21.04.2019
Von Osterbrot bis Lammbraten

Die Symbolik der Speisen zur Osterzeit

Osterbrot, gebackene Osterhasen, Lämmchen mit Puderzucker bestreut, Lammbraten und bunte Eier gibt es an den bevorstehenden Feiertagen. Aber nur die wenigsten Konsumenten wissen, warum all dies zu Ostern auf dem Speiseplan steht.
gefärbte Eier Ostern Ostereier

Montag in der Früh in einer Bäckerei in Nürnberg. Verkäuferin Ute Helmer sortiert die Ostergebäcke in die Ladentheke ein. Es duftet. Ein älterer Mann steht etwas ratlos vor dem reichhaltigen Angebot, entscheidet sich dann aber für das Osterbrot mit Rosinen. Auf die Frage, ob er um die christliche Tradition des Brotes weiß, zuckt er mit den Schultern. "Ich denke, es hat etwas damit zu tun, dass Jesus mit seinen Jüngern das Brot gebrochen hat."

Eine jüngere Frau mit zwei Kindern sucht farbenfrohe Ostereier zusammen. Was es damit auf sich hat? "Keine Ahnung", sagt sie. Und ihr Sohn meint: "Ostereier gibt es einfach, damit sich die Kinder freuen." Überfragt ist auch Verkäuferin Ute Helmer. Zwar packt sie die süßen Leckereien täglich in Tüten ein. Auf das Warum weiß aber auch sie spontan keine Antwort. "Da bin ich überfragt, unsere Kunden aber auch."

In einer weiteren Bäckerei stehen die Kunden nicht nur an Weihnachten wegen der Lebkuchen, sondern auch an Ostern bis vor die Türe an. Die Frau des Bäckers, Christine Düll, hat sich ein bisschen in die Osterbräuche eingelesen. Sie vermutet, dass das Gebäck etwas mit dem Ende der Fastenzeit zu tun hat. Die Bäckerei beschäftigt viele griechische Mitarbeiter, sie sind zumeist orthodoxe Christen. Sie dürfen vor Gründonnerstag Eier weder färben noch essen, auch Süßspeisen seien verboten.

"Der Verzicht schürt die Freude auf Eierspeisen", weiß Düll.

Die Geschäftsfrau hat auch eine einleuchtende Erklärung, warum gerade Eierspeisen zur christlichen Tradition an Ostern gehören: Das Osterei sei ein Symbol der Fruchtbarkeit, es stehe für neues Leben. "Wenn die unversehrte Hülle vom Küken durchbrochen wird, symbolisiert dies die Wiedergeburt Jesus."

Als Düll hinter der Ladentheke die Symbolik der Traditionen erklärt, hören einige Kunden aufmerksam zu. "Das wusste ich nicht", sagt eine ältere Dame. "Als Christin sollte man darüber schon Bescheid wissen und die Speisen nicht einfach gedankenlos konsumieren", meint sie. Ein Mann hinter ihr in der Schlange hat bezüglich des Osterbrots eine Theorie: "Hat es nicht etwas mit neuem Leben zu tun?", fragt er in die Runde.

Eine, die Klarheit in die Tradition von Osterspeisen und deren Symbolcharakter bringt, ist Pfarrerin Silvia Jühne von St. Jobst in Nürnberg. "Grundsätzlich", sagt sie, "hängen die Speisenbräuche zu Ostern mit der Fastenzeit zusammen". Laut Jühne konzentriert sich die 40-tägige Fastenzeit auf den Leidensweg Christi "und auf das, was er uns an Werten hinterlassen hat". Wenn an Ostern das traditionelle Fastenbrechen anstünde, nehme man das, worauf man lange verzichtet hat, wieder zu sich. Darunter ist auch das Osterbrot, auf dem traditionell das Kreuz Jesu eingeritzt sei.

Auf die Frage, "warum das Brot eine runde Form hat", schütteln die Kunden den Kopf. Jühne aber kann aufklären: Die runde Form symbolisiere die Sonne und diese stehe wiederum für Licht. "Jesus Christus als das Licht des Lebens", erklärt die Pfarrerin.

Auch bezüglich der Eier kann Jühne weiterhelfen. "Das Ei in seiner zunächst geschlossenen und dann aufbrechenden Form erinnert an die geschlossene Form des Grabes Jesu. Das Ei steht an Ostern für neue Lebendigkeit des Lebens. Durch den Verzehr soll die Lebendigkeit spürbar und schmeckbar werden." Anders der gebackene Osterhase. Seine Bedeutung gehe auf heidnische Bräuche zurück. "Der Hase symbolisiert die Fruchtbarkeit und damit auch neues Leben."

Walburga Möhring ist seit Jahren bei einem Bio-Supermarkt beschäftigt. Wochen vor Ostern kann man hier schon seine Bestellung für Lammfleisch aufgeben. "Die Leute feiern das Osterfest noch mit allem Drum und Dran. Das Lamm gehört dazu", erzählt sie. Aber warum? Mit ihren Kunden rede sie freilich nicht darüber, sagt Möhring und lacht. Da gehe es vielmehr um die Qualität des Fleisches.

Möhring selbst ist bestens mit der Tradition des Lammbratens vertraut, sie ist in der Oberpfalz aufgewachsen, wo man schon immer viel Wert auf Brauchtum gelegt hat. Möhring: "Unser Herrgott hat sich für die Menschen geopfert, wie ein Lamm einfach hingeben." Auch Pfarrerin Jühne sagt, das Lamm stehe für Jesus, der sich selbst "als Opferlamm für die Sünden der Menschen hingegeben hat". Die Jünger waren nach dem Tod Jesu verzweifelt, haben am Ostermorgen aber gemerkt, "er bleibt bei uns". Damit sei die Hoffnung für alle Menschen verknüpft, sagt Jühne, dass "Leben wiederkommt."

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