten hätten unter diesen Bedingungen schon gut funktioniert, sagte sie dem epd. Maggioni zufolge bedeuten die Schutzkonzepte jedoch deutlich mehr Organisationsarbeit: So habe bei der Streikvorbereitung eine eigene Untergruppe alles auf Hygiene kontrollieren müssen.

Klimastreiks zur Mittagszeit

Dass die meisten Klimastreiks diesmal erst mittags starten, sei "reiner Zufall", sagte Klein. Eine bayern- oder gar bundesweite Absprache hierzu gebe es nicht, die Ortsgruppen hätten ihre Aktionen alle selbständig geplant.

Allerdings sei es schon ein Problem gewesen, dass in der Corona-Krise gar keine Schule stattgefunden habe: "Wir sind ganz froh, wieder in die Schule gehen zu können." Einen ganzen Freitag zu streiken sei schon "heavy", weil ja der ganze Stoff nachgearbeitet werden müsse.

Der Hauptgrund für den späten Beginn sei jedoch, dass dadurch "mehr arbeitende Menschen" erreicht werden sollen, sagte Klein.

Diese könnten sich so zumindest in der Mittagspause an der Demo beteiligen. Das bestätigte auch Maggioni: "Wir wollten mehr Schüler, aber auch Lehrer und Halbtags-Arbeitende erreichen."

Er ist froh, dass nach den Online-Aktionen in der Corona-Krise nun wieder Protest auf der Straße stattfindet. Der Druck werde nicht aufhören, sagte Klein: "Wir werden weiter unbequem bleiben."

41 Prozent unterstützen Aktionen

In der Bevölkerung stößt der für Freitag angekündigte Klimastreik laut einer Umfrage auf Sympathie. Danach unterstützen 41 Prozent der Deutschen die geplanten Aktionen eher oder sogar voll und ganz, wie die GLS Bank am Mittwoch in Bochum mitteilte.

34 Prozent der Befragten gaben an, sie befürworteten den Klimastreik eher nicht oder überhaupt nicht, 25 Prozent hatten keine Meinung dazu.

Für 59 Prozent der Befragten hat die globale Klimakrise eine große oder sogar sehr große Relevanz. 54 Prozent sind laut Umfrage zudem der Meinung, die Bundesregierung unternehme nicht genug, um die deutschen Klimaschutzziele zu erreichen.

Für die repräsentative Umfrage befragte das Meinungsforschungsinstitut YouGov Deutschland im Auftrag des Ökostrom-Anbieters "Naturstrom" und der GLS Bank 2.052 Menschen ab 18 Jahren zwischen dem 18. und 21. September online.

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