22.07.2020
Rostocker Studie

Alt werden in Starnberg, früh sterben im Fichtelgebirge: Süddeutsche werden älter als Ostdeutsche

Dass es sich im Freistaat gut lebt, wussten die Bayern schon immer. Dass man im bundesweiten Vergleich vielerorts auch besonders lange lebt, ist das Ergebnis einer Studie. Nur ein Landkreis landet unter den bundesweit schlechtesten zehn Prozent.
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Die Lebenserwartung von Männern in Deutschland unterscheidet sich je nach Region um mehr als fünf Jahre, die von Frauen um knapp vier Jahre. Richtig alt werde man vor allem im südlichen Bayern sowie in Baden-Württemberg, sagte Roland Rau, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) am Montag in Rostock.

Eine neue Studie des Instituts über die Lebenserwartung in allen 402 Landkreisen und kreisfreien Städten führt die Unterschiede vor allem auf Armut zurück.

Bei den Frauen liegen 17 Städte und Kreise unter den Top 40 in Bayern, bei den Männern sind es sogar 18.

Frauen im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt werden im Schnitt nur 81,8 Jahre alt. Dagegen werden Frauen im Landkreis Starnberg im Südwesten Münchens durchschnittlich 85,7 Jahre alt - dem bundesweit besten Wert. Auch bei den Männern gibt es ein Gefälle Richtung Süden: In Bremerhaven leben sie im Schnitt nur 75,8 Jahre, im Landkreis München werden Männer dagegen 81,2 Jahre alt (Platz 1).

Insgesamt zeigt die Studie, dass mehr Landkreise mit niedriger Lebenserwartung im Osten Deutschlands liegen als im Westen. Allerdings gibt es auch etwa im Ruhrgebiet Regionen, in denen die Bewohner im Schnitt früher sterben. Dazu zählen Dortmund, Gelsenkirchen und Essen.

Stadt und Landkreis München liegen weit vorne

In Bayern auf den vorderen Plätzen bei der Lebenserwartung der Frauen liegen auch die Stadt München (bundesweiter Platz 2) und der Landkreis München (Platz 3) mit jeweils rund 85,5 Jahren, bei den Männern sind es die Stadt München (Platz 3) mit rund 80,8 Jahren sowie der Kreis Starnberg (Platz 4) mit etwa 80,7 Jahren.

Unter den bundesweiten Top-Ten befinden sich bei den Frauen auch noch der oberbayerische Kreis Weilheim-Schongau (Platz 8) sowie der Kreis Fürstenfeldbruck (Platz 10) mit jeweils einem Durchschnittsalter von rund 85,1 Jahren. Bei den Männern ist allerdings nur noch der Landkreis Fürstenfeldbruck (Platz 6) unter den bundesweit besten zehn - mit einem Durchschnittsalter von 80,6 Jahren.

Ein einziger Wert der bayerischen Städte und Kreis zählt zu den bundesweit untersten zehn Prozent.

Im Kreis Wunsiedel in Oberfranken werden Männer im Schnitt nur rund 77,2 Jahre alt - das ist nicht nur der schlechteste Wert im Freistaat, sondern auch Platz 386 von bundesweit 402 Landkreisen und kreisfreien Städten.

Die Rostocker Forscher haben auch untersucht, welche Faktoren zur unterschiedlichen Lebenserwartung beitragen. Starken Einfluss hat demnach die Arbeitslosenquote und die Quote der Hartz-IV-Empfänger in einem Landkreis.

"Wer Unterschiede in der Lebenserwartung reduzieren will, muss vor allem die Lebensbedingungen des ärmsten Teils der Bevölkerung verbessern", sagte Rau.

Andererseits zeigten die Daten, dass häufig debattierte Faktoren wie Durchschnittseinkommen, Arztpraxendichte oder die Bevölkerungsdichte einen weitaus geringeren Einfluss auf die Lebenserwartung haben.

Für die Studie haben die Rostocker Wissenschaftler mit Hilfe der Sterberaten der Jahre 2015 bis 2017 die Lebenserwartung für Frauen und Männer in den 402 Landkreisen geschätzt. Um statistische Unsicherheiten in sehr kleinen Landkreisen auszugleichen, wurden die Sterberaten mehrerer Jahre kombiniert. Die Studie wurde kürzlich im Ärzteblatt veröffentlicht.

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