5.01.2014
Meditation und Begegnung

Spirituelles Zentrum St. Martin feiert 10-jähriges Jubiläum

Schweigen. Reden. Handeln: Als Anlaufstelle der geistlichen Übung und Begegnung hat die Landeskirche 2004 das Spirituelle Zentrum St. Martin gegründet. In diesem Jahr feiert die Münchner Einrichtung zehnjähriges Bestehen. Ein Geburtstagsgespräch mit dem Leiter Andreas Ebert und der Vereinsvorsitzenden Dorothea Hahn.
Andreas Ebert und Dorothea Hahn
Leiter Andreas Ebert und Vereinsvorsitzende Dorothea Hahn

Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum. Schenken Sie sich zu diesem Fest auch selbst etwas?

Ebert: Auf jeden Fall. Zu diesem Jubiläum lassen wir es einmal krachen. Mit unserem internationalen Symposium zum Herzensgebet. Mit zwei Kulturevents, mit unserer Ausstellung »Jesus in München« und einer mehr als 100-seitigen Festschrift.

Hätten Sie gedacht, dass sich das Zentrum so entwickelt?

Hahn: Am Anfang war es nur ein befristeter Versuch. Aber ich hatte nie Angst, dass es nicht wird. Natürlich hatten wir Konflikte, mussten um die richtige Form ringen. Aber jetzt sind wir langsam stabil und können unserem Kind beim Älterwerden zusehen.

Dossier

Spiritualität und Mystik

In unserem Dossier zum Thema »Spiritualität« finden Sie Artikel rund um die christliche Frömmigkeitspraxis. Dazu gehören Mystik, Pilgern und Meditation, spirituelle Impulse und neue Formen der Gottesbegegnung. Hier geht es zum Dossier.

St. Martin ist ein »Ort für Menschen, die auf der Suche sind«. Was sind das für Menschen, und wonach suchen sie?

Ebert: Verschiedene Menschen werden hier angespült, kirchennahe und kirchenferne. Häufig sind es Leute, die in den traditionellen kirchlichen Formen nicht mehr beheimatet sind.

Hahn: Es sind Menschen, die unterwegs waren. Sie waren auf der Suche, zum Beispiel bei östlichen Religionen, und kommen wieder zurück. Und sie bringen etwas mit. Wir tragen hier das Gute von allem zusammen.

Welche Antworten finden die Suchenden in St. Martin?

Ebert: Sie lernen, dass Gott kein Konzept ist. Wir geben keine dogmatischen Antworten, die Menschen fragen mehr nach einer Erfahrung als nach einer Deutung. Es geht um persönliches Reden, nicht um abstraktes Theologisieren. Aber hier ist auch kein Raum, wo das Leben religiös vernebelt wird.

Hahn: Die Menschen finden die Antworten, die sie sich selbst geben. Im gemeinsamen Schweigen, Reden, Beten, Abendmahlfeiern. Da löst sich manches, da fließen Tränen, da wird Gemeinschaft gefeiert. Dass sie hier einen Platz haben, die Tür offen ist: Das ist eine Antwort.

Begonnen hat St. Martin mit dem Herzensgebet, der Martinsmesse als moderner Gottesdienstform und als Pilgerherberge. Wie hat sich dieses Angebot verändert?

Ebert: Das Meditieren und die Martinsmesse sind nach wie vor unsere Schwerpunkte. Daneben sind neue Formen dazugekommen: die Straßenexerzitien, bei denen Menschen Gott in der Stadt suchen. Die Männerspiritualität. Ein Chor. Seminare zu Familienverstrickungen, bei denen sich Therapeutisches und Spirituelles verbindet. Und wir haben jetzt auch ehrenamtliche Sozialarbeit: eine Gruppe, die sich um männliche Prostituierte kümmert.

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Sie nennen sich Spirituelles Zentrum, nicht Evangelisches, benutzen Übungen aus östlichen Traditionen und wollen offen für alle sein: Wie gelingt dieser Spagat zwischen traditioneller Kirche und moderner Gottessuche?

Ebert: Das ist ein Dauerspagat. »Spirituell« ist ein christliches Wort, auch wenn es von Esoterikern verwendet wird. Da steckt »spiritus« drin, der Heilige Geist. Wer uns näher kennenlernt, merkt, dass das Zentrum ganz klar christlich ist, dass Christus bei uns das Zentrum ist. Aber wir definieren uns nicht von den Grenzen her, sondern von der Mitte. Deshalb sind die Grenzen fließend, und so entstehen Dialog und Begegnung, aber eben auch Spannung. Die einen sagen: »Ihr seid gar nicht mehr christlich«, die anderen: »Ihr seid viel zu christlich.« Aber wenn wir von beiden Seiten Ohrfeigen bekommen, sind wir wahrscheinlich auf einem guten Weg. Wir suchen alle nach der einen Wahrheit, nach dem, was wir Gott nennen und was wir in der Kirche manchmal zu vollmundig in den Mund nehmen, als wüssten wir immer schon, was Gott ist.

In zehn Jahren passiert viel. Was waren für Sie besondere Erlebnisse?

Ebert: Jeder Gottesdienst, jeder Meditationstag ist für mich ein Geschenk, ein Erlebnis.

Hahn: Großartig war natürlich die volle Lukaskirche, als Richard Rohr da war. Dass wir das Selbstbewusstsein entwickeln konnten, dass wir so etwas machen, ist schon toll.

Was wünschen Sie sich für die nächsten zehn Jahre?

Ebert: Vier Jahre habe ich noch bis zum Ruhestand, und ich will zusehen, dass ich für meinen Nachfolger eine gute Grundlage schaffe.

Hahn: Ich wünsche mir auch, dass der Übergang klappt. Dass uns die Kraft nicht ausgeht. Und dass Menschen kommen, die die Arbeit mittragen und ihre Talente und Ideen einbringen.

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