26.05.2019
Ethik und Naturwissenschaft

Theologe Zeilinger fordert internationale Standards für Gentechnik

Genveränderter Weizen und schädlingsresistenter Mais sind schon lange Realität. Aber was geschieht, wenn die Medizintechnik dem Menschen ermöglicht, im Erbgut seinesgleichen herumzuschnippeln? Welche ethischen und juristischen Fragen sich mit der Gentechnik auftun und warum jeder bei diesem Thema mitdiskutieren sollte.
DNA Mensch Gene Gentechnik Erbgut

Die Debatte um Erbgutveränderungen mithilfe einer Genschere sollte Thomas Zeilinger zufolge eine europäische sein, "mit der Tendenz, schrittweise global wirksam zu werden". Im Interview mit dem Sonntagsblatt forderte der landeskirchliche Beauftragte für Ethik im Dialog mit Technologie und Naturwissenschaft gemeinsame Standards und ein Kontrollsystem für genverändernde Eingriffe beim Menschen.

Damit schließt sich Zeilinger einem Aufruf des Deutschen Ethikrats zu einer internationalen Übereinkunft an, ehe Modifikationen des Erbguts vorgenommen werden, wie es im November 2018 bei Zwillingsmädchen in China geschehen sein soll.

"Zum Glück sind wir noch ein großes Stück davon entfernt, dass solche Eingriffe Normalität werden", so Zeilinger.

Doch in Hinblick auf die Heilung vererblicher Krankheiten seien damit schon große Hoffnungen verbunden, "und da sind durchaus Fortschritte zu erwarten, wenn sich die Technologie weiterentwickelt und die medizinischen Risiken eines Eingriffs in das Erbgut geringer werden".

Kritischer sehe der evangelische Theologe diejenigen, "die mithilfe von Gentechnik den Menschen optimieren, fitter machen und länger leben lassen wollen". Aus christlicher Perspektive müsse man dem entgegensetzen, dass zum Menschsein das Akzeptieren von Makeln, Grenzen und Endlichkeit gehört.

 

Welche ethischen Überlegungen spielen im Bereich der Gentechnik eine Rolle?

Thomas Zeilinger: Die Kontroversen liegen darin, Ängste und Hoffnungen, den Forschungsstand sowie gesundheitliche Risiken mit und ohne Eingriff zu gewichten. Um deren Abwägung kommt man kaum herum, außer man ist kategorisch gegen Gentechnik oder uneingeschränkt dafür. Ich wäre allerdings zurückhaltend mit einer prinzipiellen Ablehnung, weil der Mensch sich über die Jahrhunderte hinweg immer mit dem Wissen der Medizin weiterentwickelt hat.

Probleme mit der Gen-Schere?

Am 04. Juni um 19 Uhr lädt die Evangelische Stadtakademie München zu einer Debatte um die "Probleme mit der Gen-Schere?" ein. Dabei trifft Thomas Zeilinger auf Matthias Braun vom Lehrstuhl für Systematische Theologie der Universität Erlangen-Nürnberg, Steven Hildemann, Senior Vice President der Chemie- und Pharmaindustrie Merck KGaA Darmstadt und Martin Schulte, Professor für Umwelt- und Technikrecht an der TU Dresden.

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