1.02.2021
Hungersnot in Madagaskar

Kinder essen aus Verzweiflung Wurzeln und Lehm: SOS-Kinderdörfer melden dramatische Hungersnot in Madagaskar

Immer mehr Kinder in Madagaskar leiden nach Angaben der SOS-Kinderdörfer unter Mangelernährung und lebensbedrohlichem Hunger.

"Drei aufeinanderfolgende Dürrejahre haben die Menschen im Süden des Landes in schwere Not getrieben", teilte die Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer in München mit.

Durch die Corona-Pandemie und die folgenden Jobverluste habe sich die Zahl der Menschen, die nicht genug zu essen haben, auf 1,3 Millionen Menschen fast verdoppelt, sagte Jean François Lepetit, Leiter der Hilfsorganisation in Madagaskar.

Hungersnot in Madagaskar

Am härtesten sei die Situation für Kinder: In den drei am stärksten betroffenen Regionen würden inzwischen mehr als zehn Prozent der Jungen und Mädchen als unterernährt eingestuft.

"Sie sind entwicklungsverzögert und leiden unter Krankheiten wie Durchfall, die in diesem Zustand schnell lebensgefährlich werden", sagte Lepetit.

Nur noch ein Viertel aller Kinder gehe dort zur Schule. "Alle anderen betteln oder sind zusammen mit ihren Eltern auf der Suche nach Essbarem!" In der Verzweiflung würden Wurzeln, Rinde und sogar Lehm gegessen.

Nach UN-Prognosen könnte sich die Krise auf der Insel vor der Südostküste Afrikas in den kommenden Monaten weiter verschärfen. "Es ist keine Zeit zu verlieren! Die Kinder müssen dringend mit Lebensmitteln versorgt werden", sagte Lepetit.

Langfristig müsse eine Antwort auf den Klimawandel gefunden werden, der Madagaskar massiv treffe.

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Autor
Der Soziologe Gerald Knaus gilt als Erfinder der EU-Türkei-Erklärung von 2016, die irreguläre Migration über die Ägäis nach Europa reduzieren soll. In seinem aktuellen Buch "Welche Grenzen brauchen wir?" räumt er auf mit Halbwahrheiten in der Debatte um europäische Migrations- und Asylpolitik – und wirbt für pragmatische Lösungen.