3.09.2015
Lutherbibel

Altbischof Kähler: Lutherbibel näher an alter Übersetzung

Die Überarbeitung der Lutherbibel ist inzwischen abgeschlossen. Der evangelische Altbischof Christof Kähler erklärt, warum sie in ihrer Sprache wieder mehr der von Luther ähnelt.
Martin Luther

Die neue Lutherbibel ist dem evangelischen Altbischof Christoph Kähler zufolge näher an der Sprache des Reformators als frühere Übersetzungen. "Wir kehren oft zu Luther zurück, die Sprache und Poesie Luthers soll erkennbar bleiben", sagte der frühere Thüringer Landesbischof und Leiter des Lenkungsausschusses zur Durchsicht der Lutherbibel. Die Revision der Bibel ist inzwischen abgeschlossen und wird dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) als Herausgeber vorgelegt werden.

Der Altbischof sagte, die neue Übersetzung kehre in vielen Fällen zu dem ursprünglichen Luther zurück, "weil wir den Eindruck haben, Luther ist da philologisch genauer und heute gut verstehbar". Kähler, der für die sprachliche Überarbeitung verantwortlich ist, nannte als Beispiel einen Vers aus Psalm 42. In der neuen Lutherbibel heißt es jetzt wieder: "Wie ein Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele Gott zu Dir". Bei der Bibelrevision aus dem Jahr 1984 war am Versanfang schreien durch lechzen ersetzt worden.

Lutherbibel berücksichtigt neue Erkenntnisse der Bibelwissenschaft

Der evangelische Theologe betonte: "Der Luthertext ist ein Text, der aus dem Gottesdienst entstanden ist. Das muss in der neuen Ausgabe erkennbar bleiben." Zugleich seien bei der Revision aber auch neue Erkenntnisse der Bibelwissenschaften berücksichtigt worden. Bei der Übersetzung des Neuen Testaments etwa sei an den Stellen, wo Luther dem griechischen Text seiner Zeit folgte, nun die an der Universität Münster erarbeitete textkritische Ausgabe des Neuen Testaments zugrunde gelegt worden. Mit Blick auf das hebräische Alte Testament sagte Kähler, die neue Fassung enthalte deutlich weniger Vermutungen darüber, wie der ursprüngliche hebräische Text gelautet haben könnte.

Deutliche Eingriffe haben die Bibelrevisoren bei den Apokryphen, also den Texten, die nicht zum biblischen Kanon zählen, vorgenommen. "Bei allem Lob, das man Luther und seinen Mitarbeitern spenden muss, was das Alte und das Neue Testament angeht, bei den Apokryphen haben sie sehr viel weniger sorgfältig gearbeitet", sagte Kähler. Die neue Übersetzung dieser Schriften biete nun eine neue Übersetzung auf verlässlicher wissenschaftlicher Grundlage.

Lutherbibel mit etwa 12.000 veränderten Versen

Kähler schätzt, dass die neue Lutherbibel im Alten und Neuen Testament rund 12.000 veränderte Bibelverse aufweisen wird. "Das ist eine grobe Schätzung", sagte er. "Eine Änderung, die wirklich auffallen wird, ist die Frage, wie in den Gemeinden die Gemeindemitglieder angeredet werden." So werde an etlichen Stellen in den Paulusbriefen die Gemeinde nun mit "Brüder und Schwestern" angeredet, anstelle der rein maskulinen Anredeform. Bei Gemeinden, die sich eindeutig aus Männern und Frauen zusammensetzen, habe man es nicht bei "Brüdern" alleine belassen können, argumentierte Kähler.

Die Lutherbibel geht zurück auf die Übersetzungen Martin Luthers und seiner Mitarbeiter in den Jahren 1521 bis 1545. Eine erste kirchenamtliche Durchsicht der Bibelübersetzungen Martin Luthers begann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Eine zweite Durchsicht erfolgte im Jahr 1912. Derzeit ist die zuletzt 1984 überarbeitete Lutherbibel der maßgebliche Bibeltext der EKD und ihrer Landeskirchen für Gottesdienst, Unterricht und Seelsorge.

 

ShareFacebookTwitterShare

Weitere Artikel zum Thema:

Kritik am Reformationsjubiläum

Thies Gundlach, Cheftheologe der EKD, und der Münchner Theologieprofessor Jörg Lauster, der die inhaltliche Ausrichtung des Reformationsjubiläums kritisiert.
Thies Gundlach, Cheftheologe der EKD, beklagte eine "grummelige Meckerstimmung" und "Ignoranz" von renommierten Theologieprofessoren an der Ausgestaltung des Reformationsjubiläums. Bei einem Redaktionsgespräch im Evangelischen Presseverband traf er sich mit dem Münchner Theologieprofessor Jörg Lauster.