4.07.2017
Sonntagsblatt-Ratgeber

Sprechstunde: Lachen kann man wieder lernen

Frau A. kommt bald ins neunte Lebensjahrzehnt. Aber weniger wachsende körperliche Beschwerden machen ihr zu schaffen, sondern, dass sie sagen muss: "Ich habe das Lachen verlernt".

Bei mir wird bald das neunte Lebensjahrzehnt beginnen, und so langsam wird mein Leben beschwerlich. Dabei sind es nicht nur die körperlichen Einschränkungen, die es mühselig machen. Mehr noch leide ich seelisch. Gar nicht einmal so sehr über mein eigenes Empfinden. Es ist vielmehr der Zustand der Welt, der mich immer wieder herunterzieht.

Früher war ich immer ein lebenslustiger Mensch, der viel gelacht hat. Aber das Lachen habe ich richtig verlernt, und damit ist auch eine Schwere in mein Leben eingezogen, die vorher nicht so da war. Ich beneide meine beiden Enkelkinder, die so herzerfrischend lachen können und mich damit so sehr aufheitern. Aber wenn sie wieder gegangen sind, kehrt die alte Schwermut zurück.

Frau A.

Es gibt eine gute Nachricht: Was wir einmal verlernt haben, können wir wieder neu lernen. Lassen Sie mich Ihnen dazu bitte von einer Erfahrung erzählen. Seit Jahren kaufe ich mir zu Beginn eines Jahres einen Abreißkalender mit lustigen Geschichten. Er hängt bei uns auf der Toilette, und damit ist gewährleistet, dass ich zumindest einmal täglich, und zwar zu Beginn eines Tages, ins Lachen komme. Doch damit nicht genug.

Auch unseren Enkeln schenke ich zum neuen Jahr einen solchen Abreißkalender, diesmal die Ausgabe für Kinder, mit lustigen Szenen und Sprüchen. Immer wieder tauschen wir uns aus und erzählen uns von dem, was wir entdeckt haben. So nach dem Motto: Geteiltes Lachen ist doppeltes Lachen. Beispiele, zunächst aus dem Enkelkalender:

Die Kinder einer christlichen Grundschule warten auf das Mittagessen. Am Kopf des Tisches eine große Schale mit Äpfeln. Dazu ein Zettel der Lehrerin: "Bitte nur einer für jeden. Gott beobachtet euch." Am anderen Tischende ein Berg Schokoladenkekse. Hier hat ein Kind einen Zettel dazugeschrieben: "Nehmt so viel ihr wollt. Gott beobachtet die Äpfel." Oder:

"Als ich damals in Alaska war", erzählt der Opa seinem Enkelsohn Anton, "wurde ich von zwölf Wölfen angefallen." Darauf Anton: "Ach, Opa, letztes Jahr waren es noch drei." Darauf der Großvater: "Jaja, so ist das. Damals warst du noch zu klein, um die ganze Wahrheit zu erfahren."

Jetzt ein "Gegengeschenk" aus meinem Kalender. Der pädagogisch-theologische Ton dabei ist – schmunzel, schmunzel – wohl reiner Zufall:

Ein kleines Mädchen malt ein Bild. Fragt der Religionslehrer: "Was malst du da?" Das Mädchen schaut nur kurz auf: "Das wird ein Bild von Gott." Der Religionslehrer lächelt: "Hm. Das Problem ist nur, niemand weiß wirklich, wie Gott aussieht." Darauf das kleine Mädchen: "Ich bin gleich fertig, dann wirst du es wissen."

Überlegen Sie doch bitte, ob so ein Kalender, erhältlich in jeder größeren Buchhandlung, auch Ihnen und Ihren Enkeln Freude bereiten könnte. Für Sie jedenfalls würde das Lachen zurückkehren und Sie an Leib und Seele erfrischen. So nach dem alten Bibelwort: "Ein fröhlich Herz macht das Leben lustig, aber ein betrübter Mut vertrocknet das Gebein." (Sprüche Salomos 17, 22)

ShareFacebookTwitterShare

Weitere Artikel zum Thema:

Sonntagsblatt